Nach einer Schlauchlinersanierung werden sanierte Kanäle durch eine Kombination aus TV-Inspektion und Dichtheitsprüfung kontrolliert. Diese beiden Verfahren stellen sicher, dass der eingebrachte Liner korrekt ausgehärtet ist, dicht sitzt und keine strukturellen Mängel aufweist. Im Folgenden erfährst du, wie die einzelnen Prüfschritte ablaufen, wer für die Abnahme zuständig ist und wann Folgekontrollen sinnvoll sind.
Welche Prüfverfahren werden nach einer Schlauchlinersanierung eingesetzt?
Nach einer Schlauchliner-Sanierung kommen standardmäßig zwei Prüfverfahren zum Einsatz: die optische Inspektion per TV-Kamera und die Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610. Beide Verfahren ergänzen sich und sind in der Regel Pflichtbestandteil jeder professionellen Rohrsanierung mit Inliner-Technik. Nur wenn beide Tests bestanden sind, gilt die Sanierung als abgeschlossen und abnahmefähig.
Die TV-Inspektion liefert ein vollständiges Bild der Oberfläche und Geometrie des eingebrachten Liners. Sie zeigt, ob der Schlauch gleichmäßig ausgehärtet ist, ob Falten, Einschnürungen oder Delaminationen vorliegen und ob Anschlüsse korrekt geöffnet wurden. Die Dichtheitsprüfung hingegen testet, ob der Kanal tatsächlich wasserdicht ist und keine Undichtigkeiten zwischen Liner und Rohrwand bestehen.
Je nach Auftraggeber und Regelwerk können zusätzliche Verfahren wie Scheiteldruckmessungen oder Wanddickenmessungen verlangt werden. In der kommunalen Kanalsanierung gelten die Anforderungen der DIN EN 13508 und der DWA-Merkblätter als maßgebliche Grundlage für die Qualitätssicherung.
Wie läuft eine TV-Inspektion im sanierten Kanal ab?
Bei der TV-Inspektion nach der Inliner-Rohrsanierung wird eine Kamera auf einem selbstfahrenden Inspektionsroboter durch den sanierten Kanal gefahren. Die Kamera nimmt den gesamten Rohrquerschnitt auf und dokumentiert den Zustand des Liners lückenlos auf Video. Auffälligkeiten wie Risse, Blasen oder nicht geöffnete Hausanschlüsse werden dabei sofort erkannt und protokolliert.
Der Ablauf gliedert sich in wenige klar definierte Schritte:
- Vorbereitung des Kanalabschnitts, Spülung und Reinigung
- Einfahren des Kameraroboters vom Schacht aus
- Systematische Befahrung des gesamten Linerbereichs in beide Richtungen
- Echtzeit-Aufzeichnung und Bewertung nach DIN EN 13508-2
- Erstellung eines digitalen Inspektionsberichts mit Bild- und Videomaterial
Besonderes Augenmerk liegt auf den Übergangsbereichen zwischen Liner und bestehendem Rohr sowie auf den Anschlussstutzen. Wurden Hausanschlüsse im Zuge der Inliner-Sanierung verschlossen, müssen sie nach dem Aushärten des Liners mit einem Fräsroboter wieder geöffnet und anschließend ebenfalls kamerabefahren werden.
Was wird bei der Dichtheitsprüfung nach der Linersanierung getestet?
Bei der Dichtheitsprüfung nach dem Schlauchliner-Verfahren wird getestet, ob der sanierte Kanal unter Druck oder Unterdruck wasserdicht ist. Geprüft wird nach DIN EN 1610, entweder mit Wasser (Verfahren W) oder mit Luft (Verfahren L). Ziel ist der Nachweis, dass zwischen dem ausgehärteten Liner und dem Altrohr keine Leckagen bestehen und kein Fremdwasser eindringen kann.
Beim Luftdruckverfahren wird der zu prüfende Abschnitt mit aufblasbaren Absperrblasen abgedichtet und anschließend mit Luft auf einen definierten Prüfdruck gebracht. Hält der Druck über den vorgeschriebenen Messzeitraum, gilt der Abschnitt als dicht. Beim Wasserdruckverfahren wird der Abschnitt mit Wasser gefüllt und der Druckabfall gemessen.
Für die Dichtheitsprüfung gelten je nach Nennweite, Lage und Nutzungsart unterschiedliche Grenzwerte. Kommunale Auftraggeber verlangen in der Regel einen Nachweis nach DIN EN 1610 oder den entsprechenden nationalen Ergänzungsnormen. Werden Grenzwerte überschritten, muss die Ursache lokalisiert und behoben werden, bevor die Abnahme erfolgen kann.
Wer ist für die Abnahme und Dokumentation der Sanierungsqualität zuständig?
Für die Abnahme einer Schlauchlinersanierung ist in der Regel der Auftraggeber oder ein von ihm beauftragter Sachverständiger zuständig. Bei kommunalen Projekten übernimmt häufig das zuständige Tiefbauamt oder ein externes Ingenieurbüro die Abnahme. Der ausführende Sanierungsbetrieb ist verpflichtet, alle Prüfergebnisse vollständig zu dokumentieren und dem Auftraggeber zu übergeben.
Die Dokumentation umfasst typischerweise folgende Unterlagen:
- TV-Inspektionsberichte mit Videoaufzeichnung und Zustandsklassifizierung
- Protokolle der Dichtheitsprüfung mit Messwerten und Prüfbedingungen
- Materialnachweise und Zertifikate des verwendeten Linersystems
- Einbaudokumentation mit Aushärtungszeiten und -temperaturen
- Bestandspläne mit eingetragenem Linerbereich
Die Dokumentationspflicht ergibt sich aus den einschlägigen Normen sowie aus den vertraglichen Vereinbarungen. Zertifizierte Systemlösungen, wie sie im professionellen Bereich der Rohrsanierung eingesetzt werden, bringen oft eigene Qualitätsnachweise mit, die die Abnahme erleichtern. Die gesamte Dokumentation dient auch als Grundlage für spätere Gewährleistungsansprüche und Folgekontrollen.
Wie lange hält ein Schlauchliner und wann sind Folgekontrollen nötig?
Ein fachgerecht eingebrachter Schlauchliner hat eine planmäßige Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren, sofern er korrekt dimensioniert und ausgehärtet wurde. Die tatsächliche Lebensdauer hängt von der Materialqualität, den Belastungsbedingungen und der Qualität der Ausführung ab. Folgekontrollen sind trotzdem in regelmäßigen Abständen empfehlenswert und in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben.
Für öffentliche Kanäle schreiben die Eigenkontrollverordnungen der Bundesländer in Deutschland regelmäßige Inspektionsintervalle vor. Je nach Zustandsklasse und Nutzungsart liegen diese Intervalle typischerweise zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Private Grundstücksentwässerungsanlagen unterliegen ebenfalls Prüfpflichten, die je nach Bundesland und Lage des Kanals variieren.
Bei der Folgekontrolle wird erneut eine TV-Inspektion durchgeführt, um den Zustand des Liners zu beurteilen. Dabei wird auf folgende Punkte geachtet:
- Ablagerungen oder Inkrustierungen auf der Linerinnenfläche
- Risse oder Verformungen im Linermaterial
- Veränderungen an Anschlussstellen oder Übergangsbereichen
- Undichtigkeiten, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben
Werden Mängel festgestellt, können diese in vielen Fällen erneut mit partiellen Sanierungsverfahren behoben werden, ohne den gesamten Kanal neu sanieren zu müssen. Das macht die Inliner-Technik langfristig auch wirtschaftlich attraktiv.
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