Aufgegrabener Straßengraben mit stark beschädigtem Betonabwasserrohr, sichtbaren Rissen und Wurzeleinwuchs in städtischer Umgebung.

Wann muss ein Kanal zwingend aufgegraben werden?

/ Anna Gerlach

Nicht jeder Kanalschaden lässt sich von innen heraus beheben. Während die grabenlose Kanalsanierung in den meisten Fällen die wirtschaftlichere und schonendere Wahl ist, gibt es Situationen, in denen ein Aufgraben schlicht unvermeidbar wird. Wer frühzeitig weiß, wann welche Methode sinnvoll ist, trifft bessere Entscheidungen und spart am Ende Zeit, Geld und Nerven.

Wann ist eine grabenlose Kanalsanierung nicht mehr möglich?

Eine grabenlose Kanalsanierung ist dann nicht mehr möglich, wenn der Kanal so stark beschädigt ist, dass kein stabiles Restrohr mehr als Träger für ein Inliner-System vorhanden ist, wenn Querschnittsveränderungen den Zugang mit Sanierungsgeräten verhindern oder wenn die Lage des Rohres einen grabenlosen Eingriff technisch ausschließt. In diesen Fällen bleibt nur das Aufgraben.

Die grabenlose Methode setzt voraus, dass das bestehende Rohr noch eine gewisse Resttragfähigkeit besitzt. Ein Inliner braucht eine Hülle, an der er sich orientieren und in die er sich einpassen kann. Fehlt diese Grundlage, etwa weil das Rohr vollständig kollabiert ist oder durch Wurzeleinwuchs oder Setzungen seine Form verloren hat, greift kein grabenloses Verfahren mehr zuverlässig.

Auch die Zugänglichkeit spielt eine zentrale Rolle. Wenn Schächte fehlen, zu eng sind oder das Rohr so stark versetzt liegt, dass Kamerafahrten und Sanierungsschläuche nicht mehr eingeführt werden können, ist die Technik schlicht am Limit. Hier zeigt sich, warum eine sorgfältige Voruntersuchung so wichtig ist, bevor überhaupt eine Entscheidung über das Sanierungsverfahren getroffen wird.

Welche Schadensbilder machen ein Aufgraben zwingend notwendig?

Ein Aufgraben ist zwingend notwendig bei vollständigem Rohrkollaps, bei Längsrissen über die gesamte Rohrwand, bei starken Lageabweichungen durch Bodensetzungen sowie bei Schadensbildern, die den Kanalquerschnitt so stark verändern, dass kein Sanierungsgerät mehr durchpasst. Auch aktive Einbrüche von außen, etwa durch Baumwurzeln, die das Rohr durchstoßen haben, erfordern häufig eine offene Baumaßnahme.

Im Einzelnen gibt es typische Schadensbilder, bei denen die grabenlose Methode an ihre Grenzen stößt:

  • Totalschaden durch Kollaps: Das Rohr ist eingebrochen und hat keinen nutzbaren Querschnitt mehr.
  • Starke Verschiebungen und Absätze: Rohrstücke sind durch Bodenbewegungen so versetzt, dass ein Liner nicht durchgeführt werden kann.
  • Durchgehende Längsrisse: Das Rohr ist über seine gesamte Länge gerissen und bietet keinen stabilen Untergrund mehr.
  • Massive Fremdeinwirkung: Baumwurzeln oder eingedrungene Erdmassen haben das Rohr so verformt, dass eine Reinigung und Sanierung von innen nicht mehr möglich ist.
  • Fehlende oder blockierte Schächte: Wenn kein Zugang für Geräte und Materialien geschaffen werden kann, bleibt nur die offene Bauweise.

Wichtig ist dabei: Nicht jedes dieser Schadensbilder tritt in reiner Form auf. Häufig liegen Kombinationen vor, die eine individuelle Bewertung durch erfahrene Fachleute erfordern.

Wie wird der Zustand eines Kanals vor der Entscheidung bewertet?

Vor jeder Sanierungsentscheidung steht eine Kanalinspektion per Kamerafahrt, bei der Schäden systematisch nach anerkannten Klassifikationssystemen wie der DIN EN 13508-2 erfasst und bewertet werden. Auf Basis dieser Inspektion entscheiden Fachplaner, ob eine grabenlose Sanierung technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist oder ob ein Aufgraben unumgänglich wird.

Die TV-Inspektion liefert dabei ein genaues Bild des Rohrinneren: Risse, Versätze, Inkrustierungen, Wurzeleinwüchse und Verformungen werden dokumentiert und nach Schadensklassen eingestuft. Ergänzend kommen bei Bedarf weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz, etwa Dichtheitsprüfungen oder geotechnische Untersuchungen des umliegenden Bodens.

Erfahrene Kanalsanierer nutzen die Inspektionsdaten, um nicht nur den aktuellen Zustand zu beurteilen, sondern auch die Entwicklung des Schadens über die Zeit einzuschätzen. Ein Riss, der sich noch nicht auf den Querschnitt auswirkt, kann unter Umständen noch grabenlos saniert werden, wenn schnell gehandelt wird. Wer zu lange wartet, riskiert, dass aus einem lösbaren Problem ein Aufgrabungsfall wird.

Ein guter Überblick über die verfügbaren Techniken und Produkte für die Kanalsanierung hilft dabei, die Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und die richtigen Fragen an den Fachplaner zu stellen.

Was kostet eine Aufgrabung im Vergleich zur grabenlosen Sanierung?

Eine offene Aufgrabung ist in aller Regel deutlich teurer als eine grabenlose Kanalsanierung. Während grabenlose Verfahren vor allem Material- und Gerätekosten verursachen, kommen bei der Aufgrabung erhebliche Zusatzkosten für Erdarbeiten, Verkehrssicherung, Oberflächenwiederherstellung und Entsorgung hinzu. In städtischen Bereichen können diese Folgekosten die eigentlichen Sanierungskosten um ein Vielfaches übersteigen.

Konkret entstehen bei einer Aufgrabung typischerweise folgende Kostenpositionen, die bei grabenlosen Verfahren entfallen oder deutlich geringer ausfallen:

  • Baggerarbeiten und Aushub
  • Absperrung und Verkehrssicherung, besonders in Straßen und belebten Bereichen
  • Wiederherstellung von Asphalt, Pflaster, Grünflächen oder Gebäudeteilen
  • Entsorgung von Altmaterial und kontaminiertem Erdreich
  • Längere Bauzeit und damit verbundene Beeinträchtigungen für Anwohner und Betriebe

Trotzdem ist die Aufgrabung manchmal schlicht die einzige Option. In diesen Fällen lohnt es sich, die Situation genau zu analysieren und zu prüfen, ob zumindest Teile der Maßnahme grabenlos durchgeführt werden können, um Kosten zu senken.

Gibt es Fälle, in denen eine Kombination beider Methoden sinnvoll ist?

Ja, eine Kombination aus Aufgrabung und grabenlosen Verfahren ist häufig die wirtschaftlichste Lösung. Wenn nur einzelne Abschnitte eines Kanals so stark beschädigt sind, dass sie aufgegraben werden müssen, können die übrigen Strecken grabenlos saniert werden. So wird der Eingriff auf das absolut notwendige Minimum reduziert.

Dieses hybride Vorgehen ist in der Praxis weit verbreitet. Ein typisches Szenario sieht so aus: Eine lange Kanalhaltung hat auf einer kurzen Strecke einen Totalschaden durch Setzung, während der Rest des Rohres noch intakt genug für einen Inliner ist. In diesem Fall wird nur der kritische Abschnitt aufgegraben und erneuert, danach wird der gesamte Haltungsbereich grabenlos ausgekleidet.

Auch bei der Planung und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen zeigt sich, dass eine gute Voruntersuchung und klare Schadensklassifizierung die Grundlage für solche kombinierten Lösungen ist. Wer genau weiß, wo welcher Schaden liegt, kann gezielt entscheiden und unnötige Aufgrabungen vermeiden.

Besonders bei älteren Kanalnetzen, in denen Schäden unterschiedlicher Schwere auf einer Strecke vorkommen, ist das kombinierte Vorgehen oft die intelligenteste und kostengünstigste Strategie.

Wie wir bei Bodenbender bei der Kanalsanierung helfen

Wenn du vor der Frage stehst, ob dein Kanal aufgegraben werden muss oder ob eine grabenlose Lösung möglich ist, sind wir der richtige Ansprechpartner. Als Systemanbieter mit über 50 Jahren Erfahrung in der Rohr- und Kanalsanierung kennen wir die Grenzen und Möglichkeiten beider Verfahren aus der Praxis.

Was wir für dich leisten:

  • Systemlösungen für grabenlose Sanierung: Unsere zertifizierten Produkte wie der PL-Inliner, PL-PointLiner und Airbagliner decken Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung und Schachtsanierung ab.
  • Technische Beratung: Wir helfen dir dabei, die richtige Methode für deinen spezifischen Schadensfall zu finden, inklusive hybrider Ansätze, wenn eine Kombination aus Aufgrabung und grabenlosen Verfahren sinnvoll ist.
  • Schulung und Know-how: Über die Relining Academy geben wir Anwendern das Wissen mit, das sie für eine sichere und professionelle Umsetzung brauchen.
  • Fahrzeugausbau und -ausstattung: Wir bauen individuelle Sanierungsfahrzeuge aus und begleiten den gesamten Prozess von der Planung bis zur Übergabe.

Du hast einen konkreten Schadensfall oder willst wissen, welche Lösung für dein Projekt in Frage kommt? Nimm jetzt Kontakt mit uns auf und lass uns gemeinsam die beste Strategie für deinen Kanal entwickeln.

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