Techniker führt harzgetränkten Filzliner präzise in eine unterirdische Rohrleitung ein, Schlauchlinertechnologie bei Kanalsanierung.

Was ist das CIPP Verfahren und wie wird es eingesetzt

/ Anna Gerlach

Wenn eine Rohrleitung undicht wird oder Risse zeigt, denken viele sofort an aufwendige Bauarbeiten, aufgerissene Straßen und wochenlange Baustellen. Doch es gibt eine elegantere Lösung: das CIPP-Verfahren. CIPP steht für Cured-In-Place Pipe und beschreibt eine Methode der grabenlosen Rohrsanierung, bei der ein flexibler Schlauch in das beschädigte Rohr eingebracht und anschließend ausgehärtet wird. Das Ergebnis ist ein stabiles, langlebiges Rohr im Rohr, das ohne eine einzige Schaufel Aushub entsteht.

Das Verfahren hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Werkzeuge in der unterirdischen Infrastrukturinstandhaltung entwickelt. Ob bei kommunalen Abwasserkanälen, industriellen Leitungen oder privaten Hausanschlüssen: Das Schlauchlining bietet eine wirtschaftliche und technisch ausgereifte Alternative zur klassischen offenen Bauweise. In diesem Artikel erfährst du, wie das CIPP-Verfahren funktioniert, wo es eingesetzt wird und was du bei der Qualität beachten solltest.

So funktioniert das CIPP-Verfahren technisch

Das CIPP-Verfahren basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Ein mit Kunstharz getränkter Inliner wird in das beschädigte Rohr eingebracht und dort von innen gegen die Rohrwand gepresst. Sobald das Harz ausgehärtet ist, entsteht ein neues, eigenständiges Rohr innerhalb der alten Leitung.

Der Prozess läuft in mehreren klar definierten Schritten ab:

  1. Vorbereitung: Das Rohr wird per Hochdruckspülung gereinigt und anschließend per Kamera inspiziert, um den Schaden genau zu lokalisieren.
  2. Einbringen des Liners: Der mit Harz getränkte Schlauch wird entweder durch Inversion (Umstülpen mittels Wasser- oder Luftdruck) oder durch Einziehen in das Rohr eingebracht.
  3. Aushärtung: Je nach Harzsystem erfolgt die Aushärtung durch UV-Licht, Dampf oder Umgebungstemperatur (Kaltaushärtung).
  4. Abschlussinspektion: Nach dem Aushärten wird das neue Rohr erneut per Kamera geprüft, und Anschlüsse werden per Roboter wieder geöffnet.

Die Wahl des Harzsystems und der Aushärtungsmethode hängt von den Rohrdimensionen, dem Schadensausmaß und den örtlichen Gegebenheiten ab. UV-Aushärtung gilt dabei als besonders schnell und kontrollierbar, während Dampfaushärtung bei größeren Nennweiten bevorzugt wird.

Typische Einsatzbereiche und Rohrdimensionen

Das Schlauchlining lässt sich flexibel an viele verschiedene Situationen anpassen, was es zu einem vielseitigen Werkzeug in der Kanalsanierung macht. Eingesetzt wird es sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich.

Typische Einsatzbereiche umfassen:

  • Kommunale Abwasserkanäle und Regenwasserleitungen
  • Industrielle Prozessleitungen und Chemikalienleitungen
  • Private Grundleitungen und Hausanschlüsse
  • Trinkwasserleitungen (mit entsprechend zertifizierten Harzsystemen)
  • Leitungen unter Gebäuden oder Verkehrsflächen

Was die Rohrdimensionen betrifft, deckt das CIPP-Verfahren ein breites Spektrum ab. Typischerweise werden Nennweiten von DN 100 bis DN 1200 und größer saniert. Für kleinere Nennweiten, etwa bei Hausanschlüssen, kommen häufig partielle Verfahren wie der Point-Liner® zum Einsatz, der gezielt einzelne Schadstellen behebt, ohne den gesamten Leitungsabschnitt zu sanieren.

Vorteile gegenüber der offenen Bauweise

Der größte Vorteil des CIPP-Verfahrens liegt auf der Hand: Es wird nicht gegraben. Das klingt simpel, hat aber weitreichende Konsequenzen für Kosten, Zeit und Aufwand.

Im direkten Vergleich zur offenen Bauweise punktet das Schlauchlining in mehreren Bereichen:

  • Geringere Kosten: Kein Aushub bedeutet weniger Maschinen, weniger Personal und weniger Wiederherstellungsarbeiten an Straßenbelag oder Bepflanzung.
  • Kürzere Bauzeiten: Ein Leitungsabschnitt kann oft innerhalb eines Tages saniert werden, während offene Baumaßnahmen Wochen dauern können.
  • Weniger Beeinträchtigungen: Anwohner, Verkehr und Betriebe werden kaum gestört, da keine großflächigen Sperrungen notwendig sind.
  • Umweltschonung: Weniger Erdarbeiten bedeuten geringere CO2-Emissionen und weniger Eingriffe in das Erdreich.
  • Lange Lebensdauer: Moderne Inliner sind auf eine Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr ausgelegt.

Besonders in dicht besiedelten städtischen Gebieten oder unter stark befahrenen Straßen ist das CIPP-Verfahren der offenen Bauweise in den meisten Fällen deutlich überlegen. Die Möglichkeiten der grabenlosen Sanierung sind dabei weit umfangreicher als viele zunächst vermuten.

Qualitätsanforderungen und Normen beim Schlauchlining

Damit ein saniertes Rohr langfristig zuverlässig funktioniert, müssen klare Qualitätsstandards eingehalten werden. Für das CIPP-Verfahren gelten in Deutschland und Europa verbindliche Normen, die sowohl die Materialien als auch die Ausführung regeln.

Die wichtigsten normativen Grundlagen sind:

  • DIN EN ISO 11296-4: Regelt die Anforderungen an Schlauchlining-Systeme für drucklose Abwasserleitungen.
  • DIN EN 13566-4: Gilt für das Schlauchlining in Druckleitungen.
  • DIBt-Zulassungen: In Deutschland ist für viele Sanierungsprodukte eine Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik erforderlich.

Neben den Materialanforderungen spielt auch die fachgerechte Ausführung eine entscheidende Rolle. Das bedeutet: korrekte Harzimprägnierung, eingehaltene Aushärtezeiten und eine lückenlose Dokumentation des gesamten Prozesses. Nur wenn alle Parameter stimmen, erreicht der Inliner die angestrebte Wanddicke und Festigkeit. Wer auf zertifizierte Systemlösungen setzt, reduziert das Risiko von Qualitätsmängeln erheblich.

Wann das CIPP-Verfahren an seine Grenzen stößt

So leistungsfähig das Schlauchlining auch ist, es gibt Situationen, in denen es nicht die optimale Lösung darstellt. Wer die Grenzen des Verfahrens kennt, kann fundierter entscheiden, welche Sanierungsmethode im konkreten Fall am besten passt.

Das CIPP-Verfahren stößt an seine Grenzen, wenn:

  • Das Rohr vollständig kollabiert ist: Ohne ausreichenden Querschnitt kann der Liner nicht eingebracht werden.
  • Starke Lageabweichungen oder Einragungen vorliegen: Stark versetzte Muffen oder einragende Anschlüsse können das Einbringen des Schlauchliners verhindern.
  • Chemische Unverträglichkeit besteht: Nicht jedes Harzsystem ist für aggressive Chemikalien oder extreme Temperaturen geeignet.
  • Der Schaden sehr kleinräumig ist: Bei einzelnen, klar lokalisierten Schadstellen kann ein partielles Verfahren wirtschaftlicher sein als eine Langstreckensanierung.
  • Zugangsmöglichkeiten fehlen: Das Verfahren benötigt geeignete Einstiegspunkte, wie Schächte oder Reinigungsöffnungen.

In solchen Fällen lohnt es sich, alternative oder ergänzende Methoden zu prüfen, etwa partielle Sanierungsverfahren für einzelne Schadstellen oder kombinierte Ansätze. Eine sorgfältige Kamerainspektion im Vorfeld ist daher immer die Grundlage jeder Sanierungsentscheidung.

Wie wir bei Bodenbender bei der CIPP-Sanierung unterstützen

Als erfahrener Systemanbieter für die grabenlose Rohr- und Kanalsanierung bieten wir Lösungen, die auf die unterschiedlichsten Anforderungen zugeschnitten sind. Egal, ob du einen gesamten Leitungsabschnitt sanieren oder nur eine einzelne Schadstelle beheben möchtest, unser Portfolio deckt das gesamte Spektrum ab.

Das bieten wir dir konkret:

  • AIRBAGLINER®: Unser System für die Langstreckensanierung mit Schlauchlining, das höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllt.
  • Point-Liner® System: Für die partielle Sanierung einzelner Schadstellen ohne aufwendige Vollsanierung.
  • Bodenbender Inliner System: Bewährt für verschiedene Rohrdimensionen und Einsatzbereiche in der Kanalsanierung.
  • Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen, rüsten um und passen Fahrzeuge an, damit du optimal ausgestattet bist.
  • Schulungen in der Relining Academy: Praxisnahe Trainings, damit du unsere Systeme sicher und effizient einsetzen kannst.

Du möchtest wissen, welches Verfahren für dein Projekt am besten geeignet ist? Nimm jetzt Kontakt auf und lass dich von unserem Team beraten, das die richtige Lösung für deine Anforderungen kennt.

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