Techniker führt harzgetränkten Inliner in altes Betonrohr ein, Erdreich und Rohrquerschnitt sichtbar.

Welche Rohrarten können mit dem Inliner-Verfahren saniert werden?

/ Anna Gerlach

Das Inliner-Verfahren ist für eine breite Palette von Rohrmaterialien geeignet, darunter Steinzeug, Beton, Grauguss, Stahl, PVC und andere Kunststoffrohre. Es funktioniert unabhängig vom Werkstoff, solange das Rohr eine ausreichende Reststatik aufweist und vor der Sanierung gereinigt wurde. Die folgenden Fragen klären, welche Rohre, Nennweiten und Schadenssituationen mit dem Inliner-Verfahren saniert werden können.

Für welche Rohrmaterialien ist das Inliner-Verfahren geeignet?

Das Inliner-Verfahren, auch bekannt als grabenlose Rohrsanierung, eignet sich für nahezu alle gängigen Rohrmaterialien im Abwasserbereich. Ob Steinzeug, Beton, Grauguss, duktiles Gusseisen, Stahl, PVC oder andere Thermoplaste: Ein harzgetränkter Liner lässt sich in unterschiedlichste Rohre einziehen und aushärten, ohne das Material des Altrohrs zu beschädigen.

Entscheidend ist nicht das Ausgangsmaterial des Rohres, sondern sein Zustand. Solange die Rohrwandung noch ausreichend Halt bietet, kann der ausgehärtete Inliner als eigenständiges Rohr-im-Rohr die statische Funktion übernehmen. Bei vollständig korrodierten Metallrohren oder stark verformten Kunststoffrohren muss ein Fachbetrieb vorab prüfen, ob das Verfahren ohne Vorbereitung anwendbar ist. Für verschiedene Rohrsysteme stehen dabei unterschiedliche Linervarianten zur Verfügung.

Welche Nennweiten und Rohrprofile können saniert werden?

Mit dem Inliner-Verfahren lassen sich Rohre mit Nennweiten von DN 100 bis DN 1200 und darüber hinaus sanieren. Neben kreisrunden Profilen sind auch Eiprofile, Maulprofile und andere Sonderquerschnitte möglich, sofern der Liner entsprechend konfektioniert wird.

Für kleinere Nennweiten wie DN 100 bis DN 200 kommt häufig das partielle Inlining zum Einsatz, bei dem nur ein kurzes Linerrohr gezielt an der Schadstelle eingebracht wird. Für größere Durchmesser und lange Haltungen wird dagegen der Langstreckenliner bevorzugt. Wichtig ist, dass der Liner nach dem Aushärten den lichten Innendurchmesser des Rohres zwar minimal reduziert, die Durchflussleistung aber durch die glattere Oberfläche oft sogar verbessert wird.

Funktioniert das Inliner-Verfahren auch bei stark beschädigten Rohren?

Ja, das Inliner-Verfahren funktioniert auch bei erheblichen Schäden wie Rissen, Scherbenbildung, Wurzeleinwuchs oder Inkrustierungen, sofern das Rohr vorher gründlich gereinigt und kamerabefahren wurde. Bei vollständig kollabierten Rohrabschnitten ist dagegen in der Regel ein anderes Verfahren oder eine mechanische Vorbereitung notwendig.

Bevor ein Inliner eingezogen wird, ist eine Rohrreinigung per Hochdruckreinigung Pflicht. Ablagerungen, Fettschichten und Fremdkörper müssen vollständig entfernt sein, damit der Liner satt an der Rohrwandung anliegt und eine dauerhafte Verbindung eingehen kann. Bei Rohrbrüchen mit größeren Versätzen ist zusätzlich zu prüfen, ob der Liner noch einwandfrei durchgezogen werden kann oder ob zunächst eine mechanische Fräsung nötig ist. Eine Rohrkamera-Inspektion vor und nach der Sanierung ist dabei Standard.

Was ist der Unterschied zwischen Langstreckensanierung und partiellem Inlining?

Bei der Langstreckensanierung wird ein Liner über die gesamte Länge einer Haltung eingezogen, was Strecken von mehreren Metern bis zu über 100 Metern umfassen kann. Beim partiellen Inlining, auch Punktsanierung oder punktuelle Rohrreparatur genannt, wird dagegen nur ein kurzer Liner gezielt an einer einzelnen Schadstelle platziert.

Langstreckensanierung

Die Langstreckensanierung eignet sich, wenn ein Rohr über seine gesamte Länge Schäden aufweist oder präventiv für die nächsten Jahrzehnte ertüchtigt werden soll. Der Liner wird als Schlauch eingebracht, mit Druckluft oder Wasser aufgeblasen und durch UV-Licht oder Heißdampf ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein neues, statisch wirksames Rohr innerhalb des alten.

Partielle Rohrsanierung

Die partielle Rohrsanierung ist die wirtschaftlichere Wahl, wenn nur eine oder wenige isolierte Schadstellen vorliegen. Ein kurzer Packer wird per Kamerawagen an die exakte Position gefahren, der Liner aufgeblasen und ausgehärtet. Das spart Material und Zeit, ohne den gesamten Rohrbereich zu sanieren. Gerade bei teuren Abwasserleitungen im Bestandsbau ist dieses Verfahren besonders beliebt.

Können auch Hausanschlussleitungen mit dem Inliner-Verfahren saniert werden?

Ja, Hausanschlussleitungen lassen sich mit dem Inliner-Verfahren sanieren. Typische Nennweiten von DN 100 bis DN 200, wie sie in privaten und gewerblichen Gebäuden üblich sind, sind gut für den Einsatz von Kurzlinern oder Hutprofillinern geeignet. Das erspart das kostspielige Aufgraben von Gärten, Einfahrten oder Bodenplatten.

Besonders der Anschlussbereich zwischen Hausleitung und Hauptkanal, der sogenannte Einlauf, ist häufig eine Schwachstelle. Hier können spezielle Einlaufsanierer eingesetzt werden, die den Übergang zwischen Hausanschluss und Hauptrohr abdichten. Wer sein Abwasserrohr sanieren möchte, ohne aufzugraben, findet im Inliner-Verfahren eine schonende und dauerhafte Lösung.

Welche Voraussetzungen müssen vor dem Inlining erfüllt sein?

Vor dem Einbringen eines Inliners müssen drei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein: Das Rohr muss gereinigt, kamerabefahren und auf Durchgängigkeit geprüft sein. Ohne diese Schritte kann weder die Schadensart korrekt eingeschätzt noch der Liner sicher eingebracht werden.

Im Einzelnen bedeutet das:

  • Hochdruckreinigung: Ablagerungen, Fett, Wurzeln und Fremdkörper werden entfernt, damit der Liner vollflächig anliegt.
  • Kamerainspektion: Eine Rohrkamera dokumentiert alle Schäden, Versätze und Hindernisse. Sie ist Grundlage für die Wahl des richtigen Linersystems.
  • Beurteilung der Reststatik: Das Rohr muss noch genug Wandstärke haben, um den Liner beim Einbringen zu führen.
  • Freilegung der Einsteigschächte: Der Zugang zum Rohr erfolgt über Schächte oder kleine Öffnungen, die zugänglich und begehbar sein müssen.
  • Absperrung und Umleitung: Während der Sanierung muss das Abwasser umgeleitet oder die Nutzung kurzzeitig unterbrochen werden.

Sind diese Punkte erfüllt, kann das Inliner-Rohrsanierung-Verfahren in der Regel ohne weitere Tiefbaumaßnahmen durchgeführt werden. Gerade bei einer Verstopfung im Rohr, die auf strukturelle Schäden hinweist, empfiehlt sich der direkte Einstieg in die Kamerainspektion, um den Handlungsbedarf einzuschätzen.

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