Grabenlose Rohrsanierung: Liner wird in einen Kanalschacht eingeführt, umgeben von unversehrtem Asphalt und grünem Rasen.

Wann ist eine grabenlose Kanalsanierung sinnvoll?

/ Anna Gerlach

Eine grabenlose Kanalsanierung ist sinnvoll, wenn ein Kanal strukturelle Schäden, Undichtigkeiten oder Ablagerungen aufweist, die seine Funktion beeinträchtigen, und gleichzeitig eine offene Bauweise unverhältnismäßig aufwendig oder teuer wäre. Das Verfahren eignet sich besonders gut für Leitungen unter Straßen, Gebäuden oder begrünten Flächen, wo ein Aufgraben mit hohen Folgekosten verbunden wäre. Die folgenden Fragen helfen dir dabei, einzuschätzen, ob und wann die grabenlose Methode die richtige Wahl für dein Projekt ist.

Welche Schäden machen eine grabenlose Sanierung notwendig?

Eine grabenlose Sanierung wird notwendig, wenn ein Kanal Schäden aufweist, die seine Dichtheit, Standsicherheit oder Betriebssicherheit gefährden. Typische Auslöser sind Risse, Rohrbrüche, Scherbenbildung, Wurzeleinwuchs, Inkrustierungen, Lageabweichungen oder korrodierte Rohrwandungen. Die Grundlage für diese Einschätzung bildet immer eine professionelle Kanalinspektion nach DIN EN 13508.

Im Rahmen einer Kanalinspektion wird der Zustand des Rohres per Kamerabefahrung dokumentiert und klassifiziert. Dabei unterscheidet man zwischen Schäden, die eine sofortige Maßnahme erfordern, und solchen, die sich langfristig entwickeln. Folgende Schadensbilder sind besonders häufig:

  • Risse und Brüche: Längs- oder Querrisse sowie vollständige Rohrbrüche, die zu Infiltration oder Exfiltration führen
  • Wurzeleinwuchs: Feinwurzeln dringen durch Muffen oder Risse ein und können das Rohr langfristig zerstören
  • Verformungen: Ovalisierung oder Eindrückungen, die den Durchfluss behindern
  • Korrosion: Besonders bei älteren Betonrohren durch Schwefelwasserstoff verursacht
  • Undichte Muffen: Verbindungsstellen zwischen Rohrsegmenten, die nicht mehr dicht sind

Nicht jeder Schaden erfordert eine Vollsanierung. Kleinere, lokal begrenzte Defekte lassen sich oft mit einer Kanalpunktreparatur beheben, während ausgedehnte Schäden eine Langstreckensanierung notwendig machen.

Wann ist die grabenlose Methode besser als eine offene Bauweise?

Die grabenlose Kanalsanierung ist der offenen Bauweise überlegen, wenn der Kanal unter schwer zugänglichen oder sensiblen Bereichen verläuft, wenn Verkehrsunterbrechungen vermieden werden sollen oder wenn die Gesamtkosten einschließlich Wiederherstellung der Oberfläche bei einer offenen Bauweise deutlich höher wären. In der Praxis trifft das auf die meisten städtischen und privaten Leitungen zu.

Konkret spricht Folgendes für die grabenlose Methode:

  • Der Kanal verläuft unter einer befahrenen Straße, einem Gehweg oder einer Einfahrt
  • Bäume, Grünflächen oder Fundamente in der Nähe würden durch Erdarbeiten beschädigt
  • Der Kanal liegt tief und das Aufgraben wäre technisch aufwendig
  • Eine schnelle Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit ist erforderlich
  • Lärm- und Staubbelastung für Anwohner soll minimiert werden

Die offene Bauweise kann hingegen sinnvoller sein, wenn ein Rohr vollständig kollabiert ist, wenn die Nennweite vergrößert werden soll oder wenn der Kanal an einer Stelle liegt, die ohnehin aufgegraben werden muss. In allen anderen Fällen ist die grabenlose Methode heute der Standard bei der nachhaltigen Kanalsanierung.

Welche Rohrmaterialien und Nennweiten eignen sich für grabenlose Verfahren?

Grabenlose Verfahren eignen sich für nahezu alle gängigen Rohrmaterialien, darunter Beton, Steinzeug, Guss, PVC, PE und Asbestzement. Hinsichtlich der Nennweite decken moderne Systeme einen breiten Bereich ab, typischerweise von DN 100 bis DN 1200, wobei spezielle Verfahren auch für kleinere oder größere Querschnitte verfügbar sind.

Die Wahl des richtigen Sanierungsverfahrens hängt vom Rohrmaterial, der Nennweite, dem Schadensausmaß und den statischen Anforderungen ab. Für partielle Schäden kommen Kurzliner oder Hutprofile zum Einsatz, während bei großflächigen Schäden Schlauchlining-Verfahren wie der Inliner die gesamte Rohrlänge auskleiden. Für Schächte gibt es spezialisierte Schachtsanierungsverfahren, die unabhängig vom angeschlossenen Rohrsystem funktionieren.

Wichtig ist, dass das gewählte Verfahren und das eingesetzte Material den geltenden Normen entsprechen. Die DIN EN 13508 regelt die Zustandserfassung, während produktspezifische Zertifizierungen die Qualität des Sanierungsmaterials sichern.

Wie läuft eine grabenlose Kanalsanierung typischerweise ab?

Eine grabenlose Kanalsanierung folgt einem klar strukturierten Ablauf: Zuerst wird der Kanal inspiziert und gereinigt, dann wird das passende Sanierungsverfahren ausgewählt und durchgeführt, und abschließend erfolgt eine erneute Kamerabefahrung zur Qualitätskontrolle. Der gesamte Prozess kann je nach Schadensumfang in wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen abgeschlossen sein.

Im Detail sieht der Ablauf so aus:

  1. Kanalinspektion: Eine TV-Befahrung dokumentiert den Ist-Zustand und klassifiziert die Schäden nach DIN EN 13508
  2. Kanalreinigung: Ablagerungen, Inkrustierungen und Fremdkörper werden vor der Sanierung entfernt
  3. Verfahrensauswahl: Auf Basis der Inspektion wird entschieden, ob eine Punktreparatur, eine partielle Sanierung oder eine Langstreckensanierung notwendig ist
  4. Sanierungsdurchführung: Das Inlinermaterial wird eingebracht, positioniert und ausgehärtet
  5. Abschlusskontrolle: Eine erneute TV-Befahrung bestätigt die fachgerechte Ausführung
  6. Dokumentation: Alle Maßnahmen werden protokolliert und dem Auftraggeber übergeben

Die Kanalreinigung ist dabei nicht nur eine Vorbereitung, sondern auch eine eigenständige Instandhaltungsmaßnahme. Regelmäßige Reinigungen können Schäden verhindern oder zumindest hinauszögern.

Was kostet eine grabenlose Kanalsanierung im Vergleich zur Neuerstellung?

Die Kosten für eine grabenlose Kanalsanierung liegen in der Regel deutlich unter denen einer offenen Neuerstellung, weil Erdarbeiten, Oberflächenwiederherstellung und Verkehrssicherung entfallen. Während eine offene Bauweise leicht das Zwei- bis Dreifache kosten kann, variieren die genauen Kosten für grabenlose Kanalsanierungen je nach Verfahren, Nennweite, Schadensumfang und örtlichen Gegebenheiten erheblich.

Folgende Faktoren beeinflussen die Kosten maßgeblich:

  • Verfahren: Eine Kanalpunktreparatur ist günstiger als eine Vollsanierung der gesamten Haltung
  • Nennweite: Größere Rohrdurchmesser erfordern mehr Material und Aufwand
  • Zugänglichkeit: Schlechte Zugangsbedingungen erhöhen den Aufwand
  • Zustand des Rohres: Stark beschädigte Rohre benötigen aufwendigere Vorarbeiten
  • Kanalinspektion Kosten: Die Inspektion ist ein separater Posten, der aber zwingend notwendig ist

Grundsätzlich gilt: Je früher ein Schaden erkannt und behoben wird, desto geringer sind die Gesamtkosten. Eine regelmäßige Kanalinspektion zahlt sich daher langfristig aus, weil teure Folgeschäden vermieden werden.

Wer darf grabenlose Kanalsanierungen durchführen?

Grabenlose Kanalsanierungen dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, die über die notwendigen Qualifikationen, Zertifizierungen und Ausrüstungen verfügen. Für öffentliche Kanäle gelten zusätzlich vergaberechtliche Anforderungen, und viele Systemhersteller verlangen eine produktspezifische Schulung und Zertifizierung ihrer Anwender.

In Deutschland sind folgende Anforderungen relevant:

  • Fachkundiges Personal mit Nachweis über die eingesetzten Sanierungsverfahren
  • Systemzulassungen und Güteüberwachung nach den jeweiligen Produktnormen
  • Kenntnisse der einschlägigen Normen, insbesondere DIN EN 13508 und DIN EN ISO 11296
  • Für öffentliche Auftraggeber: Eintragung in entsprechende Präqualifikationsverzeichnisse

Wer als Dienstleister grabenlose Sanierungen anbieten möchte, sollte außerdem regelmäßige Weiterbildungen in Anspruch nehmen, um mit den sich weiterentwickelnden Verfahren und Materialien Schritt zu halten. Schulungen, wie sie etwa in spezialisierten Akademien für Relining angeboten werden, vermitteln sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fertigkeiten im Umgang mit den Systemlösungen.

So unterstützt Bodenbender dich bei der grabenlosen Kanalsanierung

Wir bei Bodenbender begleiten dich von der ersten Planung bis zur fertigen Sanierung. Als Systemanbieter mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in der Kanalinstandhaltung bieten wir dir alles aus einer Hand:

  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte PL®-Inliner, PL®-PointLiner und Airbagliner® erfüllen höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards und eignen sich für Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung und Schachtsanierung
  • Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen Fahrzeuge speziell für deine Anforderungen aus, um vor Ort effizient arbeiten zu können
  • Schulungen und Weiterbildung: Unsere Relining Academy vermittelt praxisnahes Wissen für den sicheren Umgang mit unseren Systemlösungen
  • Technische Beratung: Wir helfen dir dabei, das richtige Verfahren für dein konkretes Projekt auszuwählen
  • Partnerschaft auf Augenhöhe: Als Teil der Bodenbender Group profitierst du von einem breiten Netzwerk und gebündeltem Know-how

Egal ob du als Dienstleister in die grabenlose Kanalsanierung einsteigen möchtest, dein bestehendes Equipment erweitern willst oder eine spezifische technische Herausforderung hast: Wir sind dein Ansprechpartner. Schau dir unser Produktportfolio an oder nimm direkt Kontakt zu uns auf, damit wir gemeinsam die passende Lösung für dich finden.

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