Typische Ursachen für Kanalschäden sind Risse und Brüche durch Bodenbewegungen, Wurzeleinwüchse aus dem umliegenden Erdreich, Korrosion durch aggressive Abwässer sowie Ablagerungen, die über Jahre den Querschnitt verengen. Diese Schäden entstehen selten über Nacht, sondern entwickeln sich schleichend über Monate und Jahre hinweg. Im Folgenden erfährst du, welche Schadensformen am häufigsten vorkommen, wie sie entstehen und ab wann eine professionelle Kanalsanierung notwendig wird.
Welche Schadensarten treten in Kanälen am häufigsten auf?
In Kanälen treten am häufigsten Risse, Rohrbrüche, Wurzeleinwüchse, Korrosionsschäden, Ablagerungen sowie Verformungen und Versätze auf. Diese Schadensarten werden in der Praxis nach DIN EN 13508 klassifiziert, die eine einheitliche Bewertung und Dokumentation von Kanalzuständen ermöglicht. Jede dieser Schadensformen kann einzeln oder in Kombination auftreten und erfordert je nach Schweregrad unterschiedliche Maßnahmen der Kanalreparatur oder Kanalsanierung.
Die häufigsten Schadensbilder im Überblick:
- Risse und Brüche: Strukturelle Schäden am Rohrquerschnitt, oft durch Bodensetzungen oder Verkehrslasten
- Wurzeleinwüchse: Eindringen von Pflanzenwurzeln durch undichte Verbindungen
- Korrosion: Chemischer Angriff auf das Rohrmaterial durch Schwefelwasserstoff und andere Stoffe
- Ablagerungen und Verstopfungen: Einengung des Querschnitts durch Fette, Sedimente oder Fremdkörper
- Verformungen und Versätze: Lageverschiebungen einzelner Rohrabschnitte durch Bodenbewegungen
Eine regelmäßige Kanalinspektion hilft dabei, diese Schäden frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich zu kostenintensiven Problemen entwickeln.
Wie entstehen Risse und Brüche in Rohrleitungen?
Risse und Brüche in Rohrleitungen entstehen vor allem durch mechanische Belastungen, die die Tragfähigkeit des Rohrmaterials übersteigen. Dazu gehören Bodensetzungen, wechselnde Verkehrslasten an der Oberfläche, Frosteinwirkungen sowie der natürliche Alterungsprozess des Materials. Besonders ältere Betonrohre oder Steinzeugrohre sind anfällig für solche strukturellen Schäden.
Bodenbewegungen spielen eine zentrale Rolle: Wenn sich das Erdreich unter oder neben einem Kanal absetzt oder verschiebt, entstehen Spannungen im Rohr, die es langfristig zum Reißen bringen können. Auch Bautätigkeiten in der Nähe eines Kanals, etwa Tiefbauarbeiten oder Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge, können solche Bewegungen auslösen.
Hinzu kommt die Materialalterung: Viele der in Deutschland verlegten Kanäle stammen aus den 1950er bis 1980er Jahren. Nach mehreren Jahrzehnten im Erdreich haben viele Rohre ihre ursprüngliche Belastbarkeit verloren. Kleine Haarrisse, die zunächst harmlos wirken, können sich unter andauerndem Druck zu vollständigen Brüchen weiterentwickeln. Eine frühzeitige Kanalinspektion erkennt diese Schwachstellen, bevor ein größerer Schaden entsteht.
Warum sind Wurzeleinwüchse so gefährlich für Kanäle?
Wurzeleinwüchse sind deshalb so gefährlich, weil sie undichte Verbindungen zwischen Rohrsegmenten aktiv aufweiten und so strukturelle Schäden verursachen, die sich ohne Eingriff stetig verschlimmern. Einmal eingedrungen, wachsen Wurzeln in Richtung des feuchten, nährstoffreichen Abwassers und können einen Kanal innerhalb weniger Jahre vollständig blockieren.
Bäume und Sträucher in der Nähe von Kanälen suchen mit ihren Wurzeln aktiv nach Wasser. Selbst kleinste Undichtigkeiten an Muffen oder Verbindungsstellen reichen aus, damit Feinwurzeln eindringen. Was zunächst als dünner Faden beginnt, entwickelt sich mit der Zeit zu einem dichten Wurzelgeflecht, das den Querschnitt des Rohres erheblich einengt.
Besonders problematisch ist die kombinierte Wirkung: Die Wurzeln weiten Risse auf, durch die dann Erdreich eindringen kann. Das führt zu Hohlräumen im Boden rund um den Kanal, was wiederum Bodensenkungen und Oberflächenschäden begünstigt. In solchen Fällen reicht eine einfache Kanalreinigung nicht aus, sondern es ist eine gezielte Kanal-Punktreparatur oder eine umfassendere Sanierungsmaßnahme notwendig.
Was verursacht Korrosion in Abwasserkanälen?
Korrosion in Abwasserkanälen wird hauptsächlich durch biogene Schwefelsäure verursacht, die entsteht, wenn schwefelhaltiges Abwasser unter Sauerstoffmangel von Bakterien zersetzt wird. Der dabei entstehende Schwefelwasserstoff reagiert an der Rohrwandung mit Feuchtigkeit und Sauerstoff zu Schwefelsäure, die Beton und Zement chemisch angreift.
Biogene Schwefelsäurekorrosion
Dieser Prozess ist besonders in schlecht belüfteten Kanälen aktiv, in denen das Abwasser langsam fließt oder zeitweise steht. Die Schwefelsäure frisst sich in die Rohrwandung und reduziert deren Wandstärke kontinuierlich. In fortgeschrittenen Stadien kann die Wandung so stark geschwächt sein, dass der Kanal dem Außendruck des Erdreichs nicht mehr standhält.
Chemische Einleitungen und aggressive Medien
Neben der biogenen Korrosion spielen auch chemische Einleitungen eine Rolle. Industrielle Abwässer, Reinigungsmittel oder Fette können das pH-Gleichgewicht im Kanal verschieben und das Rohrmaterial angreifen. Kunststoffrohre sind gegenüber biogener Korrosion deutlich widerstandsfähiger als Betonrohre, jedoch nicht gegen alle chemischen Einflüsse immun.
Wie wirken sich Ablagerungen und Verstopfungen auf den Kanal aus?
Ablagerungen und Verstopfungen reduzieren den freien Querschnitt eines Kanals, verlangsamen den Abfluss und erhöhen den Druck auf das Rohrsystem. Im schlimmsten Fall führen sie zu Rückstaus, die Keller und Gebäude überfluten können. Regelmäßige Kanalreinigung ist daher nicht nur eine Frage der Hygiene, sondern eine technische Notwendigkeit.
Typische Ablagerungsquellen sind Fette aus Küchen, Sandeinträge bei Starkregen, Papier und Feuchttücher sowie kalkhaltige Ablagerungen aus hartem Wasser. Diese Stoffe setzen sich bevorzugt an Rohrbögen, Querschnittsverengungen und bereits beschädigten Stellen ab. Mit der Zeit wachsen diese Beläge und verfestigen sich, bis eine mechanische oder hydraulische Reinigung notwendig wird.
Ablagerungen haben noch eine weitere negative Wirkung: Sie schaffen ein Milieu, in dem Bakterien aktiv sind und Schwefelwasserstoff produzieren, was wiederum die Korrosion des Rohrmaterials beschleunigt. Verstopfungen und Korrosion verstärken sich also gegenseitig, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird.
Wann sollte ein beschädigter Kanal saniert werden?
Ein beschädigter Kanal sollte saniert werden, sobald eine Kanalinspektion strukturelle Schäden wie Risse, Brüche, Wurzeleinwüchse oder starke Korrosion nachweist, die den sicheren Betrieb gefährden oder eine Exfiltration von Abwasser ins Erdreich verursachen. Auch wiederkehrende Verstopfungen trotz regelmäßiger Reinigung sind ein klares Signal für eine notwendige Sanierungsmaßnahme.
Die Dringlichkeit einer Sanierung richtet sich nach dem Schadensgrad, der im Rahmen einer Kanalinspektion nach DIN EN 13508 bewertet wird. Schäden werden dabei in Schweregrade eingeteilt, die als Grundlage für die Planung der Instandhaltungsmaßnahmen dienen. Nicht jeder Schaden erfordert sofortige Maßnahmen, aber eine regelmäßige Überwachung ist in jedem Fall sinnvoll.
Heute ist eine grabenlose Kanalsanierung in den meisten Fällen die bevorzugte Methode, weil sie ohne aufwändige Tiefbauarbeiten auskommt. Das spart nicht nur Kosten, sondern minimiert auch Beeinträchtigungen für Anwohner, Verkehr und die umliegende Infrastruktur. Je früher ein Schaden erkannt und behandelt wird, desto günstiger und unkomplizierter gestaltet sich der Eingriff.
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