Querschnitt eines harzgetränkten Schlauchliner in einer engen Rohrbiegung unter der Erde, umgeben von feuchtem Betonrohr.

Kann ein Schlauchliner um Rohrbögen verlegt werden?

/ Anna Gerlach

Ja, ein Schlauchliner lässt sich grundsätzlich um Rohrbögen verlegen, allerdings hängt das von Faktoren wie dem Bogenwinkel, dem Rohrdurchmesser und dem verwendeten Linersystem ab. Moderne Inliner-Systeme sind so konzipiert, dass sie leichte bis mittlere Kurven problemlos durchfahren können. Welche Kurvenradien realistisch sind, welche Faktoren die Verlegbarkeit beeinflussen und was bei zu steilen Bögen zu tun ist, erfährst du in diesem Artikel.

Welche Kurvenradien kann ein Schlauchliner durchfahren?

Ein Schlauchliner kann Kurven mit einem Bogenwinkel von bis zu 45 Grad in der Regel ohne Probleme durchfahren. Bei größeren Winkeln, also steileren Richtungswechseln, kommt es auf das konkrete Linersystem, den Rohrdurchmesser und die Materialeigenschaften des Liners an. Als grobe Faustregel gilt: Je größer der Rohrdurchmesser und je flexibler das Linermaterial, desto enger kann der Bogen sein.

Bei der Inliner-Sanierung werden Schlauchliner aus glasfaserverstärktem Kunstharz oder Filzmaterial eingesetzt. Diese Materialien haben unterschiedliche Biegesteifigkeiten. Filzbasierte Liner sind in der Regel flexibler und können engere Bögen passieren als glasfaserverstärkte Varianten. Entscheidend ist außerdem die Länge des Liners: Kürzere Abschnitte lassen sich einfacher um Kurven führen als sehr lange Schläuche.

In der Praxis spricht man von folgenden Richtwerten:

  • Bögen bis 15 Grad: nahezu keine Einschränkung, alle gängigen Linersysteme geeignet
  • Bögen von 15 bis 45 Grad: mit geeignetem System und sorgfältiger Planung gut umsetzbar
  • Bögen über 45 Grad: anspruchsvoll, erfordert spezielle Systeme oder partielle Sanierungsmethoden

Welche Faktoren beeinflussen die Verlegbarkeit in Bögen?

Die Verlegbarkeit eines Schlauchliners in Bögen hängt von mehreren zusammenwirkenden Faktoren ab: dem Bogenwinkel, dem Rohrdurchmesser, der Linerlänge, der Materialsteifigkeit und dem Einbauverfahren. Kein einzelner Faktor entscheidet allein, erst das Zusammenspiel aller Parameter ergibt, ob ein Liner sicher und vollflächig in einem gebogenen Rohr eingebaut werden kann.

Hier sind die wichtigsten Einflussfaktoren im Überblick:

  • Bogenwinkel und Kurvenradius: Flachere Bögen sind einfacher zu durchfahren. Ein langer, sanfter Kurvenradius stellt weniger Anforderungen an das Linermaterial als ein enger, abrupter Richtungswechsel.
  • Rohrdurchmesser: Größere Durchmesser ermöglichen in der Regel mehr Spielraum für den Liner, da das Verhältnis von Linerstärke zu Rohrdurchmesser günstiger ist.
  • Linermaterial und Wandstärke: Dickere oder steifere Liner lassen sich schwerer biegen. Dünnere, flexible Materialien folgen dem Rohrverlauf besser.
  • Einbauverfahren: Beim Inversionsverfahren (Umstülpen) wird der Liner durch Wasser- oder Luftdruck in das Rohr gedrückt, was das Durchfahren von Kurven erleichtert. Beim Einzugsverfahren muss der Liner gezogen werden, was bei engen Bögen zu Problemen führen kann.
  • Zustand des Rohres: Ablagerungen, Versätze oder Hindernisse im Rohr können das Einfahren in Bögen zusätzlich erschweren.

Wie wird ein Schlauchliner in einem Rohrbogen eingebaut?

Der Einbau eines Schlauchliners in einem Rohrbogen erfolgt in der Regel über das Inversionsverfahren, bei dem der Liner von innen nach außen umgestülpt und durch Druckluft oder Wasser in das Rohr gedrückt wird. Dieses Verfahren ermöglicht es, den Liner gleichmäßig an die Rohrwandung anzulegen, auch in gebogenen Abschnitten.

Der typische Ablauf sieht so aus:

  1. Kanalinspektion: Vor dem Einbau wird das Rohr per Kamera inspiziert, um Bogenwinkel, Hindernisse und den Zustand der Rohrwandung zu erfassen.
  2. Reinigung: Das Rohr wird gründlich gereinigt, damit der Liner vollflächig haften kann.
  3. Vorbereitung des Liners: Der Schlauchliner wird mit dem passenden Harzsystem getränkt und auf die erforderliche Länge zugeschnitten.
  4. Inversion: Der Liner wird mithilfe von Druck in das Rohr eingeführt und dabei umgestülpt. Der Druck presst ihn gleichmäßig an die Rohrwandung, auch in Kurven.
  5. Aushärtung: Je nach System wird der Liner durch UV-Licht, Heißwasser oder Dampf ausgehärtet, bis er formstabil ist.
  6. Abschlusskontrolle: Eine erneute Kamerainspektion bestätigt die vollständige Anlage des Liners an der Rohrwandung.

Bei besonders engen Bögen wird manchmal eine Kombination aus Langstreckensanierung und partieller Sanierung gewählt, um kritische Stellen gezielt zu behandeln.

Was passiert, wenn der Bogenwinkel zu steil ist?

Wenn der Bogenwinkel zu steil ist, kann der Schlauchliner nicht vollflächig an die Rohrwandung angelegt werden. Es entstehen Falten oder Ablösungen, die die Dichtigkeit und Stabilität des Liners beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall lässt sich der Liner gar nicht erst durch den Bogen führen.

Typische Probleme bei zu steilen Bögen sind:

  • Faltenbildung: Der Liner legt sich nicht glatt an, sondern wirft Falten, das schwächt die Struktur und kann zu Undichtigkeiten führen.
  • Ablösung vom Rohr: In extremen Fällen liegt der Liner im Bogenbereich nicht vollständig an der Rohrwandung an, was die Sanierung wirkungslos macht.
  • Einbaustopp: Bei sehr engen Bögen kann der Liner beim Einfahren stecken bleiben oder sich nicht weiter bewegen lassen.

In solchen Situationen kommen alternative Methoden zum Einsatz. Die partielle Sanierung mit einem Point-Liner® eignet sich gut, um einzelne Schadstellen im Bereich des Bogens zu reparieren, ohne den gesamten Leitungsabschnitt neu auskleiden zu müssen. Auch eine Kombination mehrerer kürzerer Liner-Abschnitte kann eine Lösung sein.

Welche Schlauchliner-Systeme eignen sich am besten für Bögen?

Für die Sanierung von Rohrabschnitten mit Bögen eignen sich besonders flexible, inversionsbasierte Schlauchliner-Systeme. Filzbasierte Liner mit geringer Wandstärke und hoher Flexibilität schneiden in der Praxis am besten ab, weil sie sich dem Rohrverlauf anpassen, ohne ihre Strukturintegrität zu verlieren.

Folgende Systemeigenschaften sind bei der Auswahl entscheidend:

  • Hohe Flexibilität des Trägermaterials: Filz- und Hybridmaterialien biegen sich leichter als rein glasfaserverstärkte Liner.
  • Inversionsverfahren als Einbaumethode: Systeme, die per Inversion eingebaut werden, sind für Bögen besser geeignet als Einzugsverfahren.
  • Anpassbare Wandstärke: Dünnere Liner sind flexibler; für statisch belastete Rohre muss jedoch ein Kompromiss gefunden werden.
  • Partielle Systeme für Einzelbögen: Wenn nur der Bogenbereich saniert werden muss, ist ein partieller Liner oft die effizientere Wahl.

Wie wir bei Bodenbender die Sanierung von Rohrbögen unterstützen

Wir bei Bodenbender bieten Systemlösungen, die speziell für die Anforderungen der grabenlosen Rohrsanierung entwickelt wurden, einschließlich der Sanierung von Abschnitten mit Bögen und Richtungswechseln. Unser Portfolio deckt sowohl die Langstreckensanierung als auch die partielle Sanierung ab, sodass du für jeden Schadensfall die passende Lösung findest.

Das bieten wir konkret:

  • AIRBAGLINER®: Unser inversionsbasiertes System für die Langstreckensanierung, das sich dank flexibler Materialien auch für Rohrabschnitte mit leichten bis mittleren Bögen eignet.
  • Point-Liner®-System: Für die gezielte partielle Sanierung einzelner Schadstellen, ideal, wenn ein Bogenbereich lokal repariert werden muss, ohne den gesamten Abschnitt zu sanieren.
  • Bodenbender PointHat System: Speziell für Einlaufbereiche und angrenzende Rohrbögen konzipiert.
  • Fahrzeugausbau und Technik: Wir bauen Sanierungsfahrzeuge aus, die auf die jeweiligen Systemanforderungen abgestimmt sind.
  • Schulung und Akademie: In der Relining Academy vermitteln wir das nötige Know-how, um unsere Systeme auch in anspruchsvollen Einbausituationen sicher anzuwenden.

Du möchtest wissen, welches System für dein konkretes Sanierungsprojekt am besten geeignet ist? Nimm Kontakt mit uns auf, wir beraten dich gerne und finden gemeinsam die passende Lösung für deine Anforderungen.

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