Eine Rohrsanierung darf grundsätzlich nur von einem qualifizierten Fachbetrieb durchgeführt werden, der nachweislich über die notwendigen technischen Kenntnisse, die entsprechende Ausrüstung und die erforderlichen Zertifizierungen verfügt. Weder Privatpersonen noch beliebige Handwerksbetriebe ohne Fachnachweis dürfen Abwasserleitungen eigenständig sanieren. In diesem Artikel erfährst du, welche Qualifikationen wirklich zählen, wer die Verantwortung trägt und wie du den richtigen Betrieb findest.
Welche Qualifikationen braucht ein Rohrsanierungsbetrieb?
Ein Rohrsanierungsbetrieb benötigt eine Kombination aus handwerklicher Grundausbildung, spezialisierter Weiterbildung und technischer Ausrüstung. In Deutschland orientieren sich die Qualifikationsanforderungen vor allem an den Regelwerken der DIN EN 13508 sowie den Vorgaben der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Ohne diese fachliche Basis ist eine ordnungsgemäße und rechtssichere Rohrsanierung nicht möglich.
Konkret bedeutet das: Ein seriöser Betrieb sollte über ausgebildetes Personal mit Kenntnissen in der grabenlosen Rohrsanierung verfügen, regelmäßig an Schulungen teilnehmen und die eingesetzten Verfahren beherrschen. Dazu gehören unter anderem der Umgang mit Inliner-Systemen, die Durchführung von Rohrkamerabefahrungen sowie die fachgerechte Vorbereitung durch Hochdruckreinigung. Betriebe, die Kanalsanierungen im öffentlichen Bereich ausführen, müssen zudem häufig als Fachbetrieb nach §62 WHG (Wasserhaushaltsgesetz) anerkannt sein.
Darf jeder Handwerker eine Rohrsanierung durchführen?
Nein, nicht jeder Handwerker darf eine Rohrsanierung durchführen. Zwar ist der Begriff „Rohrsanierung“ nicht gesetzlich als eigenständiges Berufsbild geschützt, doch die Arbeiten an Abwasserleitungen erfordern spezifisches Fachwissen, das über eine allgemeine handwerkliche Ausbildung hinausgeht. Wer ohne entsprechende Qualifikation saniert, riskiert mangelhafte Ergebnisse, Haftungsprobleme und im schlimmsten Fall Umweltschäden.
Grundsätzlich sind es Betriebe aus dem Bereich Rohr- und Kanalreinigung, Tiefbau oder Heizung-Sanitär-Klima, die sich durch Zusatzqualifikationen für die Kanalsanierung weiterbilden. Entscheidend ist, dass das eingesetzte Personal nachweislich in den verwendeten Sanierungsverfahren geschult wurde. Wer beispielsweise einen Inliner in ein Abwasserrohr einbringen möchte, muss das Verfahren technisch beherrschen und die Aushärtung korrekt steuern können. Ein allgemeiner Klempner ohne diese Zusatzausbildung ist dazu in der Regel nicht in der Lage.
Welche Zertifizierungen sind für die Kanalsanierung vorgeschrieben?
Für die Kanalsanierung gibt es in Deutschland keine einheitliche, bundesweit vorgeschriebene Zertifizierung, aber es existieren anerkannte Normen und Gütezeichen, die de facto als Standard gelten. Die wichtigsten Referenzrahmen sind die DWA-Merkblätter, insbesondere das Merkblatt DWA-M 143, sowie die europäische Norm DIN EN ISO 11296 für Kunststoffrohrsysteme zur Rohrsanierung.
Für Betriebe, die im öffentlichen Kanalnetz arbeiten, verlangen viele Kommunen und Auftraggeber eine Zertifizierung durch anerkannte Güteschutzorganisationen wie den Güteschutz Kanalbau. Dieses Gütezeichen belegt, dass ein Betrieb regelmäßig überprüft wird und nach definierten Qualitätsstandards arbeitet. Für die partielle Rohrsanierung oder die Inliner-Rohrsanierung gelten zusätzlich produktspezifische Zulassungen der eingesetzten Materialien und Systeme, die vom Hersteller bereitgestellt werden müssen.
Zusammengefasst sind diese Nachweise besonders relevant:
- Gütezeichen Güteschutz Kanalbau (für öffentliche Aufträge)
- Fachbetriebsanerkennung nach §62 WHG (bei Arbeiten an wassergefährdenden Anlagen)
- Herstellerzertifizierungen für die eingesetzten Inliner- oder Sanierungssysteme
- Schulungsnachweise für die genutzten Verfahren (z. B. Schlauchlining, Kurzliner)
Was ist der Unterschied zwischen Rohrsanierung und Rohrreparatur?
Rohrsanierung bezeichnet die umfassende Instandsetzung eines Rohrsystems oder größerer Abschnitte davon, während Rohrreparatur eine gezielte, punktuelle Maßnahme an einer einzelnen Schadstelle beschreibt. Der Unterschied liegt also im Umfang: Bei der Sanierung wird das gesamte Rohr oder ein längerer Abschnitt erneuert oder ausgekleidet, bei der Reparatur wird nur der konkrete Schaden behoben.
Wann ist eine Sanierung sinnvoll?
Eine Rohrsanierung ist die richtige Wahl, wenn ein Rohr über seine gesamte Länge oder über längere Abschnitte hinweg Verschleiß, Risse oder strukturelle Schwächen zeigt. Typische Verfahren sind das Schlauchlining, bei dem ein flexibler Inliner in das bestehende Rohr eingezogen und ausgehärtet wird, oder die Zementmörtelauskleidung. Diese Methoden ermöglichen eine grabenlose Rohrsanierung ohne aufwändige Erdarbeiten.
Wann reicht eine Rohrreparatur?
Eine punktuelle Rohrreparatur, auch als partielle Sanierung bezeichnet, ist ausreichend, wenn die Rohrkamerabefahrung einen klar lokalisierten Schaden wie einen Rohrbruch, eine undichte Verbindung oder einen einzelnen Riss zeigt. Mit einem sogenannten Kurzliner oder Roboterfräsverfahren lässt sich dieser Bereich gezielt behandeln, ohne das gesamte Rohr zu sanieren. Das spart Zeit und Kosten erheblich.
Wer ist für die Rohrsanierung auf Privatgrundstücken zuständig?
Für Rohre auf Privatgrundstücken ist der Grundstückseigentümer verantwortlich. Das gilt für alle Abwasserleitungen, die sich innerhalb der Grundstücksgrenze befinden, also in der Regel von der Hausentwässerung bis zum öffentlichen Anschlusskanal. Diese Verantwortung umfasst sowohl die regelmäßige Inspektion als auch die Pflicht zur Sanierung bei festgestellten Schäden.
In vielen Bundesländern und Kommunen ist die Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen gesetzlich vorgeschrieben. Wer einen Rohrschaden an der Abwasserleitung feststellt oder durch eine Pflichtinspektion nachweisen muss, ist verpflichtet, diesen fachgerecht beheben zu lassen. Die Beauftragung eines zertifizierten Fachbetriebs ist dabei nicht nur empfehlenswert, sondern in vielen Fällen Voraussetzung für die Anerkennung der Maßnahme durch die zuständige Behörde.
Wichtig: Der öffentliche Kanal, also das Leitungsnetz ab der Grundstücksgrenze, liegt in der Zuständigkeit der Gemeinde oder des zuständigen Abwasserzweckverbands. Schäden in diesem Bereich melden Grundstückseigentümer der zuständigen Behörde, sind aber selbst nicht für die Sanierung verantwortlich.
Wie findet man einen zugelassenen Fachbetrieb für Rohrsanierungen?
Einen qualifizierten Fachbetrieb für Rohrsanierungen findet man am zuverlässigsten über die Mitgliederdatenbank des Güteschutz Kanalbau, über Empfehlungen kommunaler Abwasserbetriebe oder über Hersteller von Sanierungssystemen, die zertifizierte Partnerbetriebe in ihrer Region benennen. Diese Wege stellen sicher, dass der Betrieb nachweislich qualifiziert und regelmäßig überprüft ist.
Achte bei der Auswahl auf folgende Punkte:
- Nachweis über Gütezeichen oder Fachbetriebsanerkennung
- Einsatz einer Rohrkamera zur Zustandserfassung vor der Sanierung
- Transparente Aufklärung über das gewählte Sanierungsverfahren
- Schriftliches Angebot mit Angabe der Kosten pro Meter bei Inliner-Rohrsanierungen
- Referenzen oder Nachweise abgeschlossener Projekte
Vermeide Betriebe, die ohne vorherige Rohrkamerainspektion ein Angebot stellen oder die keine Auskunft über ihre Zertifizierungen geben können. Eine seriöse Rohrsanierung beginnt immer mit einer gründlichen Bestandsaufnahme, zum Beispiel durch eine Kamerabefahrung und gegebenenfalls eine Hochdruckreinigung zur Vorbereitung.
Wie Bodenbender bei der Rohrsanierung unterstützt
Als Systemanbieter und Hersteller mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in der Kanalinstandhaltung unterstützen wir Fachbetriebe dabei, Rohrsanierungen professionell, sicher und effizient umzusetzen. Wir liefern nicht nur zertifizierte Produkte, sondern begleiten unsere Partner von der Planung bis zur fertigen Umsetzung.
Was wir konkret bieten:
- Zertifizierte Systemlösungen wie den PL®-Inliner und PL®-PointLiner für die Langstrecken- und partielle Rohrsanierung sowie den Airbagliner® für spezifische Anwendungsfälle
- Schulungen und Zertifizierungen über unsere Relining Academy, damit dein Team die Verfahren sicher und normgerecht anwendet
- Individuelle Fahrzeugausstattung für Sanierungsbetriebe, die ihre Fahrzeuge gezielt für den Einsatz im Feld ausrüsten möchten
- Technische Beratung für die Auswahl des richtigen Verfahrens je nach Schadenstyp, Rohrdimension und Einsatzbedingung
Ob du einen Rohrschaden an einer Abwasserleitung grabenlos beheben möchtest oder als Betrieb dein Leistungsspektrum erweitern willst: Wir sind dein Partner. Nimm Kontakt auf und lass uns gemeinsam die passende Lösung finden.
