Flexibler harzgetränkter Filzliner wird neben einem offenen Kanalschacht auf einer nassen Baustelle ausgerollt.

Welche Schlauchliner-Systeme gibt es und wie unterscheiden sie sich?

/ Anna Gerlach

Es gibt verschiedene Schlauchliner-Systeme für die Kanalsanierung, die sich nach Aushärtungsverfahren, Einsatzbereich und Rohrdurchmesser unterscheiden. Grundsätzlich lassen sich Langstreckenliner für durchgehende Rohrabschnitte, Partialliner für punktuelle Schäden sowie spezialisierte Systeme für Einläufe und Schächte unterscheiden. In diesem Artikel beantwortest du dir die wichtigsten Fragen rund um das Schlauchliner-Verfahren und findest heraus, welches System für deinen Anwendungsfall am besten geeignet ist.

Wie funktioniert ein Schlauchliner bei der Kanalsanierung?

Ein Schlauchliner ist ein flexibler, mit Kunstharz getränkter Gewebeschlauch, der in ein beschädigtes Rohr eingebracht und dort von innen ausgehärtet wird. Dabei entsteht ein neues, stabiles Rohr im alten Rohr, ohne dass aufwendige Grabungsarbeiten nötig sind. Das Verfahren wird auch als Inliner-Sanierung oder grabenlose Rohrsanierung bezeichnet.

Der Ablauf ist in der Regel dreistufig: Zunächst wird das Rohr per Kamera inspiziert und gereinigt. Anschließend zieht oder invertiert man den mit Harz imprägnierten Liner in das Rohr ein. Im letzten Schritt härtet der Liner durch Wärme, UV-Licht oder Raumtemperatur aus und bildet eine neue, dichte Rohrinnenwand. Das sanierte Rohr ist korrosionsbeständig, hydraulisch optimiert und in der Regel für Jahrzehnte belastbar.

Der entscheidende Vorteil der Inliner-Technik liegt darin, dass weder Straßen aufgerissen noch Gebäude oder Bäume beschädigt werden müssen. Das spart Zeit, Kosten und Lärm, besonders in dicht bebauten Gebieten.

Welche Aushärtungsverfahren gibt es bei Schlauchlinern?

Bei Schlauchlinern unterscheidet man drei wesentliche Aushärtungsverfahren: die Warmwasser- oder Dampfaushärtung, die UV-Lichthärtung und die Kaltaushärtung bei Raumtemperatur. Jedes Verfahren hat spezifische Vor- und Nachteile hinsichtlich Aushärtegeschwindigkeit, Energieeinsatz und Eignung für verschiedene Rohrdimensionen.

  • Warmwasser- oder Dampfaushärtung: Der Liner wird durch heißes Wasser oder Dampf aktiviert. Dieses Verfahren ist weit verbreitet, zuverlässig und eignet sich für viele Rohrdurchmesser. Die Aushärtezeit ist gut kontrollierbar.
  • UV-Lichthärtung: Ein UV-Strahler wird durch den eingebrachten Liner gezogen und härtet das Harz gezielt von innen aus. Dieses Verfahren ist besonders schnell und präzise, da nur der belichtete Bereich aushärtet. Überschüssiges Material bleibt flexibel und kann bei Bedarf nachgearbeitet werden.
  • Kaltaushärtung (Raumtemperatur): Das Harz reagiert ohne externe Energiequelle aus. Dieses Verfahren eignet sich besonders für kleinere Partialreparaturen und Situationen, in denen keine Wärme- oder Lichtquelle zur Verfügung steht.

Die Wahl des Aushärteverfahrens beeinflusst auch die Inliner-Rohrsanierungskosten, da UV-Anlagen in der Anschaffung teurer sind, aber durch kürzere Standzeiten auf Baustellen wirtschaftliche Vorteile bieten können.

Was ist der Unterschied zwischen Langstrecken- und Partialsanierung mit Schlauchlinern?

Die Langstreckensanierung ersetzt den gesamten Querschnitt eines Rohrabschnitts von Schacht zu Schacht, während die Partialsanierung gezielt nur die beschädigte Stelle im Rohr abdichtet. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt vom Schadensausmaß, der Rohrlänge und dem Zustand des gesamten Leitungssystems ab.

Langstreckensanierung

Bei der Langstreckensanierung wird ein Liner über die gesamte Rohrlänge zwischen zwei Schächten eingebracht. Dieses Verfahren lohnt sich, wenn das Rohr großflächig beschädigt, stark korrodiert oder undicht ist. Der fertige Liner bildet ein durchgehendes, neues Rohr im alten Rohr und stellt die volle Funktionsfähigkeit der Leitung wieder her.

Partialsanierung

Die Partialsanierung, auch als Punktsanierung bezeichnet, richtet sich auf einzelne Schadstellen wie Risse, Rohrbrüche oder undichte Muffen. Ein kurzer Liner, oft nur wenige Zentimeter bis wenige Meter lang, wird punktgenau positioniert und ausgehärtet. Das spart Material und Kosten, wenn der Rest des Rohres noch intakt ist. In der Schlauchliner-Sanierung ist die Partialmethode besonders wirtschaftlich bei lokal begrenzten Schäden.

Welcher Schlauchliner eignet sich für welchen Rohrdurchmesser?

Schlauchliner-Systeme sind für ein breites Spektrum an Rohrdurchmessern verfügbar, von Hausanschlussleitungen ab etwa DN 100 bis hin zu großen Abwasserkanälen mit mehreren Metern Durchmesser. Die Wahl des richtigen Liners hängt von der Nennweite des Rohres, dem verfügbaren Einbringverfahren und dem Harztyp ab.

Für Hausanschlüsse und kleinere Leitungen im Bereich DN 100 bis DN 300 kommen häufig flexible Kurzliner oder Partialliner zum Einsatz. Im mittleren Bereich, also DN 300 bis DN 600, dominieren Langstreckenliner mit Warmwasser- oder UV-Härtung. Bei großen Kanälen ab DN 600 werden teils begehbare Liner eingesetzt, die vor Ort laminiert oder in Segmenten eingebracht werden.

Wichtig ist, dass der Liner nach dem Aushärten den Innendurchmesser des Rohres geringfügig reduziert. Bei der Planung einer Inliner-Sanierung muss daher geprüft werden, ob die verbleibende lichte Weite die hydraulischen Anforderungen noch erfüllt.

Wie unterscheiden sich Schlauchliner-Systeme bei Einläufen und Schächten?

Einläufe und Schächte stellen geometrisch komplexere Anforderungen als gerade Rohrstrecken, weshalb hierfür spezialisierte Liner-Systeme entwickelt wurden. Standardschlauchliner lassen sich in diesen Bereichen nicht ohne Weiteres einsetzen, da Formänderungen, Anschlüsse und Übergänge besondere Materialien und Techniken erfordern.

Für Einläufe, also die Übergangsbereiche zwischen Hausanschluss und Hauptkanal, werden hutförmige Kurzliner verwendet, die den Anschluss von innen abdichten. Diese Einlaufsanierung ist besonders wichtig, da undichte Einläufe häufige Ursachen für Fremdwassereintritt und Kanalschäden sind.

Bei der Schachtsanierung kommen hingegen andere Verfahren zum Einsatz: Hier werden häufig Beschichtungssysteme, Innenmanschetten oder spezielle Formteile verwendet, die der zylindrischen oder kegelförmigen Schachtgeometrie angepasst sind. Auch Kombinationen aus Schlauchliner und Schachtbeschichtung sind möglich, um den Übergang zwischen Rohr und Schacht dauerhaft abzudichten.

Welche Materialien werden für Schlauchliner verwendet und was bewirken sie?

Schlauchliner bestehen aus einem Trägermaterial, das mit einem aushärtenden Kunstharz getränkt ist. Die Kombination aus Gewebeart und Harztyp bestimmt die mechanischen Eigenschaften, die chemische Beständigkeit und die Eignung für verschiedene Einsatzbedingungen.

Trägermaterialien

Als Trägermaterialien kommen vor allem Glasfaser, Polyester-Nadelvlies und Kombinationsgewebe zum Einsatz. Glasfaserliner bieten eine besonders hohe Steifigkeit und eignen sich für statisch beanspruchte Kanäle. Polyester-Nadelvlies ist flexibler, einfacher zu verarbeiten und weit verbreitet im mittleren Durchmesserbereich.

Harzsysteme

Die gängigsten Harze sind Epoxidharze, Polyesterharze und Vinylesterharze. Epoxidharze zeichnen sich durch hohe chemische Beständigkeit und gute Haftung aus, während Polyesterharze kostengünstiger und schnell aushärtend sind. Vinylesterharze bieten eine gute Balance aus Beständigkeit und Verarbeitbarkeit und werden häufig in industriell genutzten Abwasserleitungen eingesetzt.

Die Materialwahl beeinflusst nicht nur die technischen Eigenschaften des fertigen Liners, sondern auch die Inliner-Rohrsanierungskosten und die Anforderungen an Lagerung und Transport der imprägnierten Schläuche.

So unterstützt Bodenbender dich bei der Schlauchliner-Sanierung

Wir bei Bodenbender bieten dir als Systemanbieter für grabenlose Rohr- und Kanalsanierung praxiserprobte Lösungen für unterschiedlichste Anwendungsfälle. Unser Produktportfolio deckt die wichtigsten Bereiche der Schlauchliner-Sanierung ab:

  • AIRBAGLINER® für die Langstreckensanierung, mit dem der Liner sicher und gleichmäßig eingebracht wird
  • Point-Liner® System für die präzise Partialsanierung an einzelnen Schadstellen
  • Bodenbender PointHat System für die Einlaufsanierung an Hausanschlüssen
  • Individuelle Beratung zu Rohrdurchmessern, Aushärteverfahren und Materialauswahl
  • Schulungen in unserer Relining Academy, damit du unsere Systeme sicher und effizient einsetzen kannst

Egal, ob du Langstrecken, Partialbereiche oder Einläufe sanieren möchtest: Wir begleiten dich von der Produktauswahl bis zur Umsetzung. Schau dir unsere Produkte und Technik an oder nimm direkt Kontakt zu uns auf, um gemeinsam die passende Lösung für dein Projekt zu finden.

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