Welche Harzsysteme werden beim Schlauchliner verwendet?

/ Anna Gerlach

Beim Schlauchlining kommen drei Harzsysteme grundsätzlich zum Einsatz: Epoxidharz, Polyesterharz und Vinylesterharz. Welches Harzsystem das richtige ist, hängt von den chemischen Belastungen im Rohr, der Aushärtungsmethode und den geltenden Normen ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Harzsysteme im Schlauchlining kompakt und praxisnah.

Welche Harzarten kommen beim Schlauchliner grundsätzlich infrage?

Beim Schlauchliner werden im Wesentlichen drei Harzarten eingesetzt: Epoxidharz, Polyesterharz und Vinylesterharz. Diese drei Systeme decken den Großteil aller Anforderungen in der grabenlosen Inliner-Sanierung ab und sind in der Praxis am weitesten verbreitet. Die Wahl des Harzsystems beeinflusst maßgeblich die mechanische Festigkeit, die chemische Beständigkeit und die Verarbeitungseigenschaften des fertigen Liners.

Epoxidharze gelten als besonders hochwertig und werden häufig dort eingesetzt, wo hohe mechanische Anforderungen oder aggressive Medien vorliegen. Polyesterharze sind die wirtschaftlichste Option und eignen sich gut für Standardanwendungen in der Hausanschlusssanierung. Vinylesterharze nehmen eine Mittelstellung ein: Sie bieten eine bessere chemische Beständigkeit als Polyester, sind aber in der Regel günstiger als Epoxidharze. Alle drei Systeme werden mit einem Trägermaterial, meist einem Glasfaser- oder Nadelvlieschlauch, kombiniert, um den fertigen Schlauchliner zu bilden.

Was sind die Unterschiede zwischen Epoxid-, Polyester- und Vinylesterharz?

Der wesentliche Unterschied liegt in der chemischen Beständigkeit, der mechanischen Festigkeit und den Verarbeitungseigenschaften. Epoxidharz bietet die höchste Festigkeit und Beständigkeit gegenüber aggressiven Medien, Polyesterharz ist am einfachsten zu verarbeiten und kostengünstig, während Vinylesterharz eine gute Balance zwischen beiden darstellt.

Epoxidharz

Epoxidharze zeichnen sich durch sehr gute Haftung, hohe mechanische Belastbarkeit und ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber chemischen Einwirkungen aus. Sie schrumpfen beim Aushärten kaum, was zu einem passgenauen Ergebnis im sanierten Rohr führt. Allerdings sind Epoxidsysteme in der Verarbeitung anspruchsvoller und in der Anschaffung teurer. Typische Anwendungsgebiete sind Abwasserleitungen mit erhöhten chemischen Belastungen sowie Druckleitungen.

Polyesterharz

Polyesterharze sind die am häufigsten eingesetzten Harzsysteme in der Inliner-Sanierung, vor allem im Hausanschlussbereich. Sie lassen sich gut verarbeiten, sind schnell verfügbar und wirtschaftlich. Ihr Nachteil liegt in der etwas geringeren chemischen Beständigkeit und einem stärkeren Schrumpfverhalten beim Aushärten. Für Standardanwendungen ohne besondere chemische Belastung sind sie jedoch vollkommen ausreichend.

Vinylesterharz

Vinylesterharze kombinieren Eigenschaften beider vorgenannten Systeme. Sie bieten eine deutlich bessere chemische Beständigkeit als Polyester, insbesondere gegenüber Lösemitteln und Säuren, ohne dabei die hohen Kosten von Epoxidsystemen zu erreichen. In der Inliner-Technik werden sie häufig für Industrieabwässer oder chemisch belastete Kanäle gewählt.

Welches Harzsystem eignet sich für welchen Anwendungsfall?

Die Wahl des richtigen Harzsystems richtet sich nach dem Einsatzbereich, der chemischen Belastung und den hydraulischen Anforderungen des zu sanierenden Rohrs. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, aber klare Orientierungspunkte helfen bei der Entscheidung.

  • Hausanschlüsse und Schmutzwasserkanäle ohne besondere Belastung: Polyesterharz ist hier die wirtschaftlich sinnvolle Wahl.
  • Mischwasserkanäle und kommunale Abwassersysteme: Epoxidharz oder Vinylesterharz bieten die nötige Langzeitbeständigkeit.
  • Industrieabwässer mit Säuren, Laugen oder Lösemitteln: Vinylesterharz oder Epoxidharz sind in solchen Fällen erste Wahl.
  • Druckleitungen: Epoxidharz ist aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften klar zu bevorzugen.
  • Partielle Sanierung und Kurzliner: Alle drei Systeme kommen infrage, wobei die spezifische Belastungssituation entscheidet.

Wer sich bei der Auswahl unsicher ist, sollte immer einen Blick auf die vorliegenden Kanalzustandsdaten und die Medienanalyse werfen. Nur wenn bekannt ist, welche Stoffe das Rohr dauerhaft transportiert, lässt sich das passende Harzsystem zuverlässig bestimmen.

Wie beeinflusst die Aushärtungsmethode die Wahl des Harzsystems?

Die Aushärtungsmethode und das Harzsystem müssen aufeinander abgestimmt sein, da nicht jedes Harz mit jeder Aushärtungstechnik kompatibel ist. Die gängigen Methoden sind UV-Licht-Härtung, Warmwasser-Härtung und Dampf-Härtung.

Polyesterharze und Vinylesterharze lassen sich sowohl mit UV-Licht als auch mit Warmwasser oder Dampf aushärten. Epoxidharze werden hingegen häufig mit Warmwasser oder Dampf ausgehärtet, da sie auf UV-Strahlung weniger ansprechen. Die UV-Härtung hat den Vorteil einer sehr schnellen und kontrollierten Aushärtung, was die Bauzeit deutlich verkürzt. Dampf- und Warmwasseraushärtung sind bewährte Verfahren, die sich besonders bei größeren Nennweiten oder langen Haltungen bewährt haben.

Wer auf Inliner-Technik mit UV-Härtung setzt, muss sicherstellen, dass das verwendete Harzsystem photoinitiierte Aushärtung unterstützt. Dies ist bei speziellen Polyester- und Vinylesterformulierungen der Fall, aber nicht bei allen Standardprodukten. Die Abstimmung zwischen Harz und Härtungsmethode ist daher ein zentraler Schritt in der Planung jeder Inliner-Sanierung.

Welche Normen und Zulassungen gelten für Harzsysteme im Schlauchlining?

Harzsysteme im Schlauchlining unterliegen in Deutschland und Europa klar definierten Normen und Zulassungsanforderungen, die Qualität, Sicherheit und Langzeitbeständigkeit der sanierten Leitungen gewährleisten sollen.

Die zentrale europäische Norm für Schlauchliner ist die DIN EN ISO 11296 (Teil 4 für drucklose Leitungen) sowie die DIN EN ISO 11295, die das Klassifizierungssystem für Sanierungsverfahren definiert. Für Trinkwasserleitungen gelten zusätzlich strenge Anforderungen gemäß der KTW-Leitlinie (Kunststoffe im Trinkwasser) des Umweltbundesamts, die sicherstellt, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe ins Trinkwasser abgegeben werden.

Darüber hinaus verlangen viele öffentliche Auftraggeber eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine europäische technische Bewertung (ETA) für die eingesetzten Harzsysteme und Schlauchliner. Produkte ohne entsprechende Zertifizierung sind in vielen Ausschreibungen nicht zugelassen. Wer als Sanierungsunternehmen tätig ist, sollte daher stets auf die Vorlage aktueller Zulassungsdokumente achten und diese im Rahmen der Partnerleistungen transparent kommunizieren.

Wie lange halten Schlauchliner mit verschiedenen Harzsystemen?

Die Nutzungsdauer von Schlauchlinern wird in der Regel mit 50 Jahren angegeben, sofern das Harzsystem korrekt ausgewählt, fachgerecht eingebaut und die Leitung ordnungsgemäß betrieben wird. Diese Angabe gilt branchenübergreifend als Planungsgrundlage.

In der Praxis hängt die tatsächliche Lebensdauer von mehreren Faktoren ab:

  • Harzsystem: Epoxidharze gelten als besonders langzeitstabil, insbesondere bei chemischer Belastung. Polyesterharze können bei aggressiven Medien schneller degradieren.
  • Einbauqualität: Fehler bei der Imprägnierung, Aushärtung oder beim Einzug des Liners verkürzen die Lebensdauer erheblich.
  • Betriebsbedingungen: Temperatur, Fließgeschwindigkeit und die Art der transportierten Medien beeinflussen die Alterung des Harzsystems.
  • Wartung und Inspektion: Regelmäßige Kamerabefahrungen helfen, frühzeitig Schäden zu erkennen und die Restlebensdauer realistisch einzuschätzen.

Grundsätzlich gilt: Ein hochwertiges Harzsystem ist nur so gut wie sein Einbau. Selbst das beste Epoxidsystem verliert seinen Vorteil, wenn es nicht korrekt verarbeitet wird. Die Kombination aus geeignetem Harz, professionellem Einbau und regelmäßiger Inspektion ist der Schlüssel zu einer langen Nutzungsdauer beim Schlauchlining.

Wie wir bei Bodenbender das richtige Harzsystem für dich finden

Die Wahl des richtigen Harzsystems ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei jeder Inliner-Sanierung. Wir bei Bodenbender unterstützen dich dabei von Anfang an mit unserem langjährigen Know-how als Systemanbieter für grabenlose Rohr- und Kanalsanierung.

Was wir für dich leisten:

  • Produktberatung: Wir helfen dir, das passende Harzsystem für dein Projekt zu identifizieren, abgestimmt auf Nennweite, Belastungsprofil und Aushärtungsmethode.
  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte, darunter der AIRBAGLINER® und das Point-Liner® System, sind auf die Anforderungen der Inliner-Sanierung ausgelegt und entsprechen den geltenden Normen.
  • Schulungen in der Relining Academy: Wir schulen dein Team im sicheren Umgang mit unseren Systemlösungen, damit Einbau und Aushärtung fachgerecht ablaufen.
  • Technischer Support: Unsere Experten stehen dir bei Fragen zur Verarbeitung, Aushärtung und Qualitätssicherung zur Seite.

Du willst wissen, welches Harzsystem für dein nächstes Projekt das richtige ist? Nimm jetzt Kontakt auf und lass uns gemeinsam die beste Lösung für deine Anforderungen finden.

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