Nahtloser Harzliner wird in ein sanierungsbedürftiges Betonrohr eingezogen, freiliegender Kanalquerschnitt im feuchten Erdreich.

Welche Verfahren gibt es bei der grabenlosen Kanalsanierung?

/ Anna Gerlach

Kaputte oder undichte Kanäle müssen nicht zwingend aufwendig ausgegraben werden. Die grabenlose Kanalsanierung hat sich in den letzten Jahrzehnten als effiziente, kostensparende und ressourcenschonende Alternative zur offenen Bauweise etabliert. In diesem Artikel beantwortest du die wichtigsten Fragen rund um das Thema – von den verschiedenen Verfahren über den typischen Ablauf bis hin zu den konkreten Vorteilen.

Was ist grabenlose Kanalsanierung und wie funktioniert sie?

Grabenlose Kanalsanierung bezeichnet alle Verfahren, mit denen Rohre und Kanäle repariert oder erneuert werden, ohne die Erde darüber großflächig aufzugraben. Stattdessen arbeiten Fachleute durch bestehende Schächte oder kleine Zugangspunkte und bringen Sanierungsmaterialien direkt im Rohr ein. Das spart Zeit, Geld und schont das Umfeld erheblich.

Im Kern basieren grabenlose Verfahren darauf, dass ein neues Rohr oder eine neue Auskleidung innerhalb des bestehenden, schadhaften Rohres eingebaut wird. Dafür werden Spezialfahrzeuge, Kanalroboter und Kameratechnik eingesetzt, die den gesamten Prozess steuerbar und kontrollierbar machen. Die Sanierung erfolgt von innen heraus, sodass die Oberfläche darüber weitgehend unangetastet bleibt.

Welche grabenlosen Kanalsanierungsverfahren gibt es?

Es gibt mehrere etablierte grabenlose Kanalsanierungsverfahren, die je nach Schadenstyp, Rohrdurchmesser und Länge des betroffenen Abschnitts eingesetzt werden. Die wichtigsten sind: Schlauchlining (Inliner-Verfahren), Kurzliner für partielle Schäden, Roboterverfahren für lokale Reparaturen sowie Schachtsanierungsverfahren für Kontrollschächte.

  • Schlauchlining (Langstreckensanierung): Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird in das Rohr eingezogen und dort ausgehärtet. Dadurch entsteht ein neues, stabiles Innenrohr.
  • Kurzliner / Partialliner: Ähnlich wie beim Schlauchlining, aber nur für kurze, lokal begrenzte Schadstellen. Ideal bei einzelnen Rissen oder Muffen-Undichtigkeiten.
  • Roboterverfahren: Ein ferngesteuerter Kanalroboter trägt Mörtel oder Kunstharz gezielt auf beschädigte Stellen auf oder fräst Hindernisse heraus.
  • Einlaufsanierung: Speziell für Hausanschlüsse und Einläufe, die im Hauptkanal saniert werden müssen.
  • Schachtsanierung: Schächte werden von innen mit Beschichtungen oder Formteilen erneuert, ohne sie ausgraben zu müssen.

Für eine detaillierte Übersicht der verfügbaren Techniken und Produkte zur Kanalsanierung lohnt sich ein Blick in unser Produktportfolio.

Wann wird welches Sanierungsverfahren eingesetzt?

Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vor allem von der Art und dem Ausmaß des Schadens, dem Rohrdurchmesser, der Länge des betroffenen Abschnitts und den örtlichen Gegebenheiten ab. Es gibt keine Einheitslösung, sondern immer eine situationsgerechte Entscheidung.

  • Großflächige Schäden über längere Strecken: Schlauchlining ist die bevorzugte Methode, weil es ganze Rohrabschnitte in einem Zug saniert.
  • Einzelne, lokal begrenzte Schäden: Kurzliner oder Roboterverfahren sind effizienter, weil nur der betroffene Bereich behandelt wird.
  • Undichte Hausanschlüsse: Einlaufsanierungen greifen gezielt dort an, wo Seitenzuläufe in den Hauptkanal münden.
  • Korrodierte oder rissige Schächte: Schachtsanierungsverfahren sichern die Struktur ohne aufwendige Erdarbeiten.

Vor der eigentlichen Sanierung steht immer eine gründliche Kamerabefahrung des Kanals. Nur wenn der Schaden genau dokumentiert ist, lässt sich das passende Verfahren zuverlässig auswählen.

Was ist der Unterschied zwischen Relining und partieller Sanierung?

Der zentrale Unterschied liegt im Umfang: Beim Relining wird ein gesamter Rohrabschnitt mit einem neuen Inliner ausgekleidet, während die partielle Sanierung gezielt nur einzelne Schadstellen behandelt. Relining eignet sich bei weitreichenden Schäden, die partielle Sanierung bei lokal begrenzten Defekten.

Beim Relining, auch Schlauchlining oder Inliner-Verfahren genannt, wird ein harzgetränkter Schlauch über die gesamte Länge eines Rohrabschnitts eingezogen und ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein vollständig neues Rohr im Rohr, das dicht, glatt und langlebig ist. Dieses Verfahren lohnt sich besonders dann, wenn ein Kanal über seine gesamte Länge hinweg Risse, Wurzeleinwüchse oder Korrosionsschäden aufweist.

Die partielle Sanierung, auch Kurzliner- oder Pointliner-Verfahren genannt, setzt dagegen punktuell an. Ein kurzer Liner wird nur über die schadhafte Stelle positioniert und ausgehärtet. Das ist wirtschaftlicher, wenn der Rest des Rohres noch in gutem Zustand ist. Beide Verfahren ergänzen sich in der Praxis oft: Zuerst werden partielle Reparaturen durchgeführt, danach folgt bei Bedarf ein vollständiges Relining.

Wie läuft eine grabenlose Kanalsanierung ab?

Eine grabenlose Kanalsanierung läuft in mehreren klar definierten Schritten ab: Zustandserfassung per Kamera, Reinigung des Kanals, Auswahl und Einbau des passenden Sanierungsverfahrens sowie abschließende Qualitätskontrolle per Kamerabefahrung.

  1. Kamerabefahrung und Schadensdiagnose: Ein Kameraroboter fährt durch den Kanal und dokumentiert alle Schäden. Auf Basis dieser Aufnahmen wird das geeignete Verfahren ausgewählt.
  2. Reinigung: Vor der Sanierung wird der Kanal gründlich gereinigt, um Ablagerungen, Wurzeln und Fremdkörper zu entfernen.
  3. Sanierung: Je nach Verfahren wird der Liner eingebracht, positioniert und ausgehärtet oder der Roboter trägt das Reparaturmaterial auf.
  4. Aushärtung: Bei Linern erfolgt die Aushärtung durch UV-Licht, Heißdampf oder Umgebungstemperatur, je nach verwendetem System.
  5. Qualitätskontrolle: Eine abschließende Kamerabefahrung dokumentiert das Ergebnis und stellt sicher, dass der Kanal wieder dicht und funktionsfähig ist.

Der gesamte Prozess dauert je nach Schadensumfang oft nur einen Tag, bei größeren Projekten wenige Tage. Die Straße oder der Garten darüber bleibt dabei in der Regel vollständig erhalten.

Welche Vorteile hat die grabenlose Sanierung gegenüber offener Bauweise?

Die grabenlose Sanierung bietet gegenüber der offenen Bauweise entscheidende Vorteile: Sie ist schneller, kostengünstiger, verursacht weniger Lärm und Schmutz und schont Straßen, Gärten sowie die umliegende Infrastruktur erheblich.

Bei der offenen Bauweise müssen Straßenbeläge aufgebrochen, Erde ausgehoben und nach der Reparatur alles wieder verfüllt und versiegelt werden. Das kostet Zeit, erzeugt erhebliche Mengen an Aushub und bedeutet oft wochenlange Baustellen mit Verkehrsbehinderungen.

Die grabenlose Methode vermeidet all das. Die konkreten Vorteile im Überblick:

  • Geringere Kosten: Kein Straßenaufbruch, keine Wiederverfüllung, weniger Maschineneinsatz.
  • Kürzere Bauzeit: Sanierungen dauern oft nur Stunden statt Wochen.
  • Weniger Beeinträchtigungen: Anwohner, Verkehr und Gewerbebetriebe werden kaum gestört.
  • Schutz der Umgebung: Bäume, Bepflanzungen und Pflasterbeläge bleiben erhalten.
  • Langlebige Ergebnisse: Moderne Linersysteme sind auf eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten ausgelegt.
  • Weniger CO2: Weniger Schwermaschineneinsatz bedeutet auch eine bessere Ökobilanz.

Gerade in städtischen Bereichen, wo Tiefbauarbeiten den Alltag massiv beeinflussen können, ist die grabenlose Kanalsanierung heute die bevorzugte Methode für Kommunen, Netzbetreiber und private Auftraggeber.

Wie wir bei Bodenbender die grabenlose Kanalsanierung unterstützen

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren in der Kanalinstandhaltung tätig und begleiten Sanierungsprojekte als Systemanbieter, Hersteller und Partner. Unser Angebot richtet sich an Unternehmen, die grabenlose Sanierungen professionell und zuverlässig umsetzen wollen.

Was wir konkret anbieten:

  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte wie der PL®-Inliner, der PL®-PointLiner und der Airbagliner® decken die Bereiche Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung und Schachtsanierung ab.
  • Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen Fahrzeuge speziell für den Einsatz in der grabenlosen Kanalsanierung aus, auf oder um, von der Planung bis zur Übergabe.
  • Schulung und Wissenstransfer: Unsere Relining Academy vermittelt praxisnahes Know-how für den sicheren Umgang mit unseren Systemlösungen.
  • Persönliche Beratung: Unser Team steht dir als erfahrener Ansprechpartner zur Seite, von der Verfahrensauswahl bis zur Umsetzung.

Du möchtest mehr über unsere Leistungen und Partnerschaften erfahren oder direkt ein Projekt besprechen? Dann nimm jetzt Kontakt mit uns auf und lass uns gemeinsam die passende Lösung für dein Sanierungsvorhaben finden.

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