Grabenloses Kanalsanierungsrohr wird in dunkle Abwasserkanalöffnung eingeführt, Bodenquerschnitt und intakter Straßenbelag sichtbar.

Was ist grabenlose Kanalsanierung und wie funktioniert sie?

/ Anna Gerlach

Kanal- und Rohrsysteme altern, korrodieren und müssen irgendwann saniert werden. Früher bedeutete das fast immer: Straße aufreißen, Leitungen freilegen, wochenlang Baustelle. Heute geht das deutlich smarter. Die grabenlose Kanalsanierung hat sich als Standardverfahren etabliert, weil sie schneller, günstiger und schonender ist als die klassische offene Bauweise. In diesem Artikel beantwortest du alle wichtigen Fragen rund um das Thema.

Was ist grabenlose Kanalsanierung?

Grabenlose Kanalsanierung bezeichnet alle Verfahren, bei denen beschädigte oder veraltete Rohre und Kanäle von innen heraus saniert oder erneuert werden, ohne dass die Oberfläche großflächig aufgegraben werden muss. Der Eingriff erfolgt über kleine Zugangspunkte wie vorhandene Schächte oder minimal invasive Öffnungen.

Das Prinzip ist dabei denkbar einfach: Statt das defekte Rohr auszugraben und physisch zu ersetzen, wird es entweder von innen ausgekleidet, verstärkt oder durch ein neues Rohr ersetzt, das durch das alte hindurchgezogen wird. Die Technologie dafür hat sich seit den 1980er Jahren massiv weiterentwickelt und deckt heute ein breites Spektrum an Rohrdurchmessern, Materialien und Schadensbildern ab. Ob Hausanschluss, Hauptkanal oder Schacht: Für fast jeden Anwendungsfall gibt es heute ein passendes grabenloses Verfahren.

Warum ist grabenlose Kanalsanierung so wichtig?

Grabenlose Kanalsanierung ist so wichtig, weil die unterirdische Infrastruktur in vielen Ländern erheblich gealtert ist und dringend instand gehalten werden muss, ohne dabei den Alltag der Menschen über Gebühr zu stören. Undichte Kanäle verschmutzen Böden und Grundwasser, marode Rohre brechen zusammen und verursachen teure Folgeschäden.

In Deutschland wurden viele Kanalnetze in den 1950er bis 1970er Jahren gebaut. Diese Leitungen nähern sich dem Ende ihrer Nutzungsdauer oder haben es bereits überschritten. Gleichzeitig wächst der Druck: Städte und Gemeinden müssen ihre Netze sanieren, haben aber begrenzte Budgets und können den Verkehr oder die Versorgung nicht wochenlang unterbrechen. Grabenlose Verfahren lösen genau dieses Dilemma. Sie ermöglichen eine effiziente Sanierung bei minimalem Eingriff in die Umgebung.

Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Undichte Kanäle leiten Schmutzwasser ins Erdreich, was langfristig zu Grundwasserverschmutzung führt. Eine rechtzeitige, grabenlose Sanierung schützt also nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Umwelt.

Wie funktioniert grabenlose Kanalsanierung?

Bei der grabenlosen Kanalsanierung wird zunächst der Ist-Zustand des Rohres per Kamerainspektion erfasst. Anschließend wird das Rohr gereinigt und vorbereitet. Danach kommt das eigentliche Sanierungsverfahren zum Einsatz, bei dem ein neues Innenrohr oder eine Auskleidung eingebracht wird, ohne zu graben.

Der Ablauf lässt sich in drei Phasen gliedern:

  1. Inspektion und Diagnose: Eine Kamera fährt durch das Rohr und dokumentiert Schäden, Risse, Wurzeleinwüchse oder Verformungen. Auf Basis dieser Aufnahmen wird das geeignete Verfahren ausgewählt.
  2. Vorbereitung: Das Rohr wird mit Hochdruckspülung gereinigt. Starke Verformungen oder Hindernisse werden vorab mechanisch bearbeitet, damit das Sanierungsmaterial einwandfrei eingebracht werden kann.
  3. Sanierung: Je nach Verfahren wird ein mit Kunstharz getränkter Liner eingebracht, ein neues Rohr eingezogen oder eine Beschichtung aufgetragen. Nach der Aushärtung entsteht ein neues, tragfähiges Rohr im Rohr.

Der gesamte Prozess ist präzise steuerbar und kann durch moderne Sanierungstechnik auch in schwer zugänglichen oder stark belasteten Bereichen sicher durchgeführt werden.

Welche Verfahren der grabenlosen Kanalsanierung gibt es?

Die grabenlosen Sanierungsverfahren lassen sich grob in vier Kategorien einteilen: Inliner-Verfahren, Kurzliner- oder Partialverfahren, Rohreinzugsverfahren und Beschichtungsverfahren. Welches Verfahren passt, hängt vom Schadenstyp, dem Rohrdurchmesser und der Länge der zu sanierenden Strecke ab.

Inliner-Verfahren (Relining)

Beim Relining wird ein flexibler, mit Kunstharz getränkter Schlauch in das beschädigte Rohr eingebracht und dort aufgeblasen. Nach der Aushärtung des Harzes entsteht ein stabiles Innenrohr, das den Kanal vollständig auskleidet. Dieses Verfahren eignet sich besonders für längere Strecken mit flächigen Schäden.

Partielle Sanierung (Kurzliner)

Wenn nur einzelne Schadstellen im Rohr vorhanden sind, muss nicht die gesamte Strecke saniert werden. Kurzliner oder Hutprofile werden gezielt an der beschädigten Stelle positioniert und ausgehärtet. Das spart Material und Zeit erheblich.

Rohreinzug und Berstlining

Beim Rohreinzug wird ein neues Rohr durch das alte gezogen. Beim Berstlining wird das alte Rohr gleichzeitig aufgebrochen und das neue Rohr in einem Arbeitsgang eingebracht. Diese Verfahren eignen sich, wenn das vorhandene Rohr stark beschädigt oder zu klein dimensioniert ist.

Beschichtungsverfahren

Für Schächte und Sonderbauwerke kommen häufig Beschichtungen aus Mörtel oder Kunstharz zum Einsatz. Sie schützen die Innenwände vor Korrosion und dichten undichte Stellen ab, ohne strukturelle Eingriffe zu erfordern.

Alle diese Verfahren lassen sich auf speziell ausgebauten Sanierungsfahrzeugen einsetzen, die auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten sind.

Was sind die Vorteile gegenüber offener Bauweise?

Grabenlose Kanalsanierung ist gegenüber der offenen Bauweise in den meisten Fällen schneller, kostengünstiger und weniger belastend für Mensch und Umwelt. Straßen, Gehwege und Bepflanzungen bleiben weitgehend intakt, und der Eingriff in den laufenden Betrieb ist minimal.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Weniger Verkehrsbeeinträchtigung: Keine großflächigen Straßensperrungen, der Verkehr kann häufig aufrechterhalten werden.
  • Geringere Gesamtkosten: Weil Aufgrabung, Wiederherstellung der Oberfläche und Entsorgung von Aushub entfallen, sinken die Gesamtkosten deutlich.
  • Schnellere Fertigstellung: Viele grabenlose Verfahren sind innerhalb weniger Stunden oder Tage abgeschlossen, wo die offene Bauweise Wochen benötigen würde.
  • Schutz bestehender Infrastruktur: Kreuzende Leitungen, Kabel und Fundamente werden nicht gefährdet.
  • Ökologische Vorteile: Weniger Lärm, weniger Staub, geringerer CO2-Ausstoß durch kürzere Bauzeiten und weniger Maschinen.
  • Lange Lebensdauer: Moderne Liner und Beschichtungen haben eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten.

Natürlich gibt es Situationen, in denen die offene Bauweise unvermeidbar ist, zum Beispiel bei sehr starken Verformungen oder bei einem vollständigen Zusammenbruch des Rohres. Doch in der Praxis ist die grabenlose Variante in der großen Mehrheit der Fälle die bessere Wahl.

Wann ist grabenlose Kanalsanierung die richtige Wahl?

Grabenlose Kanalsanierung ist die richtige Wahl, wenn das Rohr noch ausreichend stabil ist, um als Grundlage für die Sanierung zu dienen, und wenn der Eingriff in die Umgebung minimiert werden soll. Sie eignet sich für Risse, Undichtigkeiten, Korrosion, Wurzeleinwüchse und leichte bis mittlere Verformungen.

Konkret empfiehlt sich ein grabenloses Verfahren in folgenden Situationen:

  • Das Rohr liegt unter einer stark befahrenen Straße oder unter Gebäuden.
  • Es befinden sich andere Leitungen oder Kabel in unmittelbarer Nähe, die nicht beschädigt werden dürfen.
  • Die Sanierung muss schnell abgeschlossen werden, weil der Kanal nur kurz außer Betrieb genommen werden kann.
  • Das Budget lässt eine teure Aufgrabung nicht zu.
  • Der Schaden ist lokalisiert und betrifft nur einzelne Stellen (dann: Partialverfahren).
  • Die Strecke ist lang und der Schaden flächig verteilt (dann: Relining).

Eine sorgfältige Kamerainspektion im Vorfeld ist dabei entscheidend. Erst wenn du weißt, was genau im Rohr los ist, kannst du das passende Verfahren auswählen und sicherstellen, dass die Sanierung dauerhaft hält.

Wie Bodenbender bei der grabenlosen Kanalsanierung unterstützt

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren im Bereich der grabenlosen Rohr- und Kanalsanierung tätig und haben uns als Systemanbieter und Hersteller etabliert. Unser Ziel ist es, dir als Anwender oder Unternehmen alles an die Hand zu geben, was du für eine professionelle, sichere und effiziente Kanalsanierung brauchst.

Das umfasst konkret:

  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte wie der PL®-Inliner, der PL®-PointLiner und der Airbagliner® stehen für höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards und decken Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung und Schachtsanierung ab.
  • Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen Fahrzeuge speziell für deine Anforderungen aus, um und nach deinen Vorgaben, von der Planung bis zur Übergabe.
  • Schulung und Weiterbildung: Die Relining Academy bietet praxisnahe Trainings, damit du und dein Team die Systemlösungen sicher und effektiv einsetzen könnt.
  • Persönliche Beratung: Wir begleiten dich von der Auswahl des richtigen Verfahrens bis zur erfolgreichen Umsetzung.

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