Roboter-Fräsarm mit Wolframschneidkopf im Einsatz in einem dunklen Untergrundkanal mit rissigen Betonwänden.

Was ist eine Roboterfräsung im Rohr und wann wird sie benötigt?

/ Anna Gerlach

Eine Roboterfräsung im Rohr ist ein mechanisches Verfahren, bei dem ein ferngesteuerter Fräsroboter gezielt Ablagerungen, Hindernisse oder Einragungen im Inneren einer Rohrleitung entfernt. Das Verfahren kommt zum Einsatz, wenn eine Spülung allein nicht ausreicht oder wenn nach einer Sanierung überstehende Materialien beseitigt werden müssen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um dieses Verfahren.

Wie funktioniert eine Roboterfräsung im Rohr?

Bei einer Roboterfräsung fährt ein kameragestützter Fräsroboter durch die Rohrleitung und bearbeitet mit einem rotierenden Fräskopf gezielt problematische Stellen. Der Operator steuert den Roboter von der Oberfläche aus per Kabelverbindung und überwacht den gesamten Prozess in Echtzeit per Kameraübertragung. Das Verfahren ist präzise, schonend für das Rohr und vollständig grabenlos.

Der Fräsroboter wird über einen Schacht in die Rohrleitung eingebracht. Über ein Steuergerät an der Oberfläche lässt sich der Fräskopf in verschiedene Richtungen bewegen, drehen und positionieren. Je nach Aufgabe kommen unterschiedliche Fräsköpfe zum Einsatz: Für harte Ablagerungen wie Kalkstein oder Beton eignen sich Hartmetallfräser, für weichere Materialien wie Wurzeln werden speziell geformte Schneidköpfe genutzt. Die Kamera liefert dabei kontinuierlich Bilder, sodass der Operator die Bearbeitung millimetergenau kontrollieren kann.

Wann ist eine Roboterfräsung notwendig?

Eine Roboterfräsung ist notwendig, wenn mechanische Hindernisse im Rohr vorliegen, die durch Hochdruckspülung nicht beseitigt werden können. Typische Anlässe sind eingewachsene Wurzeln, Kalkablagerungen, Betonreste, Scherbeneinragungen oder überstehende Reparaturmanschetten. Auch nach einer Inlinersanierung ist das Freifräsen von Anschlüssen häufig ein notwendiger Arbeitsschritt.

Konkret wird eine Roboterfräsung in folgenden Situationen eingesetzt:

  • Wurzeleinwuchs: Baumwurzeln dringen durch undichte Rohrverbindungen ein und blockieren den Querschnitt.
  • Inkrustationen: Kalk-, Fett- oder Betonablagerungen verengen das Rohr dauerhaft.
  • Einragende Scherben oder Muffen: Beschädigte Rohrverbindungen ragen in den Querschnitt und behindern den Abfluss.
  • Anschlusssanierung nach Inlining: Nach dem Einbau eines Liners müssen Hausanschlüsse wieder geöffnet werden.
  • Vorbereitung vor der Sanierung: Hindernisse müssen entfernt werden, bevor ein Sanierungsverfahren überhaupt angewendet werden kann.

Besonders in der grabenlosen Rohrsanierung ist die Roboterfräsung ein unverzichtbares Vorbereitungsverfahren, das die Qualität der nachfolgenden Sanierungsmaßnahme direkt beeinflusst.

Welche Rohrmaterialien und Nennweiten sind fräsbar?

Eine Roboterfräsung ist für eine Vielzahl von Rohrmaterialien geeignet, darunter Steinzeug, Beton, Gusseisen, PVC und Polyethylen. Fräsbar sind in der Regel Rohre ab einem Innendurchmesser von etwa DN 100 bis DN 600, wobei für größere Nennweiten entsprechend dimensionierte Robotersysteme eingesetzt werden.

Die Wahl des Fräskopfes richtet sich dabei immer nach dem Rohrmaterial und der Art des Hindernisses. Bei weicheren Kunststoffrohren ist besondere Sorgfalt gefragt, damit die Rohrwand nicht beschädigt wird. Erfahrene Operatoren passen Drehzahl, Vorschub und Anpressdruck kontinuierlich an die jeweiligen Bedingungen an. Für sehr enge Rohre unter DN 150 sind speziell kompakte Robotersysteme erforderlich, die dennoch ausreichend Fräsleistung mitbringen.

Was unterscheidet Roboterfräsung von Hochdruckspülung?

Der entscheidende Unterschied liegt im Wirkprinzip: Hochdruckspülung löst und transportiert weiche Ablagerungen durch Wasserstrahl, während Roboterfräsung mechanisch schneidet und fräst. Hochdruckspülung ist effektiv für Fett, Schlamm und lockere Sedimente, stößt aber bei harten oder fest verwachsenen Hindernissen an ihre Grenzen.

Beide Verfahren ergänzen sich in der Praxis häufig:

  • Hochdruckspülung wird als erste Maßnahme eingesetzt, um das Rohr zu reinigen und einen klaren Blick für die Kamerainspektion zu schaffen.
  • Roboterfräsung folgt, wenn die Inspektion Hindernisse aufdeckt, die durch Spülung nicht entfernt werden konnten.
  • Nach der Fräsung erfolgt häufig erneut eine Spülung, um das abgetragene Material auszuschwemmen.

Für eine nachhaltige Kanalinstandhaltung ist das Zusammenspiel beider Verfahren oft entscheidend für ein dauerhaft gutes Ergebnis.

Wie wird eine Roboterfräsung in die Kanalsanierung eingebunden?

Eine Roboterfräsung ist in der Regel kein eigenständiges Sanierungsverfahren, sondern Teil eines mehrstufigen Prozesses. Sie wird entweder als Vorbereitungsmaßnahme vor der eigentlichen Sanierung oder als Nachbearbeitungsschritt nach dem Einbau eines Liners eingesetzt.

Der typische Ablauf sieht so aus:

  1. TV-Inspektion: Eine Kamerabefahrung dokumentiert den Zustand der Leitung und identifiziert Hindernisse.
  2. Hochdruckspülung: Das Rohr wird gereinigt, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
  3. Roboterfräsung: Hartnäckige Hindernisse werden mechanisch entfernt.
  4. Erneute Inspektion: Der Erfolg der Fräsung wird per Kamera kontrolliert.
  5. Sanierungsmaßnahme: Je nach Schadenstyp folgt zum Beispiel ein Inlinerverfahren oder eine partielle Sanierung.
  6. Anschlussöffnung: Nach dem Einbau eines Liners werden Hausanschlüsse durch Fräsung wieder geöffnet.

Dieses strukturierte Vorgehen stellt sicher, dass die eigentliche Sanierungsmaßnahme unter optimalen Bedingungen durchgeführt wird und langfristig hält. Wer auf grabenlose Sanierungsverfahren setzt, profitiert davon, dass der gesamte Prozess ohne Aufgraben der Oberfläche abläuft.

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