Kanalinspektion-Kameraroboter mit gelbem Kabel steigt in offenen Kanalschacht auf nassem Stadtpflaster hinab.

Welche Anforderungen stellt die DIN EN 13508 an die Kanalinspektion?

/ Anna Gerlach

Die DIN EN 13508 legt europaweit einheitliche Anforderungen an die Zustandserfassung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden fest. Sie definiert, wie Kanäle und Leitungen inspiziert, bewertet und dokumentiert werden müssen, damit Ergebnisse vergleichbar und nachvollziehbar sind. Im Folgenden beantwortet dieser Artikel die wichtigsten Fragen rund um die Norm, ihr Kodiersystem und ihre praktische Anwendung bei der Kanalinspektion.

Welche Kanalbauteile deckt die DIN EN 13508 ab?

Die DIN EN 13508 deckt alle wesentlichen Bauteile öffentlicher und privater Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden ab. Dazu gehören Freispiegelleitungen, Druckleitungen, Schächte, Inspektionsöffnungen sowie Sonderbauwerke wie Düker oder Regenüberlaufbecken. Die Norm gilt sowohl für Schmutzwasser- und Regenwasserkanäle als auch für Mischwassersysteme.

Wichtig zu verstehen ist, dass die Norm ausdrücklich nicht für Entwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden gilt. Sobald eine Leitung das Gebäude verlässt und dem öffentlichen oder privaten Außenbereich zuzuordnen ist, greift die DIN EN 13508. Das betrifft Anschlussleitungen, Hauptsammler, Regenwasserkanäle und alle zugehörigen Bauwerke entlang des Entwässerungsnetzes.

Für die Praxis bedeutet das: Wer eine Kanalinspektion an einem Hausanschluss, einem Grundstücksentwässerungskanal oder einem kommunalen Sammler durchführt, arbeitet in aller Regel im Anwendungsbereich dieser Norm.

Wie ist die DIN EN 13508 in Teile gegliedert?

Die DIN EN 13508 ist in zwei Hauptteile gegliedert: Teil 1 regelt die allgemeinen Anforderungen an die Zustandserfassung, während Teil 2 das standardisierte Kodiersystem für die optische Inspektion durch Kamerabefahrung beschreibt. Beide Teile ergänzen sich und bilden gemeinsam das normative Fundament für eine regelkonforme Kanalinspektion.

  • DIN EN 13508-1: Allgemeine Anforderungen an Inspektion, Beurteilung und Dokumentation. Hier werden grundlegende Begriffe, Vorgehensweisen und Berichtsanforderungen definiert.
  • DIN EN 13508-2: Das eigentliche Kodiersystem für die optische Inspektion. Dieser Teil enthält alle Codes zur Beschreibung von Zustandsmerkmalen, Schäden und Besonderheiten, die bei einer Kamerabefahrung erfasst werden.

Ergänzend existieren nationale Anwendungsregeln, die in Deutschland durch das ISYBAU-Regelwerk und die DWA-Merkblätter konkretisiert werden. Die Norm selbst schafft den europäischen Rahmen, die nationalen Dokumente füllen ihn mit konkreten Vorgaben für die deutsche Praxis.

Was regelt das Kodiersystem der DIN EN 13508-2 genau?

Das Kodiersystem der DIN EN 13508-2 regelt die einheitliche Bezeichnung und Beschreibung aller bei einer optischen Kanalinspektion feststellbaren Zustandsmerkmale. Es weist jedem Befund einen standardisierten Code zu, sodass Inspektionsergebnisse unabhängig vom Ausführenden oder der eingesetzten Software vergleichbar und auswertbar sind.

Das System unterscheidet zwischen verschiedenen Kategorien von Zustandsmerkmalen:

  • Strukturelle Schäden: Risse, Brüche, Verformungen, Scherbenbildung oder fehlende Wandteile
  • Betriebliche Störungen: Ablagerungen, Hindernisse, Wurzeleinwuchs oder Fremdwassereintritte
  • Bauliche Besonderheiten: Anschlüsse, Reparaturstellen, Auskleidungen oder Inspektionsöffnungen
  • Schachtbefunde: Zustandsmerkmale an Schachthals, Konus, Schachtwandung und Schachtsohle

Jeder Code besteht aus einem Buchstaben für die Kategorie und einer Zahl für das spezifische Merkmal. Zusätzliche Quantifizierungsparameter ermöglichen es, Ausprägung und Ausmaß eines Befundes präzise zu beschreiben. Dieses strukturierte Vorgehen ist die Grundlage für jede nachfolgende Zustandsbewertung und Sanierungsplanung, zum Beispiel bei der Kanal Punktreparatur oder der Entscheidung für eine vollständige Relining-Maßnahme.

Welche Anforderungen stellt die Norm an die Inspektionsdokumentation?

Die DIN EN 13508 stellt klare Anforderungen an die vollständige und nachvollziehbare Dokumentation jeder Kanalinspektion. Der Inspektionsbericht muss alle erfassten Zustandsmerkmale mit ihren Codes, Positionen und Quantifizierungen enthalten, ergänzt durch Videomaterial und Standbilder als Nachweismittel.

Konkret verlangt die Norm folgende Bestandteile in der Dokumentation:

  1. Allgemeine Informationen zum Inspektionsobjekt (Lage, Dimension, Material, Baujahr, soweit bekannt)
  2. Angaben zur Inspektionsmethode und den eingesetzten Geräten
  3. Datum, Uhrzeit und Umgebungsbedingungen während der Inspektion
  4. Vollständige Liste aller kodierten Zustandsmerkmale mit Stationierungsangaben
  5. Videodokumentation der gesamten Befahrung
  6. Angaben zum Inspekteur und zur ausführenden Stelle

Besonders relevant ist die lückenlose Nachvollziehbarkeit: Ein Dritter muss anhand des Berichts in der Lage sein, jeden dokumentierten Befund eindeutig einer Stelle im Kanal zuzuordnen. Das ist nicht nur für die Sanierungsplanung wichtig, sondern auch für spätere Vergleichsinspektionen, mit denen der Erfolg einer Maßnahme bewertet wird.

Wie verhält sich die DIN EN 13508 zur DIN EN 752 und ISYBAU?

Die DIN EN 13508 und die DIN EN 752 sind eng verwandte, aber unterschiedliche Normen: Während die DIN EN 752 die Planung, den Bau und den Betrieb von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden regelt, konzentriert sich die DIN EN 13508 ausschließlich auf die Zustandserfassung durch Inspektion. ISYBAU ist kein Normwerk, sondern ein deutsches Regelwerk zur Datenverwaltung, das auf der DIN EN 13508 aufbaut.

Das Zusammenspiel der drei Regelwerke lässt sich so verstehen:

  • DIN EN 752 gibt den übergeordneten Rahmen für das gesamte Entwässerungssystem vor, einschließlich Anforderungen an Inspektion und Wartung als Teil des Betriebs.
  • DIN EN 13508 konkretisiert, wie die Inspektion technisch durchzuführen und zu dokumentieren ist.
  • ISYBAU definiert für die öffentliche Hand in Deutschland, wie Inspektionsdaten strukturiert zu erfassen, zu speichern und auszutauschen sind, und greift dabei auf die Codes der DIN EN 13508-2 zurück.

In der deutschen Praxis arbeiten Kommunen und Ingenieurbüros daher häufig gleichzeitig mit allen drei Regelwerken. Die DIN EN 13508 liefert die Inspektionscodes, ISYBAU strukturiert die Datenhaltung, und die DIN EN 752 rahmt die strategischen Entscheidungen zur Kanalinstandhaltung ein.

Wer muss die DIN EN 13508 bei der Kanalinspektion anwenden?

Die DIN EN 13508 muss grundsätzlich von allen angewendet werden, die professionelle Kanalinspektionen außerhalb von Gebäuden durchführen oder beauftragen. Das betrifft Kommunen und Abwasserverbände, Ingenieurbüros, Kanalsanierungsunternehmen sowie Betreiber privater Entwässerungsnetze, sofern eine normkonforme Dokumentation gefordert wird.

In der Praxis ergibt sich die Anwendungspflicht aus verschiedenen Quellen:

  • Gesetzliche Vorgaben: Landeswassergesetze und kommunale Satzungen schreiben häufig eine normkonforme Eigenüberwachung vor, die sich auf die DIN EN 13508 stützt.
  • Vertragliche Anforderungen: Öffentliche Auftraggeber verlangen in Leistungsverzeichnissen regelmäßig die Anwendung der Norm und ISYBAU-konforme Berichte.
  • Qualitätssicherung: Wer eine grabenlose Kanalsanierung plant, benötigt eine normkonforme Zustandserfassung als Planungsgrundlage.

Auch Grundstückseigentümer, die eine Kanalinspektion an privaten Leitungen in Auftrag geben, profitieren von der Norm: Ein normkonformer Bericht ist bei Schadensnachweisen, Versicherungsfällen oder der Vorbereitung einer Sanierung deutlich aussagekräftiger als eine formlose Befahrungsdokumentation.

Wie Bodenbender dich bei der normkonformen Kanalinspektion und Sanierung unterstützt

Wir bei Bodenbender begleiten dich von der ersten Zustandserfassung bis zur abgeschlossenen Sanierungsmaßnahme. Als Systemanbieter mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in der Kanalinstandhaltung kennen wir die Anforderungen der DIN EN 13508 aus der Praxis und wissen, worauf es bei einer professionellen Umsetzung ankommt.

Das bieten wir dir konkret:

  • Systemlösungen für jede Sanierungsaufgabe: Ob Langstreckensanierung, partielle Sanierung oder Kanalschacht sanieren mit unseren PL®-Inlinern, PL®-PointLinern und Airbagliner®-Systemen.
  • Schulung und Wissenstransfer: In unserer Relining Academy vermitteln wir dir den sicheren Umgang mit unseren Systemlösungen und das Hintergrundwissen für normkonforme Anwendungen.
  • Individuelle Beratung: Wir helfen dir dabei, auf Basis einer DIN EN 13508-konformen Inspektion die passende Sanierungsstrategie zu entwickeln, ob Punktreparatur, Inliner oder Schachtsanierung.
  • Fahrzeugausbau und Technik: Wir bauen Sanierungsfahrzeuge aus, auf oder um und begleiten den gesamten Prozess bis zur Übergabe des einsatzbereiten Fahrzeugs.

Du willst wissen, welche Lösung für dein Projekt die richtige ist? Nimm jetzt Kontakt mit uns auf und lass dich von unseren Experten beraten.

Ähnliche Artikel

Nach oben scrollen