Wenn eine Rohrleitung Risse, Undichtigkeiten oder strukturelle Schäden aufweist, muss das nicht automatisch bedeuten, dass die Straße aufgerissen wird. Das Inversionsverfahren – auch bekannt als Schlauchlining oder Inliner-Verfahren – ist eine der meistgenutzten Methoden der grabenlosen Kanalsanierung. Es ermöglicht die vollständige Sanierung von Rohren und Kanälen, ohne dass aufwendige Erdarbeiten notwendig sind. Wie das genau funktioniert, welche Materialien dabei zum Einsatz kommen und wann das Verfahren besonders sinnvoll ist, erfährst du hier.
Ablauf des Inversionsverfahrens Schritt für Schritt
Das Inversionsverfahren folgt einem klar definierten Ablauf, der trotz seiner technischen Präzision erstaunlich effizient umzusetzen ist. Im Kern wird ein mit Kunstharz getränkter Schlauch in das beschädigte Rohr eingebracht und dort ausgehärtet – so entsteht ein neues, tragfähiges Rohr im alten Rohr.
Der Prozess beginnt mit einer gründlichen Reinigung und TV-Inspektion des betroffenen Kanalabschnitts. Erst wenn das Innere des Rohres vollständig dokumentiert und von Ablagerungen befreit ist, kann der eigentliche Einbau starten. Der Inliner-Schlauch wird anschließend durch Wasser- oder Luftdruck von einem Einstiegspunkt aus in das Rohr invertiert – also von innen nach außen gestülpt. Dabei drückt sich der Schlauch gleichmäßig an die Rohrwandung.
Nach dem Einbringen folgt die Aushärtung. Je nach verwendetem System und Harz geschieht das durch Warmwasser, Dampf oder UV-Licht. Sobald das Harz vollständig ausgehärtet ist, wird der neue Inliner an den Anschlusspunkten geöffnet und der Abschnitt erneut per TV-Kamera inspiziert. Das Ergebnis: ein nahtloses, korrosionsbeständiges Rohr innerhalb des alten Kanalquerschnitts.
Materialien und Systemkomponenten im Überblick
Die Qualität eines Inliners hängt maßgeblich von den eingesetzten Materialien ab. Typischerweise besteht der Schlauch aus einem Trägermaterial – zum Beispiel Glasfaser, Polyester oder Nadelfilz – das mit einem duroplastischen Kunstharz, etwa Epoxidharz oder Polyesterharz, getränkt wird. Die Kombination aus Trägermaterial und Harz bestimmt die spätere Tragfähigkeit, Chemikalienbeständigkeit und Lebensdauer des sanierten Rohres.
Neben dem Schlauch selbst spielen die Systemkomponenten für den Einbau eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem Druckblasen, Kalibrierschläuche und spezielle Einbaugeräte, die eine gleichmäßige Anlage des Inliners an die Rohrwandung sicherstellen. Für partielle Schäden kommen kürzere Liner-Elemente – sogenannte Kurzliner oder Hutprofile – zum Einsatz, die gezielt nur den beschädigten Bereich abdecken. Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Techniken und Produkte der Kanalsanierung verschaffen möchte, findet dort eine breite Auswahl an Systemlösungen.
Einsatzbereiche: Wann das Inversionsverfahren sinnvoll ist
Das Inversionsverfahren ist besonders dann die richtige Wahl, wenn Rohre und Kanäle zwar strukturell geschwächt oder undicht sind, aber noch ausreichend Restquerschnitt für den Einbau eines Liners bieten. Es eignet sich für Haltungen unterschiedlicher Nennweiten – von der Hausanschlussleitung bis zum Großprofil-Kanal.
Typische Einsatzszenarien sind:
- Rohrleitungen mit Rissen, Scherbenbildung oder Rohrversatz
- Undichte Muffen und Verbindungen
- Korrodierte Abwasserleitungen aus Beton, Steinzeug oder Guss
- Leitungen unter Gebäuden, Straßen oder Gleisanlagen, bei denen eine offene Bauweise nicht infrage kommt
- Kanäle in Wasser- oder Naturschutzgebieten mit strengen Auflagen
Weniger geeignet ist das Verfahren bei stark deformierten Rohren oder wenn der Querschnitt durch Ablagerungen oder Einbrüche so stark reduziert ist, dass kein Schlauch mehr eingebracht werden kann. In solchen Fällen müssen zunächst vorbereitende Maßnahmen wie Fräsarbeiten erfolgen.
Vorteile gegenüber offener Bauweise und anderen Sanierungsverfahren
Der entscheidende Vorteil des Inversionsverfahrens liegt auf der Hand: Es entfallen tiefe Baugruben, Straßensperrungen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für Anwohner, Verkehr und Umwelt. Das spart Zeit, Kosten und Nerven – sowohl für Auftraggeber als auch für die Bevölkerung im betroffenen Bereich.
Im direkten Vergleich mit anderen grabenlosen Methoden punktet das Schlauchlining durch seine Vielseitigkeit. Es lässt sich in geraden Strecken ebenso einsetzen wie in leicht gekrümmten Leitungsabschnitten. Gegenüber dem Berstlining, das das alte Rohr aufsprengt und verdrängt, ist das Inversionsverfahren schonender für die Umgebung und angrenzende Leitungen. Gegenüber der Rohrrelining-Methode mit vorgefertigten Rohren ermöglicht es eine nahtlose, formschlüssige Auskleidung ohne Ringspalt.
Weitere Vorteile im Überblick:
- Kurze Bauzeiten und schnelle Wiederinbetriebnahme
- Keine Beeinträchtigung des Grundwassers durch offene Baugruben
- Langlebiges Ergebnis – Nutzungsdauern von 50 Jahren und mehr sind realistisch
- Geringere CO₂-Emissionen durch reduzierten Maschineneinsatz
- Erhalt der Tragfähigkeit von Fahrbahnen und Gehwegen
Qualitätssicherung und Normen beim Schlauchlining
Damit ein saniertes Rohr langfristig dicht und tragfähig bleibt, ist eine konsequente Qualitätssicherung unerlässlich. In Deutschland und Europa gelten für das Schlauchlining klar definierte Normen und Regelwerke, die den gesamten Prozess – von der Materialprüfung bis zur Abnahme – strukturieren.
Die zentrale europäische Norm für das Vor-Ort-Härten von Schlauchlinern ist die DIN EN ISO 11296-4. Sie legt Anforderungen an Materialien, mechanische Kennwerte und die Prüfverfahren fest. Ergänzt wird sie durch das DWA-Merkblatt M 143, das in Deutschland als technisches Regelwerk für die Sanierung von Entwässerungssystemen gilt und detaillierte Vorgaben für Planung, Ausführung und Qualitätskontrolle enthält.
Zur Qualitätssicherung gehören unter anderem:
- Prüfung der Harzmenge und gleichmäßigen Tränkung des Schlauchmaterials
- Überwachung der Aushärtetemperatur und -dauer
- Entnahme von Prüfkörpern zur Laboranalyse
- TV-Inspektion nach dem Einbau zur Dokumentation der Linerqualität
- Dichtheitsprüfung gemäß DIN EN 1610
Wer auf zertifizierte Systemlösungen und dokumentierte Prozesse setzt, ist auf der sicheren Seite. Eine fundierte Schulung der ausführenden Mitarbeiter ist dabei genauso wichtig wie das eingesetzte Material – denn selbst das beste Produkt entfaltet seine Stärken nur bei fachgerechtem Einbau. Mehr über Partnerleistungen und Schulungsangebote erfährst du bei uns.
So unterstützt Bodenbender beim Inversionsverfahren
Wir bei Bodenbender begleiten dich von der ersten Produktauswahl bis zur fertigen Sanierung – mit zertifizierten Systemlösungen, fundiertem Know-how und einem Team, das selbst jahrzehntelange Erfahrung in der Kanalsanierung mitbringt. Unsere Produkte und Dienstleistungen sind speziell auf die Anforderungen des Inversionsverfahrens abgestimmt:
- Bodenbender Inliner System: Zertifizierter Langstreckenliner für die vollflächige Rohrsanierung, geeignet für verschiedene Nennweiten und Harztypen
- Point-Liner® System: Kurzliner-Lösung für partielle Schäden, die präzise und materialeffizient eingesetzt wird
- AIRBAGLINER®: Innovatives System mit der AIRBAGLINER® Blase für eine gleichmäßige und kontrollierte Anlage des Liners
- PointHat: Bodenbender PointHat System für die Sanierung von Einläufen und Anschlussbereichen
- Relining Academy: Praxisnahe Schulungen für Anwender, damit dein Team sicher und normkonform arbeitet
- Fahrzeugausbau: Individuelle Sanierungsfahrzeuge, die auf deine Prozesse und Systemlösungen abgestimmt sind
Ob du als Kanalbauer, Netzbetreiber oder kommunaler Auftraggeber tätig bist – wir finden gemeinsam die passende Lösung für dein Projekt. Schau dir unser Produktportfolio an oder nimm direkt Kontakt zu uns auf – wir beraten dich gerne.
