Ein Schlauchliner wird nach dem Einbau durch gezielte Wärmezufuhr oder UV-Licht ausgehärtet, wodurch das im Liner enthaltene Kunstharz dauerhaft aushärtet und eine stabile, neue Rohrinnenwand bildet. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der Linertechnologie, dem Rohrdurchmesser und den Bedingungen vor Ort ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Aushärtung beim Schlauchlining.
Welche Aushärtungsverfahren gibt es für Schlauchliner?
Für die Aushärtung von Schlauchlinern gibt es drei etablierte Verfahren: UV-Licht, Dampf und Warmwasser. Alle drei Methoden aktivieren das im Liner eingebettete Kunstharz und bringen es zur Reaktion, sodass der flexible Schlauch zu einem festen, tragfähigen Rohr wird. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem Linermaterial, dem Rohrdurchmesser und der verfügbaren Ausrüstung.
- UV-Aushärtung: Ein UV-Lichtzug wird durch den eingebrachten Liner gezogen und härtet das lichtreaktive Harz von innen nach außen aus.
- Dampfaushärtung: Heißdampf wird in den Liner eingeleitet und erhitzt das Harz gleichmäßig, bis es vollständig ausgehärtet ist.
- Warmwasseraushärtung: Heißes Wasser zirkuliert im Liner und überträgt die Wärme auf das Harz, ähnlich wie beim Dampfverfahren.
Alle drei Verfahren sind in der Inliner-Technik bewährt und liefern bei fachgerechter Anwendung langlebige Ergebnisse. In der Praxis dominiert die UV-Aushärtung zunehmend, weil sie besonders schnell und kontrollierbar ist.
Wie funktioniert die UV-Aushärtung bei Schlauchlinern?
Bei der UV-Aushärtung enthält der Schlauchliner ein lichtreaktives Kunstharz, das erst durch ultraviolettes Licht aktiviert wird. Ein spezieller UV-Lichtzug, der mit mehreren Hochleistungslampen bestückt ist, wird mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durch den eingezogenen Liner gezogen. Das UV-Licht regt das Harz zur Polymerisation an, wodurch es von einem flexiblen Zustand in eine harte, belastbare Rohrstruktur übergeht.
Der Prozess ist präzise steuerbar: Die Vorschubgeschwindigkeit des Lichtzuges bestimmt, wie lange jeder Abschnitt des Liners dem UV-Licht ausgesetzt ist. Moderne Anlagen überwachen Temperatur, Lichtintensität und Vorschub in Echtzeit, sodass eine gleichmäßige Aushärtung über die gesamte Länge des Rohres sichergestellt wird. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz des Verfahrens: Da das Harz nur dort aushärtet, wo das Licht hinfällt, lässt sich der Prozess jederzeit unterbrechen oder anpassen.
Die UV-Aushärtung eignet sich besonders gut für glasfaserverstärkte Liner und ermöglicht sehr kurze Aushärtezeiten, was den Einsatz auf belebten Strecken deutlich vereinfacht.
Wie läuft die Dampf- und Warmwasseraushärtung ab?
Bei der Dampf- und Warmwasseraushärtung wird Wärme genutzt, um das im Schlauchliner enthaltene Kunstharz zur Reaktion zu bringen. Der eingezogene Liner wird dabei mit Heißdampf oder warmem Wasser befüllt, das eine definierte Temperatur erreichen muss, damit das Harz vollständig aushärtet. Die Wärme verteilt sich gleichmäßig über den gesamten Liner und sorgt für eine homogene Aushärtung.
Dampfaushärtung
Beim Dampfverfahren wird Sattdampf mit einer Temperatur von typischerweise 80 bis 130 Grad Celsius in den Liner eingeleitet. Der Dampf kondensiert an der Linerinnenwand und gibt dabei Wärme ab. Das Verfahren ist besonders für größere Durchmesser geeignet, da Dampf auch in langen Strecken eine gleichmäßige Temperaturverteilung ermöglicht. Die Aushärtezeit hängt von der Harzrezeptur und der Wandstärke des Liners ab.
Warmwasseraushärtung
Bei der Warmwasseraushärtung wird der Liner mit heißem Wasser gefüllt und unter Druck gesetzt. Das Wasser überträgt die Wärme direkt auf das Harz. Dieses Verfahren wird häufig bei kleineren Nennweiten eingesetzt und bietet den Vorteil, dass der Druck im Liner einfach kontrolliert werden kann. Nach der Aushärtung wird das Wasser abgelassen und der Liner ist einsatzbereit.
Was beeinflusst die Qualität der Aushärtung?
Die Qualität der Aushärtung eines Schlauchliners hängt von mehreren Faktoren ab, die bereits vor und während des Einbaus kontrolliert werden müssen. Entscheidend sind die Harzrezeptur, die Aushärtetemperatur oder UV-Intensität, die Aushärtezeit und die Wandstärke des Liners. Werden diese Parameter nicht eingehalten, kann das Harz unvollständig reagieren und die mechanische Belastbarkeit des sanierten Rohres leidet darunter.
- Harzrezeptur: Jedes Harz hat spezifische Anforderungen an Temperatur, Zeit und Lichtintensität. Abweichungen führen zu unvollständiger Vernetzung.
- Temperaturkontrolle: Zu niedrige Temperaturen verlangsamen die Reaktion, zu hohe können das Harz schädigen oder den Liner verformen.
- Wandstärke: Dickere Liner benötigen mehr Zeit oder Energie, damit die Wärme oder das UV-Licht den gesamten Querschnitt durchdringt.
- Lagerung des Liners: Lichtreaktive Harze müssen bis zum Einbau vor UV-Licht geschützt werden, wärmeaktivierte Harze bei kühlen Temperaturen gelagert werden.
- Vorbehandlung des Rohres: Ein sauber gereinigtes Rohr sorgt dafür, dass der Liner gleichmäßig anliegt und keine Lufteinschlüsse entstehen.
Die Einhaltung dieser Parameter ist kein Zufall, sondern das Ergebnis guter Planung und geschulter Ausführung. Zertifizierte Systemlösungen und regelmäßige Schulungen helfen dabei, die Qualität dauerhaft auf hohem Niveau zu halten.
Wie lange dauert die Aushärtung eines Schlauchliners?
Die Aushärtezeit eines Schlauchliners liegt je nach Verfahren und Rahmenbedingungen zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden. Die UV-Aushärtung ist dabei das schnellste Verfahren und benötigt für einen typischen Haltungsabschnitt oft nur 30 bis 90 Minuten. Dampf- und Warmwasseraushärtung dauern in der Regel länger, da das Harz erst nach Erreichen der Mindesttemperatur zu reagieren beginnt.
Folgende Faktoren beeinflussen die konkrete Aushärtezeit:
- Länge des sanierten Rohrabschnitts
- Nennweite und Wandstärke des Liners
- Harztyp und Katalysatoranteil
- Außentemperatur und Bedingungen im Rohr
- Leistung der eingesetzten UV-Anlage oder des Dampferzeugers
Bei der Inliner-Sanierung mit UV-Technik lässt sich die Aushärtezeit besonders gut planen, weil die Vorschubgeschwindigkeit des Lichtzuges direkt die Expositionszeit bestimmt. Das macht das Verfahren besonders attraktiv für Sanierungen, bei denen der Rohrabschnitt schnell wieder in Betrieb genommen werden muss.
Was passiert nach der Aushärtung des Schlauchliners?
Nach der Aushärtung wird der Schlauchliner an beiden Enden abgeschnitten und die Anschlussstellen werden freigelegt. Anschließend folgt eine Qualitätskontrolle per Kamerainspektion, bei der das sanierte Rohr auf Vollständigkeit der Aushärtung, gleichmäßige Wandstärke und korrekte Anschlüsse geprüft wird. Erst nach bestandener Inspektion gilt die Sanierung als abgeschlossen.
Die wichtigsten Schritte nach der Aushärtung im Überblick:
- Abschneiden der Liner-Enden: Überstehende Materialreste werden bündig mit dem Schachtbauwerk abgetrennt.
- Freifräsen der Zuläufe: Einmündende Leitungen, die während des Einbaus überdeckt wurden, werden mit einem Fräsroboter wieder geöffnet.
- Kamerainspektion: Eine TV-Befahrung dokumentiert den Zustand des sanierten Rohres und liefert den Nachweis für den Auftraggeber.
- Druckprüfung (optional): Bei Druckrohren oder auf Anforderung des Auftraggebers wird die Dichtheit des sanierten Abschnitts geprüft.
- Wiederinbetriebnahme: Das Rohr wird wieder für den Betrieb freigegeben.
Die Kamerainspektion ist ein zentraler Bestandteil jeder professionellen Inliner-Sanierung, denn sie schafft Transparenz und dokumentiert die erbrachte Leistung nachvollziehbar.
So unterstützt Bodenbender bei der Schlauchliner-Aushärtung
Wir bei Bodenbender begleiten den gesamten Prozess der Schlauchliner-Sanierung, von der Planung bis zur fertigen Dokumentation. Unsere zertifizierten Systemlösungen sind speziell auf die Anforderungen der grabenlosen Kanalsanierung abgestimmt und liefern reproduzierbare Ergebnisse. Konkret unterstützen wir dich mit:
- AIRBAGLINER® System: Unser bewährtes System für die partielle Sanierung, das schnell eingebaut und zuverlässig ausgehärtet wird.
- Point-Liner® System: Die Lösung für punktuelle Schäden, die präzise eingesetzt und kontrolliert ausgehärtet werden kann.
- Bodenbender Inliner System: Für die Langstreckensanierung, kompatibel mit UV- und Wärmeaushärtung.
- Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen Fahrzeuge aus, auf oder um, die genau auf deine Ausrüstung und dein Verfahren abgestimmt sind.
- Relining Academy: Schulungen für Anwender, damit die Aushärtung immer fachgerecht und sicher abläuft.
Du möchtest wissen, welche Systemlösung am besten zu deinen Projekten passt? Nimm Kontakt auf und wir beraten dich persönlich.
