Rohre mit starker Verformung lassen sich oft noch mit einem Inliner sanieren – aber nicht immer. Ob eine Inliner-Rohrsanierung möglich ist, hängt entscheidend vom Grad der Verformung ab: Bis zu einem bestimmten Schwellenwert kann ein flexibler Liner eingebracht und ausgehärtet werden, darüber hinaus scheidet diese Methode in der Regel aus. Die folgenden Fragen klären, wann ein Inliner noch funktioniert, wie du den Verformungsgrad bestimmst und welche Alternativen dir offenstehen.
Ab welchem Verformungsgrad ist ein Inliner nicht mehr einsetzbar?
Als Faustregel gilt: Bei einer Querschnittsverformung von mehr als 30 Prozent des ursprünglichen Rohrdurchmessers ist eine Inliner-Sanierung in der Regel nicht mehr sicher durchführbar. Unterhalb dieser Grenze lässt sich ein flexibler Liner in den meisten Fällen noch einbringen und fachgerecht aushärten, ohne dass es zu Faltenbildung oder unvollständiger Anlage kommt.
Dieser Grenzwert ist jedoch kein absolutes Gesetz. Entscheidend sind neben dem prozentualen Verformungsgrad auch die Art der Verformung, die Lage im Rohr und der eingesetzte Inliner-Typ. Eine gleichmäßige, ovale Verformung über eine längere Strecke verhält sich anders als eine lokale Eindrückung durch Wurzeleinwuchs oder Erdlast. Außerdem spielt der Rohrdurchmesser eine Rolle: Bei größeren Nennweiten tolerieren manche Systeme etwas mehr Abweichung als bei kleinen Hausanschlussleitungen.
Für die grabenlose Rohrsanierung gilt grundsätzlich: Je früher ein Schaden erkannt und bewertet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Inliner-Lösung noch infrage kommt.
Wie wird der Verformungsgrad eines Rohres gemessen?
Der Verformungsgrad wird mithilfe einer Rohrkamera-Inspektion ermittelt. Eine kalibrierte Kamera fährt durch das Rohr und liefert Bilddaten, aus denen sich der tatsächliche Querschnitt mit dem Nennquerschnitt vergleichen lässt. Moderne Systeme arbeiten mit Laserprofilmessung oder 360-Grad-Scan-Technik, um präzise Messwerte zu erhalten.
Das Ergebnis der Kamerabefahrung wird in einem Zustandsbericht dokumentiert, der den Verformungsgrad in Prozent angibt und die genaue Position des Schadens im Rohr beschreibt. Dieser Bericht ist die Grundlage für jede weitere Sanierungsentscheidung. Ohne eine solche Bestandsaufnahme lässt sich nicht zuverlässig beurteilen, ob eine Inliner-Rohrsanierung technisch möglich ist.
Ergänzend zur Kamerainspektion kann eine Hochdruckreinigung des Rohres sinnvoll sein, bevor gemessen wird. Ablagerungen, Fettschichten oder Verstopfungen im Rohr können das Kamerabild verfälschen und den tatsächlichen Querschnitt schlechter erscheinen lassen, als er ist.
Welche Inliner-Typen kommen bei verformten Rohren infrage?
Bei verformten Rohren kommen vor allem flexible Schlauchliner aus Glasfaser- oder Filzgewebe infrage, die vor dem Einbringen weich und anpassungsfähig sind. Nach dem Aushärten durch UV-Licht, Heißwasser oder Dampf legen sie sich eng an die vorhandene Rohrinnenwand an und bilden ein neues, stabiles Rohr im Rohr.
Langstreckenliner für großflächige Verformungen
Wenn eine Verformung über eine längere Rohrstrecke verteilt ist, wird häufig ein Langstreckenliner eingesetzt. Dieser wird als Schlauch in das Rohr eingezogen oder invertiert und passt sich dabei dem vorhandenen Querschnitt an. Voraussetzung ist, dass die Verformung gleichmäßig genug ist, damit der Liner ohne Falten anliegt.
Partielle Liner für lokale Schadstellen
Bei punktuellen Verformungen oder lokalen Rohrschäden an der Abwasserleitung ist ein partieller Inliner, auch Punktsanierung oder PointLiner genannt, die gezieltere Wahl. Er wird nur im Bereich der Schadstelle eingesetzt und ausgehärtet, was Zeit und Kosten spart. Diese Methode eignet sich besonders dann, wenn der Rest der Leitung noch in gutem Zustand ist.
Was passiert, wenn man ein zu stark verformtes Rohr dennoch mit einem Inliner saniert?
Wird ein Inliner in ein zu stark verformtes Rohr eingebracht, drohen ernsthafte Qualitätsmängel: Der Liner faltet sich, liegt nicht vollflächig an der Rohrwand an oder reißt beim Aushärtevorgang. Das Ergebnis ist ein instabiles, undichtes Innenrohr, das die Funktion der Abwasserleitung nicht dauerhaft sicherstellt.
Im schlimmsten Fall kann ein fehlerhaft eingebrachter Liner zu Ablagerungen und erneuten Verstopfungen führen, weil unebene Stellen im Inneren Feststoffe zurückhalten. Auch eine spätere Nachsanierung wird deutlich aufwendiger und teurer, wenn ein missglückter Liner erst entfernt werden muss. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es daher sinnvoller, vor der Sanierung eine ehrliche Zustandsbewertung durchzuführen und gegebenenfalls eine alternative Methode zu wählen.
Welche Alternativen gibt es, wenn eine Inliner-Sanierung nicht möglich ist?
Wenn eine Inliner-Rohrsanierung wegen zu starker Verformung ausscheidet, stehen je nach Schadensbild und Rohrsystem weitere grabenlose Verfahren zur Verfügung. Die wichtigsten Alternativen sind:
- Berstlining: Das alte, stark verformte Rohr wird durch einen Berstkopf aufgebrochen und gleichzeitig durch ein neues Rohr ersetzt – vollständig grabenlos.
- Rohrpressung oder Rohrvortrieb: Ein neues Rohr wird neben oder anstelle der alten Leitung eingepresst, ohne dass eine Baugrube notwendig ist.
- Schachtsanierung: Wenn die Verformung im Bereich eines Schachts liegt, kann dieser separat saniert werden, ohne die gesamte Leitung anzugehen.
- Offene Bauweise: In Ausnahmefällen, etwa bei sehr starker Beschädigung oder ungünstiger Lage, bleibt die klassische Methode mit Aufgraben die einzig sinnvolle Option.
Welche Alternative die richtige ist, hängt von Rohrmaterial, Nennweite, Tiefe, Zugänglichkeit und dem Gesamtzustand der Leitung ab. Eine fundierte Inspektion ist auch hier die Grundlage jeder Entscheidung.
Kann Fräsen vor der Sanierung eine Inliner-Lösung doch noch ermöglichen?
Ja, in bestimmten Fällen kann ein gezielter Fräseinsatz vor der Inliner-Rohrsanierung den Weg freimachen. Wenn die Verformung durch eingewachsene Wurzeln, einragende Scherben oder abgebrochene Rohrteile verursacht wird, lassen sich diese Hindernisse mit einem Roboterfräser entfernen. Danach kann der Querschnitt wieder ausreichend rund sein, um einen Liner sicher einzubringen.
Wichtig ist dabei, dass das Fräsen keine Lösung für strukturelle Verformungen durch Erdlast oder Materialermüdung ist. Wenn das Rohr durch äußeren Druck dauerhaft eingedrückt wurde, bleibt die Verformung auch nach dem Fräsen bestehen. In solchen Fällen hilft das Fräsen allein nicht weiter.
Sinnvoll ist das Fräsen also vor allem als vorbereitende Maßnahme, wenn punktuelle Hindernisse den Querschnitt einengen, die Rohrstruktur selbst aber noch tragfähig ist. Nach dem Fräsen sollte eine erneute Kamerabefahrung zeigen, ob der verbleibende Querschnitt eine Inliner-Sanierung nun zulässt. In Kombination mit einer partiellen Sanierung lässt sich so oft noch eine grabenlose Lösung realisieren.
So unterstützt Bodenbender dich bei der Sanierung verformter Rohre
Wenn du vor der Frage stehst, ob dein verformtes Rohr noch mit einem Inliner saniert werden kann, sind wir der richtige Ansprechpartner. Als Systemanbieter mit jahrzehntelanger Erfahrung in der grabenlosen Rohr- und Kanalsanierung unterstützen wir dich mit dem nötigen Know-how und den passenden Produkten:
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- Fachliche Beratung: Wir helfen dir dabei, einzuschätzen, welches Verfahren für dein konkretes Schadensbild geeignet ist und ob vorbereitende Maßnahmen wie Fräsen sinnvoll sind.
- Schulungen und Wissenstransfer: Über unsere Relining Academy vermitteln wir praxisnahes Wissen zum sicheren Umgang mit unseren Sanierungssystemen.
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Du bist dir nicht sicher, ob dein Rohrschaden mit einem Inliner behoben werden kann? Nimm jetzt Kontakt auf und wir schauen uns gemeinsam an, welche Lösung für dich die richtige ist.
