Rohrsanierungsspezialist hockt an einer freigelegten Rohrverzweigung unter einem Mehrfamilienhaus, Harzbeschichtungsausrüstung und Inspektionskamera in Reichweite.

Wie unterscheidet sich die Rohrsanierung im Mehrfamilienhaus vom Einfamilienhaus?

/ Anna Gerlach

Die Rohrsanierung im Mehrfamilienhaus unterscheidet sich vom Einfamilienhaus vor allem durch die Komplexität der Leitungsstruktur, den höheren Koordinationsaufwand und die rechtliche Dimension der Kostenteilung. Während im Einfamilienhaus eine einzelne Partei alle Entscheidungen trifft, sind im Mehrfamilienhaus Eigentümergemeinschaften, Verwalter und mehrere Mietparteien beteiligt. Die folgenden Fragen beleuchten die wichtigsten Unterschiede im Detail.

Welche Leitungen sind im Mehrfamilienhaus überhaupt betroffen?

Im Mehrfamilienhaus sind bei einer Rohrsanierung typischerweise sowohl die Hauptsammelleitungen im Keller als auch die Steigleitungen innerhalb der einzelnen Wohneinheiten betroffen. Hinzu kommen Hausanschlussleitungen, die das Gebäude mit dem öffentlichen Kanalnetz verbinden. Die Gesamtlänge der zu sanierenden Leitungen ist deutlich größer als im Einfamilienhaus.

Konkret unterscheidet man im Mehrfamilienhaus zwischen drei Leitungsebenen:

  • Grundleitungen und Hauptsammler: Diese verlaufen im oder unter dem Keller und sammeln alle Abwässer des Gebäudes. Sie sind oft die ersten, die durch Korrosion, Wurzeleinwuchs oder Ablagerungen in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Steigleitungen: Senkrechte Leitungen, die durch mehrere Stockwerke führen und die einzelnen Wohneinheiten anschließen. Bei einem sechsstöckigen Gebäude können diese Leitungen schnell zehn Meter und mehr lang sein.
  • Einzelzuleitungen in den Wohnungen: Horizontale Leitungen innerhalb der Wohnung, die Küche, Bad und WC an die Steigleitung anschließen.

Im Einfamilienhaus gibt es in der Regel nur eine Hauptleitung und kurze Zuleitungen. Das macht die Schadenserfassung deutlich überschaubarer. Im Mehrfamilienhaus empfiehlt sich deshalb vor jeder Sanierung eine vollständige Kamerabefahrung aller relevanten Leitungsabschnitte, um Schadensbilder gezielt zu lokalisieren und das richtige Verfahren auszuwählen.

Warum ist die Koordination im Mehrfamilienhaus aufwendiger?

Die Koordination im Mehrfamilienhaus ist aufwendiger, weil mehrere Parteien gleichzeitig betroffen sind und die Arbeiten nicht einfach ohne Absprache durchgeführt werden können. Jede Wohneinheit, die an eine betroffene Leitung angeschlossen ist, muss während der Sanierung auf die Nutzung von Wasser und Sanitäranlagen verzichten. Das erfordert eine sorgfältige Terminplanung und frühzeitige Kommunikation.

Zu den typischen Koordinationsaufgaben gehören:

  • Abstimmung mit Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft über Zeitplan und Umfang
  • Benachrichtigung aller Mietparteien mit ausreichend Vorlauf
  • Sicherstellung von Ausweichmöglichkeiten für Sanitäranlagen während der Sperrzeit
  • Zugänglichkeit zu allen Wohnungen für Inspektions- und Sanierungsarbeiten
  • Dokumentation der Maßnahmen für rechtliche und versicherungstechnische Zwecke

Im Einfamilienhaus entscheidet der Eigentümer allein und kann den Termin flexibel wählen. Im Mehrfamilienhaus sind dagegen Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft notwendig, wenn es sich um Gemeinschaftseigentum handelt. Dieser Prozess kann Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen, bevor die eigentliche grabenlose Rohrsanierung beginnen kann.

Welche Sanierungsverfahren eignen sich für welchen Gebäudetyp?

Für das Einfamilienhaus eignen sich häufig partielle Sanierungsverfahren, wenn der Schaden auf einen bestimmten Abschnitt begrenzt ist. Im Mehrfamilienhaus mit längeren und verzweigteren Leitungsnetzen kommen dagegen häufiger Langstreckensanierungen oder eine Kombination mehrerer Verfahren zum Einsatz. Die Wahl des Verfahrens hängt immer vom konkreten Schadensbild und der Leitungsgeometrie ab.

Partielle Rohrsanierung für lokale Schäden

Bei lokal begrenzten Schäden wie Rissen, Scherbenbrüchen oder kleinen Undichtigkeiten ist die partielle Rohrsanierung die effizienteste Lösung. Ein sogenannter Inliner wird gezielt an der Schadstelle eingebaut und ausgehärtet. Dieses Verfahren lässt sich sowohl im Einfamilienhaus als auch im Mehrfamilienhaus einsetzen, ist aber besonders wirtschaftlich, wenn nur einzelne Abschnitte betroffen sind.

Inliner Rohrsanierung für längere Strecken

Die Inliner Rohrsanierung, auch Schlauchlinertechnologie genannt, eignet sich für längere Rohrabschnitte und bietet eine besonders langlebige Lösung. Dabei wird ein mit Kunstharz getränkter Schlauch in die bestehende Leitung eingebracht und von innen ausgehärtet. Im Mehrfamilienhaus ist dieses Verfahren ideal für Hauptsammelleitungen und Steigleitungen, da es ohne Aufgraben auskommt und den Betrieb im Gebäude nur kurz unterbricht. Weitere Informationen zu den verfügbaren Systemlösungen und Produkten findest du auf unserer Website.

Wer trägt die Kosten bei der Sanierung im Mehrfamilienhaus?

Bei der Rohrsanierung im Mehrfamilienhaus hängt die Kostentragung davon ab, ob es sich um Gemeinschaftseigentum oder Sondereigentum handelt. Leitungen, die mehreren Wohneinheiten dienen, gelten in der Regel als Gemeinschaftseigentum und werden über die Eigentümergemeinschaft finanziert. Leitungen innerhalb einer einzelnen Wohnung fallen hingegen in die Verantwortung des jeweiligen Eigentümers oder Mieters.

Im Einfamilienhaus trägt der Eigentümer alle Kosten allein. Im Mehrfamilienhaus ist die Rechtslage komplexer:

  • Grundleitungen und Hauptsammler gehören zum Gemeinschaftseigentum und werden anteilig von allen Eigentümern finanziert.
  • Steigleitungen sind häufig ebenfalls Gemeinschaftseigentum, auch wenn sie durch eine einzelne Wohnung verlaufen.
  • Leitungen innerhalb der Wohnung sind Sondereigentum und liegen in der Verantwortung des jeweiligen Eigentümers.
  • Mieter tragen keine direkten Sanierungskosten, können aber durch eine vorübergehende Mietminderung betroffen sein.

Im Streitfall empfiehlt sich eine rechtliche Beratung, da die genaue Abgrenzung zwischen Gemeinschafts- und Sondereigentum in der Praxis nicht immer eindeutig ist. Eine gute Dokumentation der Schadensursache und des Sanierungsumfangs ist in jedem Fall wichtig.

Wie lange dauert eine Rohrsanierung je nach Gebäudegröße?

Eine Rohrsanierung im Einfamilienhaus dauert bei einfachen Schäden oft nur wenige Stunden bis zu einem Tag. Im Mehrfamilienhaus ist mit mehreren Tagen zu rechnen, abhängig von der Anzahl der betroffenen Leitungsabschnitte, der Gebäudegröße und dem gewählten Verfahren. Grabenlose Verfahren verkürzen die Dauer erheblich im Vergleich zur offenen Bauweise.

Als grobe Orientierung gelten folgende Zeitrahmen:

  • Einfamilienhaus, partielle Sanierung: 2 bis 8 Stunden je nach Schadensumfang
  • Einfamilienhaus, Inliner Rohrsanierung einer Hauptleitung: 1 bis 2 Tage inklusive Aushärtezeit
  • Mehrfamilienhaus mit 6 bis 12 Einheiten: 2 bis 5 Tage, je nach Leitungslänge und Anzahl der Steigleitungen
  • Größeres Mehrfamilienhaus oder Wohnkomplex: 1 bis 2 Wochen, bei abschnittsweiser Sanierung auch gestreckt über mehrere Wochen

Ein wichtiger Faktor ist die Aushärtezeit des Harzes beim Inliner-Verfahren. Diese beträgt je nach Produkt und Verfahren mehrere Stunden und bestimmt, wann die Leitung wieder in Betrieb genommen werden kann. Bei der Planung im Mehrfamilienhaus sollte dieser Zeitpuffer immer einkalkuliert werden, um die Beeinträchtigungen für die Bewohner so gering wie möglich zu halten.

Wie Bodenbender bei der Rohrsanierung unterstützt

Ob Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus: Wir bei Bodenbender bieten dir als ausführendem Unternehmen oder Planer die passenden Systemlösungen für jede Situation. Als erfahrener Hersteller und Systemanbieter in der grabenlosen Rohr- und Kanalsanierung stellen wir dir zertifizierte Produkte und umfassendes Know-how zur Verfügung.

Das bieten wir dir konkret:

  • PL®-Inliner und PL®-PointLiner für partielle und langstreckige Rohrsanierungen in unterschiedlichen Nennweiten
  • Airbagliner® für die effiziente Sanierung von Hausanschlussleitungen und Abzweigen
  • Schulungen in der Relining Academy, damit dein Team die Systemlösungen sicher und korrekt anwendet
  • Individuelle Beratung zu Verfahrenswahl, Materialauswahl und Einsatzplanung
  • Technischer Support während des gesamten Sanierungsprozesses

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