Bei der Prüfung von Schlauchlinern sind vor allem drei Kennwerte entscheidend: die Zugfestigkeit (ermittelt im Kurzzeitzugversuch), die Biegesteifigkeit sowie die Wanddicke des ausgehärteten Liners. Diese Werte bestimmen, ob ein Schlauchliner die mechanischen und hydraulischen Anforderungen im sanierten Rohr dauerhaft erfüllt. Die folgenden Abschnitte erklären, was hinter jedem Kennwert steckt und wann zusätzliche Prüfungen nötig werden.
Welche Normen regeln die Prüfung von Schlauchlinern?
Die Prüfung von Schlauchlinern wird in Deutschland und Europa vor allem durch die Norm DIN EN ISO 11296-4 geregelt, die speziell für Schlauchlining-Verfahren zur Sanierung von drucklosen Entwässerungssystemen gilt. Ergänzend dazu definiert die DIN EN 13566-4 Anforderungen an Materialien und Einbauverfahren. Diese Normen legen fest, welche Kennwerte geprüft werden müssen und welche Mindestanforderungen gelten.
Für die Praxis bedeutet das: Hersteller und Verarbeiter müssen ihre Produkte nach klar definierten Prüfverfahren testen und die Ergebnisse dokumentieren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass ein Schlauchliner die statischen und hydraulischen Anforderungen des jeweiligen Einsatzbereichs tatsächlich erfüllt. Kommunen und Auftraggeber verlangen zunehmend den Nachweis normkonformer Prüfungen als Voraussetzung für die Zulassung eines Schlauchliner-Verfahrens.
Neben den europäischen Normen spielen in Deutschland auch die Merkblätter der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) eine wichtige Rolle. Sie konkretisieren die Normanforderungen für die Praxis und geben Empfehlungen für Planung, Einbau und Qualitätssicherung bei der Inliner-Sanierung.
Was sagt der Kurzzeitzugversuch über einen Schlauchliner aus?
Der Kurzzeitzugversuch gibt Auskunft über die Zugfestigkeit und den Elastizitätsmodul (E-Modul) des ausgehärteten Schlauchliners. Dabei wird ein Probestreifen des Linermaterials mit definierter Geschwindigkeit gedehnt, bis er reißt. Die gemessenen Werte zeigen, wie viel Zugkraft das Material aufnehmen kann und wie steif es dabei reagiert.
Diese Kennwerte sind für die statische Berechnung des Liners unverzichtbar. Der E-Modul fließt direkt in die Berechnung der erforderlichen Wanddicke ein und bestimmt, ob der Liner in der Lage ist, äußerem Erddruck, Verkehrslasten und möglichem Grundwasserdruck standzuhalten. Ein zu niedriger E-Modul bedeutet, dass der Liner unter Last zu stark nachgibt und langfristig versagen könnte.
Wichtig zu wissen: Der Kurzzeitzugversuch bildet nur das Kurzzeitverhalten des Materials ab. Für die Langzeitbetrachtung werden zusätzliche Kriechversuche durchgeführt, die zeigen, wie sich der Liner über viele Jahre unter dauerhafter Belastung verhält. Beide Werte zusammen ergeben ein realistisches Bild der mechanischen Leistungsfähigkeit eines Schlauchliners im Betrieb.
Wie wird die Biegesteifigkeit eines Schlauchliners gemessen?
Die Biegesteifigkeit eines Schlauchliners wird nach DIN EN ISO 178 im Drei-Punkt-Biegeversuch ermittelt. Dabei wird ein Probekörper des ausgehärteten Linermaterials auf zwei Auflagerpunkten gelagert und mittig mit einer definierten Kraft belastet. Aus der gemessenen Durchbiegung und der aufgewendeten Kraft lässt sich der Biege-E-Modul berechnen.
Die Biegesteifigkeit ist einer der wichtigsten Kennwerte bei der Rohrsanierung per Inliner-Technik, weil sie direkt mit der Tragfähigkeit des sanierten Rohres zusammenhängt. Ein Liner mit hoher Biegesteifigkeit widersteht äußerem Druck besser und verformt sich unter Last weniger. Das ist besonders dann relevant, wenn das Altrohr stark geschädigt ist und der Liner die statische Funktion weitgehend selbst übernehmen muss.
In der Praxis der Rohrsanierung mit Inlinern unterscheidet man zwischen zwei Sanierungszielen:
- Renovierung: Der Liner wirkt gemeinsam mit dem noch tragfähigen Altrohr. Hier sind die Anforderungen an die Biegesteifigkeit geringer.
- Erneuerung: Der Liner übernimmt die volle statische Last allein. Hier sind deutlich höhere Biegesteifigkeiten gefordert.
Welches Ziel verfolgt wird, legt der Planer auf Basis einer Zustandserfassung des Altrohrs fest. Die erforderliche Biegesteifigkeit ergibt sich dann aus der statischen Berechnung nach den geltenden Normen.
Welche Rolle spielt die Wanddicke bei der Schlauchlinerprüfung?
Die Wanddicke des ausgehärteten Schlauchliners ist ein zentraler Prüfparameter, weil sie maßgeblich die statische Tragfähigkeit bestimmt. Sie wird nach dem Einbau an mehreren Stellen des Liners gemessen und muss die in der statischen Berechnung festgelegte Mindestdicke einhalten. Abweichungen nach unten können die Standsicherheit des sanierten Rohres gefährden.
Die erforderliche Wanddicke wird vor dem Einbau auf Basis mehrerer Faktoren berechnet:
- Rohrdurchmesser und Rohrform
- Überdeckungshöhe und Verkehrsbelastung
- Grundwasserstand
- Zustand des Altrohrs (Renovierung oder Erneuerung)
- Mechanische Kennwerte des Linermaterials (E-Modul, Biegesteifigkeit)
Bei der Prüfung wird die tatsächlich erzielte Wanddicke mit dem Sollwert verglichen. Liegt sie darunter, muss der Einbau bewertet und gegebenenfalls nachgebessert werden. Liegt sie darüber, ist das in der Regel unkritisch, kann aber auf einen erhöhten Materialverbrauch hinweisen. Für die Qualitätssicherung bei der Kanalsanierung ist die Wanddickenmessung daher ein unverzichtbarer Schritt.
Wann reichen Werksprüfungen nicht aus, und was kommt dann?
Werksprüfungen, also die Prüfungen, die der Hersteller des Schlauchliners im eigenen Labor durchführt, reichen dann nicht aus, wenn projektspezifische Besonderheiten vorliegen oder wenn der Auftraggeber einen unabhängigen Nachweis der Produktqualität verlangt. In solchen Fällen kommen Fremdüberwachungen und Eignungsprüfungen durch akkreditierte Prüfinstitute zum Einsatz.
Typische Situationen, in denen Werksprüfungen allein nicht genügen:
- Öffentliche Auftraggeber verlangen eine Zertifizierung durch eine unabhängige Stelle
- Der Liner wird unter ungewöhnlichen Bedingungen eingebaut (z. B. sehr große Durchmesser, hohe Grundwasserstände)
- Es handelt sich um eine sicherheitsrelevante Infrastruktur mit erhöhten Anforderungen
- Die Baustoffe oder das Mischungsverhältnis des Harzsystems weichen vom Standard ab
In diesen Fällen führen akkreditierte Prüflabore sogenannte Eignungsprüfungen durch, bei denen das Material unter projektnahen Bedingungen getestet wird. Zusätzlich kann eine baubegleitende Qualitätssicherung (BQS) vereinbart werden, bei der ein unabhängiger Prüfer den gesamten Einbauprozess überwacht und Proben direkt auf der Baustelle entnimmt.
Diese zusätzlichen Prüfmaßnahmen erhöhen zwar den Aufwand, geben aber allen Beteiligten die Sicherheit, dass der eingebaute Schlauchliner tatsächlich die berechneten Eigenschaften besitzt und langfristig funktioniert.
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