Die Kanalsanierung muss nicht immer mit aufwendigen Erdarbeiten verbunden sein. Das Berstlining-Verfahren ist eine der bekanntesten Methoden der grabenlosen Kanalsanierung und ermöglicht es, marode Rohrleitungen zu ersetzen, ohne die Straße großflächig aufzureißen. In diesem Artikel erfährst du, wie das Verfahren funktioniert, wann es sinnvoll ist und was es kostet.
Was ist das Berstlining-Verfahren?
Das Berstlining-Verfahren ist eine grabenlose Methode zur Rohrerneuerung, bei der ein defektes Altrohr durch kontrolliertes Aufbrechen zerstört und gleichzeitig ein neues Rohr eingezogen wird. Es gehört zur Gruppe der grabenlosen Kanalsanierungsverfahren und wird eingesetzt, wenn eine Reparatur des Bestandsrohres nicht mehr wirtschaftlich oder technisch möglich ist.
Anders als bei Reparaturverfahren, die das vorhandene Rohr erhalten, ersetzt das Berstlining das Altrohr vollständig. Das macht es besonders geeignet für Leitungen, die stark beschädigt, verformt oder in einem Zustand sind, der keine Sanierung von innen mehr zulässt. Der Begriff „Berstlining“ leitet sich dabei direkt vom englischen Wort „burst“ (bersten, aufbrechen) ab und beschreibt treffend das Kernprinzip des Verfahrens.
Wie funktioniert das Berstlining-Verfahren genau?
Beim Berstlining wird ein Berstkopf durch das zu erneuernde Altrohr gezogen. Dieser Kopf hat einen größeren Durchmesser als das Rohr selbst und bricht es beim Durchfahren nach außen in den umliegenden Boden auf. Unmittelbar hinter dem Berstkopf wird das neue Rohr eingezogen, das so direkt in die entstandene Kavität gleitet.
Der Ablauf lässt sich in wenige klare Schritte unterteilen:
- Vorbereitung: An beiden Enden des zu sanierenden Rohrabschnitts werden kleine Startgruben ausgehoben. Diese sind deutlich kleiner als bei einer offenen Bauweise.
- Einführen des Berstkopfes: Der Berstkopf wird zusammen mit dem Zuggestänge oder Zugseil in das Altrohr eingeführt.
- Aufbrechen des Altrohres: Durch hydraulischen Zug wird der Berstkopf durch das Rohr gezogen. Das Altrohr bricht auf und wird in den Boden verdrängt.
- Einziehen des neuen Rohres: Direkt hinter dem Berstkopf folgt das neue Rohr, meist aus PE-HD (Polyethylen hoher Dichte), das in einem Stück oder als Stangenmaterial eingezogen wird.
- Abschlussarbeiten: Anschlüsse werden wiederhergestellt, die Gruben werden verfüllt und die Oberfläche wiederhergestellt.
Technisch kann das Verfahren sowohl mit statischer Zugkraft (Stangenverfahren) als auch mit dynamischer Schlagkraft (pneumatisches Berstlining) durchgeführt werden. Die Wahl der Methode hängt vom Rohrmaterial, dem Durchmesser und den Bodenverhältnissen ab.
Wann ist das Berstlining-Verfahren die richtige Wahl?
Das Berstlining-Verfahren ist die richtige Wahl, wenn ein Rohr so stark beschädigt ist, dass eine Inliner-Lösung nicht mehr greift, und wenn gleichzeitig eine Querschnittserweiterung gewünscht oder notwendig ist. Es eignet sich besonders für Rohre aus Steinzeug, Beton, Grauguss oder spröden Kunststoffen.
Konkret empfiehlt sich das Verfahren in folgenden Situationen:
- Das Altrohr ist stark deformiert, gebrochen oder eingestürzt
- Der vorhandene Querschnitt reicht nicht mehr aus und soll vergrößert werden
- Eine Sanierung von innen ist wegen der Rohrgeometrie nicht möglich
- Die Leitungstrasse liegt unter Straßen, Gleisen oder bebauten Flächen, wo eine offene Bauweise unverhältnismäßig aufwendig wäre
- Der Boden ist ausreichend verdrängungs- oder aufnahmefähig
Nicht geeignet ist das Verfahren hingegen bei Rohren, die unter sehr geringer Überdeckung liegen, bei felsigem Untergrund oder wenn die Lage benachbarter Leitungen ein Aufbrechen des Bodens riskant macht. Eine gründliche Voruntersuchung per Kamerainspektion ist daher immer Voraussetzung.
Was sind die Vorteile des Berstlining-Verfahrens gegenüber der offenen Bauweise?
Das Berstlining-Verfahren bietet gegenüber der offenen Bauweise vor allem einen deutlich geringeren Eingriff in die Oberfläche, kürzere Bauzeiten und niedrigere Gesamtkosten. Hinzu kommen weniger Lärm, weniger Staub und eine erhebliche Reduzierung der Verkehrsbeeinträchtigungen.
Im direkten Vergleich zeigen sich diese Stärken besonders deutlich:
- Minimale Oberflächenöffnung: Statt eines langen Grabens sind nur kleine Startgruben notwendig, was Straßen, Gehwege und Begrünung schont.
- Schnellere Durchführung: Berstlining-Projekte lassen sich oft in einem Bruchteil der Zeit abwickeln, die eine offene Bauweise erfordern würde.
- Querschnittserweiterung möglich: Das neue Rohr kann größer sein als das alte, was bei anderen grabenlosen Verfahren nicht immer möglich ist.
- Geringere Folgekosten: Weniger Oberflächenwiederherstellung bedeutet auch weniger Kosten für Asphalt, Pflaster oder Begrünung.
- Vollständige Rohrerneuerung: Das neue Rohr bietet volle Nennweite und eine lange Lebensdauer, ohne Kompromisse durch Querschnittsreduzierung wie bei manchen Inliner-Verfahren.
Gerade in urbanen Bereichen, wo Tiefbauarbeiten den Alltag stark beeinflussen, ist die grabenlose Kanalsanierung mit Berstlining oft die wirtschaftlich und logistisch überlegene Lösung.
Welche Materialien werden beim Berstlining eingesetzt?
Beim Berstlining werden als neues Rohr überwiegend Rohre aus PE-HD (Polyethylen hoher Dichte) eingesetzt, da dieses Material flexibel genug ist, um eingezogen zu werden, gleichzeitig aber hohe Druckfestigkeit und Langlebigkeit bietet. Alternativ kommen auch Duktilguss- oder Stahlrohre zum Einsatz.
Die Wahl des Materials hängt von mehreren Faktoren ab:
- PE-HD-Rohre: Standardmaterial beim Berstlining. Korrosionsbeständig, flexibel und in langen Stücken lieferbar, was die Anzahl der Verbindungsstellen minimiert.
- Duktilguss: Wird eingesetzt, wenn hohe Druckbelastungen zu erwarten sind, zum Beispiel in der Trinkwasserversorgung.
- Stahl: Selten, aber möglich bei spezifischen Anforderungen an Druckfestigkeit oder Temperaturbeständigkeit.
Das Altrohr selbst kann aus verschiedenen Materialien bestehen. Gut geeignet für das Berstlining sind spröde Materialien wie Steinzeug, Beton oder Grauguss, da sie beim Aufbrechen kontrolliert zersplittern. Zähe Kunststoffrohre wie PVC oder PE sind schwieriger zu bersten und erfordern spezielle Werkzeuge oder Techniken.
Was kostet das Berstlining-Verfahren?
Die Kosten für das Berstlining-Verfahren variieren je nach Rohrdurchmesser, Leitungslänge, Bodenverhältnissen und regionalem Markt erheblich. Als grobe Orientierung liegen die Kosten pro laufendem Meter häufig zwischen 100 und 400 Euro, können aber je nach Projektbedingungen auch darüber oder darunter liegen.
Folgende Faktoren beeinflussen den Preis maßgeblich:
- Rohrdurchmesser: Größere Nennweiten erfordern leistungsstärkere Geräte und mehr Material, was die Kosten erhöht.
- Länge des Abschnitts: Längere Abschnitte sind in der Regel effizienter, da Rüst- und Startkosten auf mehr Meter verteilt werden.
- Tiefe der Leitung: Tiefere Leitungen erfordern größere Startgruben und mehr Aufwand.
- Zugänglichkeit: Enge Verhältnisse oder schwer zugängliche Bereiche erhöhen den Aufwand.
- Voruntersuchungen: Kamerainspektion und Zustandsbewertung sind notwendige Vorarbeiten, die separat anfallen.
Im Vergleich zur offenen Bauweise ist das Berstlining trotz dieser variablen Kosten häufig günstiger, wenn man die Gesamtrechnung betrachtet. Kosten für Straßenwiederherstellung, Verkehrsmanagement und längere Bauzeiten fallen bei der offenen Bauweise zusätzlich an und können den Unterschied erheblich zugunsten des grabenlosen Verfahrens verschieben. Für eine belastbare Kalkulation ist immer eine individuelle Angebotsanfrage beim ausführenden Unternehmen notwendig.
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