Rohrinspektionskamera auf flexiblem Kabel in dunklem Abwasserkanal mit gerissenen Betonwänden und Wurzeleinwuchs.

Was zeigt eine Rohrkamera bei der Untersuchung?

/ Anna Gerlach

Eine Rohrkamera zeigt den Zustand im Inneren von Rohren und Kanälen in Echtzeit per Videobild. Sie erkennt Schäden wie Risse, Wurzeleinwüchse, Ablagerungen, Rohrbrüche und Versätze direkt an der betroffenen Stelle, ohne dass du aufgraben musst. Die folgenden Abschnitte erklären, wie die Inspektion funktioniert, was die Befunde bedeuten und welche Schritte danach sinnvoll sind.

Welche Schäden kann eine Rohrkamera im Kanal erkennen?

Eine Rohrkamera erkennt alle gängigen Schadensbilder in Abwasserleitungen: Risse, Rohrbrüche, Wurzeleinwüchse, Ablagerungen, Versätze an Muffen, Inkrustierungen sowie Undichtigkeiten. Das Kamerabild zeigt dabei nicht nur, ob ein Schaden vorhanden ist, sondern auch dessen genaue Lage und Ausdehnung im Rohr.

Im Detail lassen sich folgende Schadensarten zuverlässig dokumentieren:

  • Risse und Rohrbrüche: Längs- oder Querrisse im Rohrmaterial, die auf mechanische Belastung oder Alterung hinweisen
  • Wurzeleinwüchse: Pflanzenwurzeln dringen an undichten Muffen in die Leitung ein und können zu Verstopfungen führen
  • Versätze: Rohrabschnitte, die gegeneinander verschoben sind, meist an Verbindungsstellen
  • Ablagerungen und Inkrustierungen: Fettschichten, Kalkablagerungen oder Fremdkörper, die den Querschnitt verengen
  • Korrosion: Materialverlust an der Rohrinnenwand, besonders bei älteren Betonrohren
  • Lageabweichungen: Durchbiegungen oder Sackstellen, in denen sich Wasser und Schmutz sammeln

Gerade bei Rohrschäden an der Abwasserleitung ist die genaue Lokalisierung entscheidend. Nur wer weiß, wo genau der Schaden sitzt, kann entscheiden, ob eine partielle Rohrsanierung ausreicht oder ob ein größerer Eingriff nötig ist.

Wie funktioniert eine Kamerabefahrung technisch?

Bei einer Kamerabefahrung wird eine flexible Kameraeinheit auf einem Schubkabel oder einem selbstfahrenden Fahrgestell in das Rohr eingeführt. Die Kamera überträgt ein Live-Bild an die Oberfläche, wo ein Techniker den Rohrzustand in Echtzeit beurteilt und alle relevanten Befunde aufzeichnet.

Für kleinere Hausanschlussleitungen ab DN 50 kommen schubgesteuerte Schiebekameras zum Einsatz, die manuell vorwärtsgeschoben werden. Ab einem Rohrdurchmesser von etwa DN 150 aufwärts werden häufig selbstfahrende Kameraroboter genutzt, die auch längere Strecken und schwierige Bögen bewältigen. Moderne Systeme sind mit hochauflösenden Farbkameras, schwenkbaren Objektiven und integrierten Messtechniksystemen ausgestattet, sodass Entfernungen und Positionen exakt dokumentiert werden können.

Vor der Kamerabefahrung ist in der Regel eine Rohrreinigung notwendig. Starke Ablagerungen oder eine Verstopfung im Rohr würden das Kamerabild blockieren und eine vollständige Inspektion unmöglich machen. Deshalb gehört eine Hochdruckreinigung des Rohrs häufig zum Standardablauf vor der eigentlichen Untersuchung.

Was bedeuten die Befunde aus dem Kameraprotokoll?

Das Kameraprotokoll dokumentiert alle festgestellten Schäden mit Lage, Art und Schweregrad. Es bildet die Grundlage für jede weitere Entscheidung zur Rohrsanierung. Die Befunde werden nach standardisierten Klassifikationssystemen bewertet, damit Planer und Auftraggeber die Dringlichkeit einschätzen können.

In Deutschland wird häufig die DIN EN 13508-2 als Grundlage für die Zustandsklassifizierung genutzt. Jeder Schaden erhält dabei einen Schadenscode, der Art und Ausmaß beschreibt. Aus der Kombination dieser Codes ergibt sich eine Zustandsklasse, die von „keine Maßnahme erforderlich“ bis „sofortiger Handlungsbedarf“ reichen kann.

Für dich als Auftraggeber sind folgende Punkte im Protokoll besonders relevant:

  • Schadensposition: Meter- und Tiefenangabe, damit der Schaden eindeutig lokalisiert ist
  • Schadensart und Schadensklasse: Wie schwerwiegend ist der Befund?
  • Empfehlung: Sofortmaßnahme, kurzfristige Sanierung oder Beobachtung?
  • Videodokumentation: Aufzeichnung als Nachweis und Planungsgrundlage

Ein gut ausgewertetes Kameraprotokoll macht es möglich, gezielt zu entscheiden, ob ein Rohr punktuell reparieren ausreicht oder ob eine Langstreckensanierung sinnvoller ist.

Wann ist eine Rohrkamerainspektion notwendig?

Eine Rohrkamerainspektion ist notwendig, wenn Anzeichen für Schäden oder Funktionsstörungen in der Abwasserleitung vorliegen, wenn eine Sanierung geplant wird oder wenn eine turnusmäßige Zustandserfassung fällig ist. Auch vor dem Kauf einer Immobilie ist eine Inspektion sinnvoll, um versteckte Schäden zu erkennen.

Konkrete Anlässe für eine Kamerabefahrung sind unter anderem:

  • Wiederkehrende Verstopfungen, die sich nicht dauerhaft durch Rohrreinigung beheben lassen
  • Schlechter Geruch aus dem Abwassersystem ohne erkennbare Ursache
  • Feuchtigkeitsschäden im Keller oder an erdberührenden Bauteilen
  • Planung einer Rohrsanierung oder eines Hausumbaus
  • Pflichtinspektionen nach kommunalen Satzungen für Grundstücksentwässerungsanlagen
  • Qualitätskontrolle nach einer abgeschlossenen Sanierungsmaßnahme

Gerade wenn du überlegst, ob sich eine grabenlose Rohrsanierung lohnt, liefert die Kamerainspektion die entscheidenden Informationen. Ohne dieses Bild vom Ist-Zustand lässt sich weder die richtige Methode wählen noch ein realistischer Kostenrahmen ermitteln.

Was passiert nach der Rohrkamera-Untersuchung?

Nach der Rohrkamerainspektion liegen ein Videoprotokoll und ein schriftlicher Befundbericht vor. Auf dieser Basis wird entschieden, welche Sanierungsmaßnahme sinnvoll ist: von der partiellen Rohrsanierung einzelner Schadstellen bis zur vollständigen Inlinersanierung der gesamten Leitung, ohne dass aufgegraben werden muss.

Die häufigsten Maßnahmen nach einer Inspektion:

  • Abwarten und beobachten: Bei geringen Schäden ohne akuten Handlungsbedarf
  • Hochdruckreinigung: Wenn Ablagerungen den Querschnitt verengen, aber das Rohr strukturell intakt ist
  • Partielle Rohrsanierung: Gezielte Reparatur einzelner Schadstellen, zum Beispiel mit einem Inliner, ohne die gesamte Leitung zu sanieren
  • Inliner Rohrsanierung: Bei ausgedehnten Schäden wird ein Schlauchliner in das bestehende Rohr eingezogen und ausgehärtet, sodass ein neues Rohr im alten entsteht
  • Rohrbruch reparieren durch Berstlining oder Relining: Bei starken Schäden, bei denen das Altrohr als Führung dient

Die Rohrsanierung Inliner Kosten hängen dabei von der Rohrlänge, dem Durchmesser und dem Schadensumfang ab. Für eine grobe Orientierung: Bei der Inliner Rohrsanierung liegen die Kosten pro Meter je nach Methode und Rohrdimension in einem Bereich, der sich erst nach einer konkreten Bestandsaufnahme seriös beziffern lässt. Die Kamerainspektion ist dabei der erste und wichtigste Schritt, um unnötige Kosten zu vermeiden und das Abwasserrohr sanieren zu lassen, ohne mehr zu tun als nötig.

So unterstützt Bodenbender dich bei der Rohrsanierung nach der Kamerainspektion

Wenn die Kamerainspektion Schäden zeigt und du weißt, dass dein Rohr saniert werden muss, kommen wir ins Spiel. Als Systemanbieter für grabenlose Rohr- und Kanalsanierung bieten wir dir genau die Lösungen, die nach einer Befundauswertung gefragt sind:

  • Partielle Sanierung mit dem PL®-PointLiner: Für punktuelle Schäden, die eine gezielte Reparatur ohne Aufgraben ermöglichen
  • Langstreckensanierung mit dem PL®-Inliner: Für ausgedehnte Schäden, bei denen ein durchgehender Schlauchliner die wirtschaftlichste Lösung ist
  • Einlaufsanierung und Schachtsanierung: Für Schäden an Anschlussstellen und Schachtbauwerken
  • Schulungen in der Relining Academy: Damit dein Team die Sanierungssysteme sicher und fachgerecht einsetzt
  • Individuelle Beratung: Wir begleiten dich von der Befundauswertung bis zur fertigen Sanierungslösung

Du hast ein Kameraprotokoll vorliegen und weißt nicht, welche Sanierungsmethode die richtige ist? Sprich uns an und wir helfen dir, die passende Lösung für dein Projekt zu finden.

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