Ist Schlauchlining auch für Trinkwasserleitungen zugelassen?

/ Anna Gerlach

Ja, Schlauchlining ist grundsätzlich auch für Trinkwasserleitungen zugelassen, allerdings nur dann, wenn der verwendete Inliner speziell für den Kontakt mit Trinkwasser zertifiziert ist. Nicht jeder Schlauchliner, der für Abwasserkanäle geeignet ist, darf automatisch auch in der Trinkwasserversorgung eingesetzt werden. Die folgenden Abschnitte erklären, welche Zulassungen, Materialien und Voraussetzungen dabei eine Rolle spielen.

Welche Zulassungen braucht ein Inliner für Trinkwasser?

Ein Inliner für Trinkwasserleitungen muss nachweislich hygienisch unbedenklich sein und darf keine gesundheitsschädlichen Stoffe ins Wasser abgeben. In Deutschland ist dafür in erster Linie die Zulassung durch das Umweltbundesamt (UBA) maßgeblich, ergänzt durch europäische Normen wie die EN 805 und produktspezifische Prüfberichte nach DVGW-Regelwerk.

Konkret bedeutet das: Jeder Schlauchliner, der in einer Trinkwasserleitung verbaut wird, muss eine sogenannte Positivliste-Bewertung bestehen. Das Umweltbundesamt prüft dabei, ob die verwendeten Harze, Trägergewebe und Beschichtungen den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Ohne diese Freigabe ist der Einsatz in der Trinkwasserversorgung nicht zulässig. Wer also plant, eine Trinkwasserleitung mit der Inliner-Technik zu sanieren, sollte vorab prüfen, ob das gewählte System über die entsprechenden Nachweise verfügt.

Zusätzlich verlangen viele Wasserversorger und kommunale Betreiber eigene Freigabeprozesse. Die Zulassung durch das UBA ist also eine notwendige, aber nicht immer hinreichende Bedingung.

Welche Materialien sind für Trinkwasser-Schlauchlining geeignet?

Für die Sanierung von Trinkwasserleitungen mittels Schlauchlining kommen vor allem Epoxidharz-basierte Inliner sowie Polyesterharz-Systeme mit trinkwassertauglicher Innenbeschichtung zum Einsatz. Entscheidend ist, dass alle Komponenten, Trägermaterial, Harz und Innenliner, gemeinsam als System geprüft und freigegeben wurden.

Epoxidharze gelten dabei als besonders bewährt, weil sie nach der Aushärtung chemisch stabil sind und kaum Restmonomere abgeben. Polyesterharze können ebenfalls eingesetzt werden, sofern eine geeignete Inliner-Innenschicht den direkten Kontakt mit dem Trinkwasser übernimmt. Glasfaserverstärkte Trägergewebe sorgen für die nötige Stabilität, während die Außenhülle des Schlauchliners als Abdichtung zur Rohrwand dient.

Nicht geeignet sind hingegen Materialien, die für Abwasseranwendungen entwickelt wurden und keine UBA-Bewertung für Trinkwasser besitzen. Selbst wenn ein Schlauchliner optisch identisch aussieht, kann die chemische Zusammensetzung des Harzes entscheidend sein.

Wie läuft eine Schlauchlining-Sanierung in Trinkwasserleitungen ab?

Eine Schlauchlining-Sanierung in Trinkwasserleitungen folgt einem klar definierten Ablauf, der besonders hohe Hygienestandards erfordert. Der Prozess beginnt mit einer gründlichen Inspektion und Reinigung der betroffenen Leitung, gefolgt vom Einziehen oder Einblasen des Schlauchliners und seiner anschließenden Aushärtung.

Im Detail sieht der Ablauf typischerweise so aus:

  1. Kamerainspektion: Der Zustand der Leitung wird per TV-Kamera dokumentiert, um Schäden, Ablagerungen und Querschnittsveränderungen zu erfassen.
  2. Hochdruckreinigung: Die Rohrwand wird gründlich gereinigt, damit der Inliner optimal haftet und keine Verunreinigungen eingeschlossen werden.
  3. Einbringen des Schlauchliners: Der mit Harz getränkte Schlauchliner wird in die Leitung eingezogen oder per Inversionsverfahren eingeblasen.
  4. Aushärtung: Je nach System erfolgt die Härtung durch Heißwasser, Dampf oder UV-Licht. Das Ergebnis ist ein formstabiler, eng anliegender Inliner im Originalrohr.
  5. Abschlussinspektion und Spülung: Nach der Aushärtung wird die sanierte Leitung erneut inspiziert, intensiv gespült und auf Keimfreiheit geprüft, bevor sie wieder in Betrieb geht.

Besonders wichtig im Trinkwasserbereich ist die sogenannte Inbetriebnahmefreigabe. Sie stellt sicher, dass keine Harzreste oder Prozesschemikalien im Wasser verbleiben. Erst nach erfolgreicher mikrobiologischer und chemischer Prüfung darf die Leitung wieder ans Netz gehen.

Wann ist Schlauchlining die bessere Wahl gegenüber dem Rohraustausch?

Schlauchlining ist die bessere Wahl gegenüber dem Rohraustausch, wenn die Leitung strukturell noch ausreichend intakt ist, der Schaden lokal oder flächig saniert werden kann und eine Tiefbaumaßnahme unverhältnismäßig aufwendig wäre. Das grabenlose Verfahren spart Zeit und Kosten und minimiert Eingriffe in die Umgebung.

Konkret spricht Schlauchlining für sich, wenn:

  • die Trinkwasserleitung unter Straßen, Gebäuden oder anderen schwer zugänglichen Bereichen liegt,
  • der Rohrkörper noch ausreichend tragfähig ist und keine großflächigen Einstürze vorliegen,
  • die Versorgungsunterbrechung so kurz wie möglich gehalten werden soll,
  • Kosten für Aufgrabung, Wiederherstellung von Belägen und Verkehrssicherung eingespart werden sollen.

Ein offener Rohraustausch ist hingegen sinnvoller, wenn das Rohr vollständig kollabiert ist, der Querschnitt durch Ablagerungen stark reduziert wurde oder eine Leitungsverlegung in eine neue Trasse geplant ist. In allen anderen Fällen bietet die Inliner-Sanierung eine wirtschaftlich und technisch überzeugende Alternative. Mehr zu den verfügbaren Sanierungsleistungen findest du auf unserer Website.

Wie lange halten sanierte Trinkwasserleitungen mit Schlauchlining?

Fachgerecht eingebrachte Schlauchliner in Trinkwasserleitungen erreichen eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren. Diese Lebensdauer gilt als anerkannter Richtwert in der Branche und basiert auf langfristigen Erfahrungswerten sowie Werkstoffprüfungen unter Betriebsbedingungen.

Entscheidend für die tatsächliche Haltbarkeit sind mehrere Faktoren: die Qualität des verwendeten Harzsystems, die sorgfältige Verarbeitung beim Einbau, die Einhaltung der Aushärtungsparameter und die Betriebsbedingungen der Leitung (Druck, Temperatur, Wasserqualität). Hochwertige, zertifizierte Schlauchliner-Systeme sind darauf ausgelegt, auch bei dauerhafter Druckbeanspruchung formstabil zu bleiben und keine Materialermüdung zu zeigen.

Regelmäßige Inspektionen nach der Sanierung sind empfehlenswert, um den Zustand des Inliners zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. In der Praxis zeigen sanierte Leitungen nach vielen Jahren kaum messbare Veränderungen, ein starkes Argument für die Inliner-Technik als langfristige Lösung.

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