Korrosion bei Abwasserrohren ist ein chemischer oder biologischer Zerstörungsprozess, bei dem das Rohrmaterial durch aggressive Stoffe im Abwasser schrittweise abgetragen wird. Besonders häufig entsteht sie durch Schwefelsäure, die von Bakterien im Kanal produziert wird. In diesem Artikel beantwortest du die wichtigsten Fragen rund um Entstehung, Erkennung und Behebung von Korrosionsschäden in der Abwasserinfrastruktur.
Wie entsteht Korrosion in Abwasserrohren?
Korrosion in Abwasserrohren entsteht, wenn aggressive chemische oder biologische Substanzen im Abwasser das Rohrmaterial angreifen und zersetzen. Der häufigste Auslöser ist Schwefelwasserstoff (H₂S), der sich im Abwasser bildet und an den Rohrwänden zu Schwefelsäure umgewandelt wird. Diese Säure frisst sich buchstäblich in das Material hinein.
Der Prozess beginnt in sauerstoffarmen Bereichen des Kanals, wo organische Substanzen im Abwasser anaerob abgebaut werden. Dabei entsteht Schwefelwasserstoff als Nebenprodukt. Das Gas steigt aus dem Wasser auf, kondensiert an den Rohrwänden oberhalb des Wasserspiegels und wird dort von Bakterien zu Schwefelsäure umgewandelt. Je länger dieser Kreislauf ungestört läuft, desto tiefer fressen sich die Schäden in die Abwasserleitung hinein.
Was ist biogene Schwefelsäurekorrosion?
Biogene Schwefelsäurekorrosion ist die häufigste und zerstörerischste Form der Korrosion in Abwasserkanälen. Sie wird durch schwefeloxidierende Bakterien wie Acidithiobacillus thiooxidans verursacht, die Schwefelwasserstoff in hochkonzentrierte Schwefelsäure umwandeln. Diese Säure kann den pH-Wert an der Rohrwand auf unter 1 senken und selbst Beton innerhalb weniger Jahre vollständig zerstören.
Das Besondere an dieser Korrosionsform ist ihr biologischer Ursprung. Ohne die Beteiligung von Mikroorganismen würde Schwefelwasserstoff zwar ebenfalls Schäden verursachen, jedoch in deutlich geringerem Ausmaß. Die Bakterien wirken als biologischer Katalysator und beschleunigen den chemischen Angriff auf das Rohrmaterial erheblich. Biogene Schwefelsäurekorrosion tritt vor allem in Druckleitungen, Pumpwerken und schlecht belüfteten Kanälen auf, wo sich Schwefelwasserstoff besonders gut anreichern kann.
Welche Materialien sind am stärksten von Korrosion betroffen?
Beton und Stahlbeton sind die Materialien, die am stärksten unter biogener Schwefelsäurekorrosion leiden. Die Säure reagiert mit dem Calciumhydroxid im Zement und bildet Gips, der das Gefüge des Betons aufweicht und zerstört. Aber auch andere Materialien in der Abwasserinfrastruktur sind nicht vollständig geschützt.
- Beton und Stahlbeton: Sehr anfällig für biogene Schwefelsäurekorrosion, da der alkalische Zement durch Säure neutralisiert und aufgelöst wird.
- Steinzeug: Deutlich widerstandsfähiger als Beton, aber bei hohen Säurekonzentrationen oder mechanischen Beschädigungen trotzdem gefährdet.
- Guss- und Stahlleitungen: Anfällig für elektrochemische Korrosion, besonders wenn sie in aggressiven Böden verlegt sind oder Streuströme auftreten.
- Kunststoffrohre (z. B. PVC, PE): Grundsätzlich säureresistent, können aber durch UV-Strahlung, mechanische Belastung oder falsche Verlegung spröde werden.
Gerade ältere Kanäle aus Beton, die vor Jahrzehnten verlegt wurden, zeigen heute häufig erhebliche Schäden. Wer ein Abwasserrohr sanieren muss, arbeitet in vielen Fällen mit genau diesen alten Betonleitungen.
Welche Faktoren beschleunigen den Korrosionsprozess im Kanal?
Mehrere Faktoren können dazu führen, dass Korrosion in Abwasserrohren deutlich schneller voranschreitet. Dazu gehören hohe Temperaturen, geringe Fließgeschwindigkeiten, lange Verweilzeiten des Abwassers und ein hoher Anteil organischer Substanzen. Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto aggressiver wird der Angriff auf das Rohrmaterial.
- Hohe Abwassertemperaturen: Wärme fördert das Bakterienwachstum und die Bildung von Schwefelwasserstoff.
- Geringe Fließgeschwindigkeit: Bei langsamem Abfluss haben Bakterien mehr Zeit, Schwefelwasserstoff zu produzieren.
- Industrielle Einleitungen: Chemikalien, Fette oder Säuren aus Industriebetrieben können den pH-Wert im Kanal stark verändern.
- Schlechte Belüftung: Sauerstoffarme Bedingungen begünstigen die anaeroben Bakterien, die Schwefelwasserstoff erzeugen.
- Ablagerungen und Verstopfungen: Organische Ablagerungen bieten Bakterien ideale Lebensbedingungen und verstärken die Korrosion zusätzlich.
Wer die Gesundheit seiner Rohre und Kanäle langfristig erhalten möchte, sollte diese Risikofaktoren regelmäßig im Blick behalten und frühzeitig gegensteuern.
Wie erkennt man Korrosionsschäden an Abwasserrohren?
Korrosionsschäden an Abwasserrohren erkennst du am sichersten durch eine Kamerabefahrung des Kanals. Dabei zeigen sich typische Anzeichen wie abgeplatzter Beton, freigelegte Bewehrung, poröse Rohrwände oder Risse. Im fortgeschrittenen Stadium können Einbrüche und Undichtigkeiten auftreten, die das Erdreich um den Kanal destabilisieren.
Erste Hinweise auf Korrosionsprobleme in der Abwasserinfrastruktur können aber auch von außen erkennbar sein:
- Absenkungen oder Einbrüche im Straßenbelag über dem Kanal
- Feuchte Stellen oder unangenehme Gerüche im Kanalumfeld
- Veränderungen in der Abflussmenge oder häufige Verstopfungen
- Sichtbare Ausblühungen oder Verfärbungen an Schachtbauwerken
Da viele Schäden zunächst unsichtbar sind, empfiehlt sich eine regelmäßige Inspektion als Teil der präventiven Instandhaltung. Nur wer den Zustand seiner Leitungen kennt, kann rechtzeitig eingreifen und größere Rohrschäden an der Abwasserleitung verhindern.
Wie lässt sich Korrosion in Abwasserrohren beheben?
Korrosionsschäden in Abwasserrohren lassen sich am effektivsten durch grabenlose Sanierungsverfahren beheben, bei denen das beschädigte Rohr von innen heraus erneuert oder verstärkt wird. Diese Methoden sind kostengünstig, schonen die Oberfläche und ermöglichen eine schnelle Wiederinbetriebnahme des Kanals. Das Abwasserrohr sanieren ohne Aufgrabung ist heute der Standard in der professionellen Kanalsanierung.
Zu den bewährten grabenlosen Verfahren gehören:
- Inliner-Verfahren: Ein flexibler Schlauch wird in das Rohr eingebracht und ausgehärtet, sodass ein neues Rohr im Rohr entsteht.
- Kurzliner oder Partialiner: Für lokale Schäden wird nur der betroffene Abschnitt mit einem kurzen Liner repariert.
- Beschichtungsverfahren: Die Rohrinnenwand wird mit einem säureresistenten Material beschichtet, das weiterer Korrosion vorbeugt.
- Schachtsanierung: Schachtbauwerke werden mit speziellen Mörteln oder Beschichtungen gegen biogene Schwefelsäure geschützt.
Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt vom Schadensausmaß, dem Rohrmaterial und den örtlichen Gegebenheiten ab. Eine fachkundige Inspektion ist daher immer der erste Schritt.
So hilft Bodenbender bei Korrosionsschäden in deinen Abwasserrohren
Wir bei Bodenbender sind seit über 50 Jahren in der Kanalsanierung tätig und kennen die Herausforderungen rund um Korrosion in der Abwasserinfrastruktur aus erster Hand. Als Systemanbieter für grabenlose Rohr- und Kanalsanierung bieten wir dir alles aus einer Hand, was du für eine professionelle und dauerhafte Sanierung brauchst.
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