Frisch installierter weißer Rohrliner im Querschnitt eines unterirdischen Betonrohrs, beleuchtet von einer Inspektionsleuchte.

Welche Materialien werden beim Rohr Inliner verwendet?

/ Anna Gerlach

Beim Rohr-Inliner kommen vor allem zwei Trägermaterialien zum Einsatz: Glasfasergewebe und Nadelfilz. Welches Material das richtige ist, hängt von der Rohrgeometrie, dem Schadenstyp und dem Einsatzbereich ab. Die Wahl des Harzsystems spielt dabei eine ebenso entscheidende Rolle wie das Trägermaterial selbst. In diesem Artikel beantwortest du die wichtigsten Fragen rund um Materialien, Qualität und Anforderungen beim Inliner-Verfahren.

Welche Materialien kommen für einen Rohr-Inliner infrage?

Für einen Rohr-Inliner werden hauptsächlich Glasfaser und Nadelfilz als Trägermaterialien verwendet, die anschließend mit einem Harzsystem getränkt und im Rohr ausgehärtet werden. Beide Materialien eignen sich für die grabenlose Rohrsanierung, unterscheiden sich jedoch in Flexibilität, Wandstärke und Einsatzbereich deutlich voneinander.

Das Prinzip ist bei beiden Varianten ähnlich: Ein flexibler Schlauch oder Liner wird in das beschädigte Rohr eingebracht, mit Druck aufgeweitet und dann durch Licht, Dampf oder Umgebungstemperatur ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein neues, stabiles Rohr im Rohr, ohne dass aufgegraben werden muss. Dieses Verfahren eignet sich sowohl für die partielle Rohrsanierung einzelner Schadstellen als auch für die Sanierung ganzer Leitungsabschnitte.

  • Glasfasergewebe: Hohe Steifigkeit, geringe Wandstärke, ideal für strukturell belastete Rohre
  • Nadelfilz: Flexibel, gut für Bögen und Formstücke geeignet, bewährter Werkstoff bei langen Strecken
  • Kombinationsmaterialien: Einige Systeme kombinieren beide Materialien, um die Stärken beider Varianten zu nutzen

Was ist der Unterschied zwischen Glasfaser- und Nadelfilz-Inlinern?

Der zentrale Unterschied liegt in der Steifigkeit und der erreichbaren Wandstärke. Glasfaser-Inliner sind dünnwandiger, aber deutlich steifer und bieten bei gleicher Wandstärke eine höhere statische Tragfähigkeit. Nadelfilz-Inliner sind weicher, lassen sich leichter durch Bögen führen und sind in der Herstellung und Verarbeitung etwas einfacher zu handhaben.

Glasfaser-Inliner: Stärken und typische Einsatzbereiche

Glasfaserbasierte Inliner eignen sich besonders dort, wo hohe statische Anforderungen bestehen oder der verfügbare Querschnitt möglichst wenig reduziert werden soll. Da Glasfasergewebe sehr zugfest ist, wird weniger Material benötigt, um die gleiche Stabilität zu erreichen wie mit Nadelfilz. Typische Einsatzbereiche sind Druckleitungen, Hauptsammler oder Rohre mit erheblichen Rissen und strukturellen Schäden.

Nadelfilz-Inliner: Stärken und typische Einsatzbereiche

Nadelfilz ist das klassische Material für Schlauchliner und hat sich über Jahrzehnte in der Kanalsanierung bewährt. Die weiche Struktur ermöglicht es, den Liner auch durch enge Bögen oder leicht verformte Rohrabschnitte zu führen. Bei der Langstreckensanierung von Abwasserleitungen ist Nadelfilz nach wie vor weit verbreitet, da er sich gut tränken lässt und zuverlässig aushärtet.

Welches Harzsystem eignet sich für welchen Einsatzbereich?

Die gängigsten Harzsysteme beim Rohr-Inliner sind Epoxidharz, Polyesterharz und Vinylesterharz. Epoxidharz gilt als besonders beständig und ist für Trinkwasserleitungen zugelassen. Polyesterharz ist kostengünstiger und im Abwasserbereich weit verbreitet. Vinylesterharz bietet erhöhte chemische Beständigkeit und eignet sich für Leitungen mit aggressiven Medien.

Die Auswahl des richtigen Harzsystems hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Medium im Rohr: Trinkwasser, Schmutzwasser oder chemisch belastetes Wasser
  • Aushärteverfahren: UV-Licht, Dampf oder Kaltaushärtung beeinflussen die Wahl
  • Temperaturbeständigkeit: Manche Medien erfordern Harze, die auch bei höheren Temperaturen stabil bleiben
  • Normen und Zulassungen: Besonders im Trinkwasserbereich gelten strenge Anforderungen

Epoxidharze brauchen in der Regel länger zum Aushärten, bieten dafür aber bessere mechanische Eigenschaften und eine höhere Haftfestigkeit. Polyesterharz lässt sich schneller verarbeiten, ist aber weniger beständig gegenüber bestimmten Chemikalien. Für die Rohrsanierung im Abwasserbereich ist Polyesterharz in den meisten Fällen ausreichend.

Wie beeinflusst das Material die Lebensdauer eines Inliners?

Das Material hat einen direkten Einfluss auf die Lebensdauer eines Rohr-Inliners. Hochwertige Glasfaser-Epoxid-Kombinationen erreichen bei fachgerechter Verarbeitung eine Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr. Nadelfilz mit Polyesterharz liegt je nach Einsatzbedingungen im Bereich von 30 bis 50 Jahren, sofern die Verarbeitung korrekt erfolgt.

Entscheidend ist dabei nicht nur das Material selbst, sondern auch die Qualität der Verarbeitung. Ein Liner, der nicht vollständig getränkt ist oder bei dem das Harz ungleichmäßig ausgehärtet ist, verliert deutlich an Haltbarkeit. Weitere Faktoren, die die Lebensdauer beeinflussen:

  • Qualität der Vorarbeit, insbesondere die Rohrreinigung per Hochdruckreinigung vor der Sanierung
  • Sorgfältige Rohrinspektion per Rohrkamera, um Schadensumfang und Rohrgeometrie genau zu kennen
  • Korrekte Dimensionierung der Wandstärke entsprechend der statischen Anforderungen
  • Fachgerechte Anbindung an Schächte und Abzweige

Ein professionell saniertes Rohr kann nach dem Inliner-Verfahren genauso lange halten wie ein neu verlegtes Rohr, wenn die Materialwahl und die Ausführung stimmen.

Welche Materialanforderungen gelten für Trinkwasserleitungen?

Inliner für Trinkwasserleitungen müssen zwingend aus lebensmittelechten und gesundheitlich unbedenklichen Materialien bestehen. In Deutschland gilt dafür die Trinkwasserverordnung (TrinkwV), und die verwendeten Materialien müssen nach den Leitlinien des Umweltbundesamtes (UBA) bewertet und zugelassen sein. Nicht jedes Harzsystem und nicht jedes Trägermaterial erfüllt diese Anforderungen.

Für Trinkwasseranwendungen kommen in der Regel Epoxidharze mit entsprechender Zulassung zum Einsatz. Diese müssen vollständig ausgehärtet sein, bevor die Leitung wieder in Betrieb genommen wird, da nicht ausgehärtetes Harz Substanzen ins Trinkwasser abgeben kann. Zusätzlich gelten folgende Anforderungen:

  • Nachweis der hygienischen Eignung durch anerkannte Prüfinstitute
  • Einhaltung der DVGW-Regelwerke für die Instandhaltung von Trinkwasserleitungen
  • Dokumentation der verwendeten Materialien und Chargen
  • Spülung und Beprobung der Leitung nach der Sanierung

Wer eine Trinkwasserleitung sanieren möchte, sollte daher immer explizit nach Materialien mit Trinkwasserzulassung fragen und sich die entsprechenden Nachweise zeigen lassen.

Woran erkennt man einen qualitativ hochwertigen Rohr-Inliner?

Ein qualitativ hochwertiger Rohr-Inliner zeichnet sich durch gleichmäßige Wandstärke, vollständige Harzimprägnierung und eine glatte Innenoberfläche aus. Nach dem Einbau sollte eine Rohrkamerainspektion zeigen, dass der Liner lückenlos anliegt, keine Falten wirft und alle Anschlüsse sauber eingebunden sind. Zertifizierungen und Produktprüfungen nach anerkannten Normen sind ein verlässlicher Qualitätsindikator.

Im Vorfeld lässt sich Qualität an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Zertifizierungen: Produkte sollten nach DIN EN ISO 11296 oder vergleichbaren Normen geprüft sein
  • Herstellernachweis: Seriöse Anbieter dokumentieren Materialzusammensetzung, Chargen und Prüfergebnisse
  • Schulung der Verarbeiter: Auch das beste Material liefert nur gute Ergebnisse, wenn es von geschultem Personal eingebaut wird
  • Systemlösungen statt Einzelkomponenten: Aufeinander abgestimmte Systeme aus Trägermaterial, Harz und Einbauwerkzeug reduzieren Fehlerquellen

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Verarbeitungsqualität. Selbst ein hochwertiges Material kann bei falscher Handhabung versagen. Deshalb ist es wichtig, dass Verarbeiter regelmäßig geschult werden und die empfohlenen Verarbeitungsparameter einhalten, zum Beispiel Harztemperatur, Aushärtedauer und Einbaudruck.

So unterstützt dich Bodenbender bei der Materialwahl und Rohrsanierung

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren in der Kanalinstandhaltung tätig und haben uns als Systemanbieter für grabenlose Rohr- und Kanalsanierung etabliert. Wenn du weißt, worauf es bei Materialien und Verarbeitung ankommt, kannst du einschätzen, warum aufeinander abgestimmte Systemlösungen so wichtig sind. Genau das bieten wir:

  • Zertifizierte Systemlösungen wie PL-Inliner, PL-PointLiner und Airbagliner für unterschiedliche Sanierungsaufgaben
  • Produkte für Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung und Schachtsanierung
  • Schulungen in unserer Relining Academy, damit deine Mitarbeitenden Materialien und Systeme sicher und fachgerecht einsetzen
  • Individuelle Beratung zur Materialwahl je nach Rohrtyp, Medium und Schadensumfang
  • Unterstützung bei der Ausstattung und dem Ausbau von Sanierungsfahrzeugen

Ob du eine einzelne Schadstelle reparieren oder ganze Leitungsabschnitte sanieren möchtest: Wir begleiten dich vom ersten Gespräch bis zum einsatzbereiten Ergebnis. Nimm jetzt Kontakt auf und lass uns gemeinsam die passende Lösung für dein Projekt finden.

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