Schlauchlinersanierung wird durch kleine Öffnung in gealtertem Betonpflaster eingeführt, grabungsfreie Rohrsanierung auf Straßenniveau.

Was ist eine grabenlose Rohrsanierung?

/ Anna Gerlach

Grabenlose Rohrsanierung bedeutet, dass beschädigte Rohre und Leitungen repariert oder erneuert werden, ohne den Boden aufzugraben. Stattdessen werden spezialisierte Verfahren wie das Einziehen von Inlinern oder das Einbringen von Harzmaterialien direkt durch bestehende Einstiegsöffnungen eingesetzt. Diese Methode eignet sich für Abwasserleitungen, Regenwasserkanäle und viele weitere unterirdische Rohrsysteme. Im Folgenden beantwortet dieser Artikel die wichtigsten Fragen rund um Verfahren, Kosten, Materialien und Normen.

Welche Verfahren gibt es bei der grabenlosen Rohrsanierung?

Bei der grabenlosen Rohrsanierung unterscheidet man grundsätzlich zwischen Sanierungsverfahren, die das bestehende Rohr erhalten, und solchen, die es ersetzen. Die gängigsten Methoden sind das Schlauchlining (Inliner-Verfahren), das Kurzliner-Verfahren für punktuelle Schäden sowie das Berstlining zur grabenlosen Rohrerneuerung. Jedes Verfahren eignet sich für bestimmte Schadensbilder und Rohrdimensionen.

Die Wahl des richtigen Verfahrens hängt vom Zustand des Rohres, dem Material, der Nennweite und dem genauen Schadensort ab. Eine Rohrkamera-Inspektion liefert die Grundlage für diese Entscheidung, denn nur wer den Schaden genau kennt, kann das passende Verfahren auswählen.

  • Schlauchlining (Inliner-Verfahren): Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird in das Rohr eingezogen und dort ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein neues, stabiles Rohr im Rohr.
  • Kurzliner / Punktsanierung: Nur der beschädigte Abschnitt wird mit einem kurzen Liner abgedichtet. Ideal bei lokalen Rohrschäden an der Abwasserleitung, die keine Sanierung der gesamten Haltung erfordern.
  • Berstlining: Das alte Rohr wird von innen gesprengt und gleichzeitig ein neues Rohr eingezogen. Dieses Verfahren zählt zur Rohrerneuerung, nicht zur Sanierung im engeren Sinne.
  • Roboterverfahren: Für Einzelschäden wie Risse oder Scherbenbrüche können Roboter Spachtelmassen oder Kurzliner gezielt einbringen.

Wie funktioniert das Schlauchlining-Verfahren genau?

Beim Schlauchlining wird ein flexibler Schlauch aus Glasfaser- oder Filzgewebe mit einem Kunstharz getränkt und anschließend mithilfe von Wasserdruck oder einem Inliner-Airbag in das zu sanierende Rohr eingebracht. Nach dem Aushärten des Harzes entsteht ein neues, eigenständiges Rohr innerhalb der alten Leitung. Dieses Verfahren ist das am weitesten verbreitete Inliner-Verfahren in der grabenlosen Rohrsanierung.

Der Ablauf lässt sich in mehrere klar definierte Schritte unterteilen:

  1. Rohrreinigung: Vor jeder Sanierung muss das Rohr gründlich gereinigt werden. Ablagerungen, Wurzeleinwüchse und Verstopfungen werden per Hochdruckreinigung entfernt.
  2. Kamerainspektion: Eine Rohrkamera fährt durch die Leitung und dokumentiert alle Schäden. So lässt sich der Umfang der Sanierung exakt bestimmen.
  3. Vorbereitung des Liners: Der Schlauch wird mit dem passenden Kunstharz getränkt und auf die Rohrlänge zugeschnitten.
  4. Einbringen des Liners: Der Schlauch wird durch einen Einstiegsschacht in das Rohr eingeführt und mit Luft oder Wasser aufgeblasen, bis er vollflächig an der Rohrwand anliegt.
  5. Aushärtung: Je nach Harzsystem wird der Liner durch UV-Licht, Heißwasser oder Dampf ausgehärtet.
  6. Abschlussinspektion: Eine erneute Kamerabefahrung bestätigt die einwandfreie Ausführung und Dichtheit der sanierten Leitung.

Das Ergebnis ist ein korrosionsbeständiges, glattes Rohr im Rohr, das die Abwasserleitung langfristig abdichtet und stabilisiert, ohne dass auch nur ein Spatenstich nötig ist.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Rohrsanierung und Rohrerneuerung?

Rohrsanierung bedeutet, das vorhandene Rohr zu erhalten und durch Inliner, Beschichtungen oder Kurzliner zu reparieren. Rohrerneuerung hingegen ersetzt das alte Rohr vollständig, entweder durch Berstlining oder durch offene Bauweise. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob die Substanz des Bestandsrohres noch als Träger genutzt wird oder nicht.

Für die Entscheidung zwischen Sanierung und Erneuerung sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • Schadensgrad: Sind die Rohrwände noch weitgehend intakt, eignet sich die Sanierung. Bei schwerem Querschnittsversagen oder Lageveränderungen ist eine Erneuerung sinnvoller.
  • Rohrmaterial: Stark korrodierte Stahlrohre oder brüchige Steinzeugrohre können für eine Sanierung ungeeignet sein.
  • Hydraulische Anforderungen: Wenn der Durchfluss erhöht werden soll, kann eine Erneuerung mit größerem Querschnitt notwendig sein.
  • Kosten: Sanierung ist in den meisten Fällen günstiger, da der Aushub entfällt.

Für welche Rohrmaterialien und Nennweiten ist grabenlose Sanierung geeignet?

Grabenlose Rohrsanierung ist für eine Vielzahl von Materialien geeignet, darunter Steinzeug, Beton, Grauguss, Stahl, PVC und Polyethylen. Inliner-Verfahren lassen sich typischerweise ab einer Nennweite von DN 100 einsetzen und reichen bei Schlauchlining-Systemen bis in den Bereich großer Sammler mit DN 1200 und mehr.

Entscheidend ist nicht nur das Material, sondern auch der Zustand des Rohres. Das Bestandsrohr muss eine ausreichende Resttragfähigkeit besitzen, damit der Liner sicher eingebracht und aufgeblasen werden kann. Stark deformierte oder eingebrochene Rohre müssen vor der Sanierung entweder vorgereinigt, gefräst oder in Teilbereichen stabilisiert werden.

Für die partielle Rohrsanierung, also die punktuelle Reparatur einzelner Schadstellen, sind die Anforderungen an das Bestandsrohr etwas geringer, da nur ein kurzer Abschnitt behandelt wird. Das macht dieses Verfahren besonders flexibel beim Rohr reparieren ohne Aufgraben.

Was kostet eine grabenlose Rohrsanierung im Vergleich zur offenen Bauweise?

Die Kosten für eine grabenlose Rohrsanierung mit Inliner-Verfahren liegen je nach Nennweite, Rohrlänge und lokalem Marktumfeld häufig zwischen 100 und 400 Euro pro Meter. Im Vergleich zur offenen Bauweise, die neben den Materialkosten auch Erdarbeiten, Straßenwiederherstellung und Verkehrsabsicherung umfasst, ist die grabenlose Methode in den meisten Fällen deutlich wirtschaftlicher.

Die tatsächlichen Rohrsanierung-Inliner-Kosten pro Meter hängen von mehreren Faktoren ab:

  • Nennweite: Größere Durchmesser erfordern mehr Material und aufwendigere Technik, was die Kosten pro Meter erhöht.
  • Schadensumfang: Eine vollständige Haltungssanierung unterscheidet sich preislich erheblich von einer partiellen Sanierung einzelner Schadstellen.
  • Zugänglichkeit: Schächte in schwer zugänglichem Gelände oder unter stark befahrenen Straßen erhöhen den Aufwand.
  • Vorbereitung: Notwendige Reinigung, Fräsarbeiten oder Vorabinspektion durch Rohrkamera können die Gesamtkosten beeinflussen.
  • Region: Lohnkosten und regionale Marktpreise variieren spürbar.

Offene Bauweise wird erst dann wirtschaftlicher, wenn ein Rohr so stark beschädigt ist, dass eine Sanierung technisch nicht mehr möglich ist, oder wenn ohnehin Tiefbaumaßnahmen in dem Bereich geplant sind. In allen anderen Fällen überwiegen die Vorteile der grabenlosen Methode: keine Straßensperrungen, keine Beeinträchtigung der Oberflächeninfrastruktur und deutlich kürzere Bauzeiten.

Welche Normen und Zertifizierungen gelten für grabenlose Rohrsanierungsprodukte?

Grabenlose Rohrsanierungsprodukte und -verfahren unterliegen in Deutschland und Europa einem klar definierten Normenwerk. Die wichtigsten Grundlagen sind die DIN EN ISO 11295 (Klassifizierung und Leistungsanforderungen für Rohrsanierungssysteme), die DIN EN 13689 (Leitfaden zur Auswahl von Kunststoffsystemen für die Rohrsanierung) sowie die DIN EN 15885, die verschiedene Sanierungsverfahren klassifiziert.

Für Schlauchlining-Systeme gilt insbesondere die DIN EN ISO 11296 für Abwasserleitungen ohne Druck. Produkte, die nach diesen Normen geprüft und zertifiziert sind, erfüllen definierte Mindestanforderungen an Druckfestigkeit, Dichtheit, chemische Beständigkeit und Langzeitstabilität.

Darüber hinaus spielen folgende Regelwerke eine wichtige Rolle:

  • DWA-Merkblätter: Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) gibt praxisnahe Hinweise zur Planung, Ausführung und Qualitätssicherung von Kanalsanierungen heraus.
  • DIBt-Zulassungen: Das Deutsche Institut für Bautechnik vergibt allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für bestimmte Sanierungssysteme.
  • Gütezeichen RAL-GZ 961: Dieses Gütezeichen kennzeichnet qualitätsgeprüfte Sanierungsverfahren und schafft Vertrauen bei Auftraggebern.

Wer als Auftragnehmer oder Hersteller im Bereich der Kanalsanierung tätig ist, sollte sicherstellen, dass die eingesetzten Produkte entsprechend zertifiziert sind. Für kommunale Auftraggeber ist die Einhaltung dieser Normen häufig Voraussetzung für die Vergabe.

Wie Bodenbender dich bei der grabenlosen Rohrsanierung unterstützt

Wir bei Bodenbender sind seit über 50 Jahren in der Kanalinstandhaltung tätig und kennen die Herausforderungen der grabenlosen Rohrsanierung aus erster Hand. Als Hersteller und Systemanbieter bieten wir dir zertifizierte Produkte und praxiserprobte Lösungen für jede Sanierungsaufgabe, von der partiellen Reparatur einzelner Schadstellen bis zur vollständigen Haltungssanierung.

Das macht uns zu deinem verlässlichen Partner:

  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte PL®-Inliner, PL®-PointLiner und Airbagliner® erfüllen höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards und sind nach den relevanten europäischen Normen geprüft.
  • Breites Verfahrensspektrum: Ob Langstreckensanierung, partielle Sanierung, Einlaufsanierung oder Schachtsanierung, wir decken das gesamte Spektrum der grabenlosen Methoden ab.
  • Individuelle Fahrzeugausstattung: Wir bauen Sanierungsfahrzeuge nach deinen spezifischen Anforderungen aus, um oder auf.
  • Schulung und Wissensvermittlung: Über unsere Relining Academy schulen wir dich und dein Team im sicheren und fachgerechten Umgang mit unseren Systemlösungen.
  • Ganzheitliche Begleitung: Von der ersten Beratung über die Produktauswahl bis zur Übergabe des einsatzbereiten Fahrzeuges stehen wir dir zur Seite.

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