Harzbeschichteter Inliner-Schlauch wird in ein vertikales Abflussrohr im Keller eines Mehrfamilienhauses eingeführt.

Wie werden Fallleitungen in Mehrfamilienhäusern mit Inliner saniert?

/ Anna Gerlach

Fallleitungen in Mehrfamilienhäusern lassen sich mit der Inliner-Sanierung grabenlos und ohne Aufstemmen der Wände erneuern. Dabei wird ein flexibler Schlauch aus Kunstharz in das bestehende Rohr eingebracht, vor Ort ausgehärtet und bildet so ein neues, stabiles Rohr im Rohr. Das Verfahren eignet sich besonders für vertikale Abwasserrohre in Wohngebäuden, wo eine offene Baustelle für Bewohner kaum zumutbar wäre. Die folgenden Fragen und Antworten erklären alles, was du vor einer Inliner-Sanierung wissen solltest.

Welche Bedingungen müssen Fallleitungen vor der Inliner-Sanierung erfüllen?

Eine Fallleitung muss vor der Inliner-Sanierung strukturell noch ausreichend intakt sein, damit der Liner sicher eingebracht werden kann. Risse, Inkrustierungen und kleinere Schäden sind kein Problem, aber vollständige Rohrbrüche, extreme Versätze oder Einstürze schließen das Verfahren aus. Außerdem muss das Rohr vor der Sanierung gereinigt und kamerabefahren werden.

Konkret prüfen Fachbetriebe folgende Voraussetzungen:

  • Der Rohrquerschnitt ist noch zu mindestens 50 bis 60 Prozent frei durchströmbar
  • Es liegen keine vollständigen Einstürze oder fehlenden Rohrabschnitte vor
  • Der Versatz an Verbindungsstellen ist gering genug, dass der Liner hindurchgezogen werden kann
  • Zugang am oberen und unteren Ende der Fallleitung ist vorhanden
  • Anschlussleitungen sind lokalisiert, damit sie nach der Sanierung wieder geöffnet werden können

Die Kamerainspektion ist daher kein optionaler Schritt, sondern die Grundlage jeder seriösen Planung. Nur so lässt sich beurteilen, ob die Inliner-Technik für das jeweilige Rohr tatsächlich in Frage kommt.

Wie läuft die Inliner-Sanierung einer Fallleitung Schritt für Schritt ab?

Die Rohrsanierung mit Inliner folgt einem klar strukturierten Ablauf: Reinigung, Inspektion, Einbringen des Liners, Aushärtung und abschließende Qualitätskontrolle. Das gesamte Verfahren findet von zwei Zugangspunkten aus statt, ohne dass Wände geöffnet oder Böden aufgestemmt werden müssen.

Der typische Ablauf sieht folgendermaßen aus:

  1. Hochdruckreinigung: Die Fallleitung wird von Ablagerungen, Fetten und Inkrustierungen befreit, damit der Liner später vollflächig am Altrohr haftet.
  2. Kamerainspektion: Eine Kamerabefahrung dokumentiert den Zustand des Rohres und identifiziert alle Schadstellen sowie die Positionen der Anschlussleitungen.
  3. Vorbereitung des Liners: Der Inliner wird auf die gemessene Rohrlänge zugeschnitten und mit dem passenden Kunstharzsystem getränkt.
  4. Einbringen des Liners: Der getränkte Schlauch wird mit Druckluft oder Wasser in das Rohr eingestülpt oder eingezogen, sodass er vollflächig an der Rohrwand anliegt.
  5. Aushärtung: Je nach System erfolgt die Härtung durch Heißwasser, Dampf, UV-Licht oder Umgebungstemperatur. Die Aushärtezeit variiert zwischen wenigen Stunden und einem halben Tag.
  6. Öffnen der Anschlüsse: Mit einem Fräsroboter werden die Abzweige der Anschlussleitungen wieder freigeschnitten.
  7. Abschlusskontrolle: Eine erneute Kamerabefahrung bestätigt die einwandfreie Ausführung und dokumentiert das Ergebnis.

Während der Sanierung müssen die betroffenen Sanitäranlagen im Haus kurzzeitig außer Betrieb genommen werden, in der Regel für einen halben bis einen ganzen Tag.

Welche Liner-Materialien eignen sich für Fallleitungen in Wohngebäuden?

Für Fallleitungen in Mehrfamilienhäusern werden vor allem Epoxidharz- und Polyesterharz-Liner eingesetzt, die auf einem Glasfaser- oder Filzträger aufgebracht werden. Die Wahl des Materials hängt vom Rohrdurchmesser, der Schadensart und dem verwendeten Aushärteverfahren ab.

Gängige Materialien im Überblick:

  • Glasfaserverstärkte Epoxidharz-Liner: Sehr hohe Druckfestigkeit und chemische Beständigkeit, gut geeignet für Abwasserrohre mit aggressiven Medien
  • Polyesterharz auf Filzträger: Flexibel und vielseitig einsetzbar, bewährt für kleinere Nennweiten wie DN 50 bis DN 200
  • Vinylesterharz-Liner: Besonders beständig gegenüber Temperaturschwankungen und chemischen Einflüssen, häufig bei Industrieanwendungen

Für die partiellen Schäden, die in Fallleitungen häufig auftreten, eignen sich auch Kurzliner, die nur den beschädigten Abschnitt abdichten, ohne die gesamte Strecke zu sanieren. Welches Material am besten passt, entscheidet sich immer im Einzelfall auf Basis der Inspektion.

Wie lange dauert die Sanierung und wie lange hält der Inliner?

Die Inliner-Sanierung einer Fallleitung in einem Mehrfamilienhaus dauert je nach Länge und Komplexität zwischen einem halben und zwei Arbeitstagen. Ein fertig ausgehärteter Inliner hat eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren, wenn er fachgerecht eingebaut wurde.

Die Dauer hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Länge der zu sanierenden Fallleitung
  • Anzahl der Anschlussleitungen, die nach der Sanierung wieder freigeschnitten werden müssen
  • Gewähltes Aushärteverfahren (UV-Härtung ist in der Regel schneller als Umgebungstemperatur)
  • Vorbereitungsaufwand, wenn starke Inkrustierungen eine intensive Reinigung erfordern

Was die Haltbarkeit betrifft: Inliner sind keine Übergangslösung. Die Rohrsanierung mit Inliner schafft ein neues Rohr im Rohr, das korrosionsbeständig ist und keine Fugen oder Verbindungsstellen mehr hat, an denen Lecks entstehen können. In der Praxis zeigen ältere Installationen, dass gut ausgeführte Liner auch nach Jahrzehnten noch einwandfrei funktionieren.

Was kostet die Inliner-Sanierung einer Fallleitung im Vergleich zur Erneuerung?

Die Inliner-Rohrsanierung kostet in der Regel 30 bis 50 Prozent weniger als eine konventionelle Rohrerneuerung, wenn man die Gesamtkosten einschließlich Bauarbeiten, Wiederherstellung und Mietausfälle berücksichtigt. Die reinen Materialkosten des Inliners sind zwar vergleichbar, aber die eingesparten Stemm- und Folgekosten machen den entscheidenden Unterschied.

Faktoren, die die Rohrsanierung-Inliner-Kosten beeinflussen:

  • Rohrdurchmesser: Kleinere Nennweiten wie DN 70 oder DN 100 sind günstiger als größere Durchmesser
  • Länge der Fallleitung: Längere Strecken senken den Preis pro Meter, da der Rüstaufwand gleichbleibt
  • Schadensumfang: Punktuelle Schäden lassen sich mit einem günstigeren Kurzliner beheben
  • Zugänglichkeit: Schwer zugängliche Schächte oder fehlende Revisionsöffnungen erhöhen den Aufwand

Bei einer offenen Sanierung kommen zu den Materialkosten noch Kosten für das Aufstemmen der Wände, Trockenbauarbeiten, Fliesenarbeiten, Malerarbeiten und im schlimmsten Fall Mietminderungen durch Lärm und Schmutz. All das entfällt beim grabenlosen Verfahren. Für eine belastbare Kostenaussage ist immer ein individuelles Angebot auf Basis der Kamerainspektion notwendig.

Wann ist der Inliner für Fallleitungen nicht geeignet?

Der Rohr-Inliner ist nicht geeignet, wenn das Rohr so stark beschädigt ist, dass es keine tragende Funktion mehr für den Liner bieten kann. Auch bei bestimmten Geometrien oder sehr kleinen Nennweiten unter DN 50 stößt das Verfahren an seine Grenzen.

Konkrete Ausschlusskriterien sind:

  • Vollständige Einstürze oder fehlende Rohrabschnitte, die keine Liner-Führung mehr ermöglichen
  • Extreme Rohrversätze, durch die kein Liner mehr hindurchgezogen werden kann
  • Rohrdurchmesser unter DN 50, für die kein passendes Linersystem verfügbar ist
  • Starke Wurzeleinwüchse, die trotz Reinigung nicht vollständig entfernt werden können
  • Thermisch oder chemisch stark belastete Rohre, für die kein geeignetes Harzsystem zugelassen ist

In diesen Fällen bleibt oft nur die konventionelle Erneuerung. Eine ehrliche Beurteilung auf Basis der Kamerainspektion ist deshalb so wichtig: Sie schützt dich vor einer Fehlinvestition und zeigt, welches Verfahren für deine spezifische Situation wirklich sinnvoll ist.

So unterstützt Bodenbender bei der Fallleitungssanierung mit Inliner

Wenn du eine Fallleitung in einem Mehrfamilienhaus sanieren willst, bieten wir als Bodenbender die Systemlösungen und das Fachwissen, das du dafür brauchst. Unser Portfolio deckt sowohl die Langstreckensanierung als auch die partielle Sanierung ab, sodass für jeden Schadensfall das passende System zur Verfügung steht.

Das bieten wir konkret:

  • AIRBAGLINER®: Unser bewährtes System für die Langstreckensanierung vertikaler und horizontaler Rohre, geeignet für Nennweiten von DN 100 bis DN 300
  • Point-Liner® System: Für partielle Schäden, wenn nur ein Abschnitt der Fallleitung saniert werden muss, ohne den gesamten Strang zu erneuern
  • Bodenbender PointHat System: Speziell für die Sanierung von Einläufen und Anschlussbereichen, die bei Fallleitungen häufig betroffen sind
  • Schulungen über die Relining Academy für Fachbetriebe, die unsere Systeme sicher und korrekt einsetzen wollen
  • Individuelle Beratung und technische Unterstützung von der Planung bis zur Ausführung

Du willst wissen, welches System für dein Projekt am besten passt? Nimm Kontakt zu uns auf und lass dich von unserem Team beraten.

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