Techniker in Schutzausrüstung lässt Inspektionskamera in sanierten Kanal mit glatter Harzauskleidung unter Kanaldeckel.

Was passiert nach dem Aushärten eines Schlauchliners?

/ Anna Gerlach

Nach dem Aushärten eines Schlauchliners ist die eigentliche Sanierungsarbeit noch nicht ganz abgeschlossen. Der Liner muss geprüft, dokumentiert und der Kanal muss schrittweise wieder in Betrieb genommen werden. Dieser Prozess dauert in der Regel nur wenige Stunden bis zu einem Tag, abhängig von der Kanalgröße und den örtlichen Gegebenheiten. Die folgenden Fragen führen dich durch alle wichtigen Schritte nach der Aushärtung.

Wie wird überprüft, ob ein Schlauchliner vollständig ausgehärtet ist?

Ein Schlauchliner gilt als vollständig ausgehärtet, wenn das Harzsystem die vorgeschriebene Mindesthärte erreicht hat und keine weichen oder unausgehärteten Stellen mehr vorhanden sind. Die Prüfung erfolgt in der Praxis durch eine Kamerabefahrung sowie durch die Entnahme und Prüfung von Härtungsproben direkt vor Ort.

Konkret wird dabei so vorgegangen:

  • Kamerabefahrung: Eine HD-Inspektionskamera fährt durch den sanierten Abschnitt und dokumentiert die Oberfläche des Liners auf Risse, Falten oder weiche Bereiche.
  • Härtungsproben: Vom überstehenden Linermaterial werden Probekörper entnommen und mit einem Härtungsprüfgerät (Shore-Härtemessung) gemessen. Die Messwerte müssen den Herstellervorgaben entsprechen.
  • Temperaturprotokoll: Beim UV-Licht- oder Dampfaushärteverfahren wird die Aushärtetemperatur über die gesamte Prozessdauer aufgezeichnet. Dieses Protokoll belegt, dass die Aushärtung regelkonform verlaufen ist.

Erst wenn alle Prüfungen positiv abgeschlossen sind, gilt der Liner als freigegeben. Bei der Inliner-Rohrsanierung ist diese Qualitätskontrolle ein fester Bestandteil des Prozesses.

Was sind die nächsten Schritte nach der Aushärtung?

Nach der erfolgreichen Aushärtung folgen mehrere klar definierte Arbeitsschritte, bevor der Kanal wieder vollständig in Betrieb gehen kann. Dazu gehören das Abschneiden der Linerenden, das Öffnen der Hausanschlüsse, eine abschließende Kamerainspektion und die Übergabe der Dokumentation an den Auftraggeber.

Im Einzelnen sieht der Ablauf so aus:

  1. Abschneiden der Linerenden: Der Liner wird bündig an den Schachtbauwerken abgeschnitten oder gefräst, damit er sauber abschließt.
  2. Öffnen der Seitenzuläufe: Alle Hausanschlüsse und Seitenzuläufe, die während der Sanierung verschlossen wurden, werden mit einem Roboterfräser wieder geöffnet.
  3. Abschlusskamerabefahrung: Eine vollständige Kamerainspektion dokumentiert den fertigen Liner inklusive aller geöffneten Anschlüsse.
  4. Reinigung: Der Kanal wird gespült, um Schnittreste und Rückstände zu entfernen.
  5. Dokumentationsübergabe: Alle Prüfprotokolle, Kameravideos und Zertifikate werden dem Auftraggeber übergeben.

Wie lange dauert es, bis der sanierte Kanal wieder in Betrieb genommen werden kann?

Ein sanierter Kanal kann in den meisten Fällen wenige Stunden nach Abschluss der Aushärtung wieder in Betrieb genommen werden. Bei UV-ausgehärteten Linern ist die Wartezeit besonders kurz, da das Harz sofort nach dem Abschalten der UV-Lampe seine Endfestigkeit erreicht hat. Bei Dampf- oder Umgebungstemperaturverfahren kann es etwas länger dauern.

Entscheidend ist, dass alle Nacharbeiten wie das Öffnen der Hausanschlüsse abgeschlossen sind, bevor der Kanal wieder voll belastet wird. In der Praxis bedeutet das: Wenn die Sanierung morgens beginnt, ist der Kanal häufig noch am selben Tag wieder betriebsbereit. Das ist einer der größten Vorteile der Rohrsanierung mit Inliner im Vergleich zu offener Bauweise, bei der Straßen und Leitungen tagelang gesperrt bleiben.

Welche Qualitätsnachweise muss der Auftraggeber nach der Linersanierung erhalten?

Nach einer Linersanierung hat der Auftraggeber Anspruch auf eine vollständige Dokumentation, die den ordnungsgemäßen Ablauf der Maßnahme belegt. Dazu gehören das Kameravideo vor und nach der Sanierung, das Aushärteprotokoll, die Härtungsmessergebnisse sowie ein Abnahmeprotokoll.

Im Detail sollte die Übergabedokumentation Folgendes enthalten:

  • Vorinspektionsvideo: Kameraaufnahmen des Kanalzustands vor der Sanierung als Vergleichsbasis.
  • Abschlussinspektionsvideo: Vollständige Kamerabefahrung des fertigen Liners inklusive aller Anschlüsse.
  • Aushärteprotokoll: Temperatur- und Zeitaufzeichnungen des Aushärteprozesses.
  • Härtungsmesswerte: Ergebnisse der Shore-Härteprüfung der Probekörper.
  • Produktzertifikate: Nachweise über die Zulassung und Qualität des verwendeten Linermaterials.
  • Abnahmeprotokoll: Unterschriebenes Dokument, das die Übergabe des sanierten Abschnitts bestätigt.

Diese Unterlagen sind nicht nur für die Abnahme wichtig, sondern auch für spätere Gewährleistungsansprüche und für die Pflege des Kanalkatasters relevant.

Können Hausanschlüsse nach dem Aushärten sofort wieder geöffnet werden?

Ja, Hausanschlüsse können unmittelbar nach der vollständigen Aushärtung des Liners wieder geöffnet werden. Das Öffnen erfolgt durch einen ferngesteuerten Fräsroboter, der den Liner an der Stelle des Seitenzulaufs präzise durchfräst. Eine Wartezeit über die Aushärtung hinaus ist nicht erforderlich.

Wichtig ist dabei, dass der Fräsvorgang sorgfältig durchgeführt wird, um den Liner nicht zu beschädigen. Der Fräsroboter arbeitet auf Basis der vorhandenen Kanalaufzeichnungen und der genauen Position der Anschlüsse. Nach dem Öffnen wird jeder Anschluss kamerabefahren, um zu bestätigen, dass er vollständig freigegeben und der Liner an der Schnittstelle sauber ist. Für Haushalte und Gewerbebetriebe bedeutet das: Die Unterbrechung des Abwasserbetriebs ist auf die Dauer der eigentlichen Sanierung begrenzt.

Wie lange hält ein korrekt ausgehärteter Schlauchliner?

Ein korrekt ausgehärteter Schlauchliner hat eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren, wenn er fachgerecht eingebaut und das Kanalnetz regelmäßig inspiziert wird. Diese Lebensdauererwartung basiert auf den Zulassungsanforderungen und Werkstoffprüfungen, die für zugelassene Linersysteme verpflichtend sind.

Die tatsächliche Haltbarkeit hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Qualität des Linermaterials: Zertifizierte Materialien mit geprüften Harzsystemen erzielen deutlich längere Standzeiten als nicht zertifizierte Produkte.
  • Korrekte Aushärtung: Nur ein vollständig und gleichmäßig ausgehärteter Liner erreicht die volle mechanische Festigkeit und Chemikalienbeständigkeit.
  • Betriebsbedingungen: Aggressive Abwässer, hohe Druckbelastungen oder Wurzeleinwuchs können die Lebensdauer beeinflussen.
  • Regelmäßige Inspektion: Durch turnusmäßige Kamerabefahrungen lassen sich frühzeitig Auffälligkeiten erkennen und beheben, bevor größere Schäden entstehen.

Im Vergleich zur offenen Bauweise bietet die Inliner-Sanierung damit eine wirtschaftlich attraktive Lösung: Die Inliner-Rohrsanierungskosten sind in der Regel deutlich geringer als ein vollständiger Rohraustausch, und die erzielte Lebensdauer ist vergleichbar.

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