Was passiert mit Seiteneinläufen beim Einbau eines Schlauchliners?

/ Anna Gerlach

Beim Einbau eines Schlauchliners werden Seiteneinläufe vorübergehend verschlossen – das ist ein normaler und gewollter Teil des Verfahrens. Nach der Aushärtung des Liners werden die Anschlüsse mit einem Fräsroboter von innen wieder geöffnet, sodass der Abfluss vollständig wiederhergestellt ist. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Umgang mit Seiteneinläufen beim Schlauchlining.

Werden Seiteneinläufe beim Schlauchliner-Einbau verschlossen?

Ja, beim Einbau eines Schlauchliners werden alle Seiteneinläufe im Sanierungsbereich vollständig überdeckt und damit vorübergehend verschlossen. Der Liner legt sich als durchgehende Schicht an die Rohrwand an und überzieht dabei auch die Öffnungen der Hausanschlüsse. Dieser Zustand ist temporär und wird nach der Aushärtung durch einen gezielten Fräsvorgang behoben.

Dieses Vorgehen ist technisch notwendig, weil der Liner als Ganzes eingebracht und ausgehärtet wird. Eine selektive Aussparung einzelner Anschlüsse während des Einbaus wäre verfahrenstechnisch nicht realisierbar, ohne die Dichtigkeit des gesamten Liners zu gefährden. Das Schlauchlining-Verfahren ist darauf ausgelegt, den Kanal als geschlossenes System neu auszukleiden – Unterbrechungen im Material würden Schwachstellen erzeugen.

Praktisch bedeutet das: Während der Sanierung und der Aushärtungsphase sind die angeschlossenen Leitungen kurzfristig nicht abflussfähig. Die Dauer dieser Phase hängt vom gewählten Aushärtungsverfahren ab – ob UV-Licht, Dampf oder Umgebungstemperatur – und beträgt in der Regel wenige Stunden. Anwohner und Nutzer der betroffenen Anschlüsse sollten vorab über diesen Zeitraum informiert werden.

Wie werden Seiteneinläufe nach der Aushärtung wieder geöffnet?

Nach der vollständigen Aushärtung des Inliners werden die Seiteneinläufe mit einem ferngesteuerten Fräsroboter von innen geöffnet. Der Roboter fährt durch den sanierten Kanal, lokalisiert die Anschlusspositionen anhand vorher erstellter Dokumentation und fräst die Öffnungen präzise aus dem ausgehärteten Linermaterial heraus. Das Ergebnis ist ein sauberer, runder Anschluss ohne Gratbildung.

Der Fräsroboter arbeitet kameragestützt, sodass der Vorgang von der Oberfläche aus überwacht und gesteuert werden kann. Moderne Systeme erlauben dabei eine hohe Präzision: Die Fräsöffnung wird exakt auf den Querschnitt des Seiteneinlaufs abgestimmt, um einen hydraulisch optimalen Übergang zu gewährleisten. Eine zu kleine Öffnung würde den Abfluss einschränken, eine zu große könnte die Linerkante beschädigen.

Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist die Qualität der Vordokumentation. Sind die genauen Positionen der Seiteneinläufe bekannt und korrekt eingemessen, kann der Fräsroboter effizient und fehlerfrei arbeiten. Fehlen diese Angaben, muss der Roboter die Anschlüsse durch Abfahren des Kanals identifizieren – das kostet Zeit und erhöht das Fehlerrisiko.

Was passiert, wenn ein Seiteneinlauf beim Fräsen nicht korrekt geöffnet wird?

Wird ein Seiteneinlauf beim Fräsen nicht vollständig oder nicht korrekt geöffnet, kann das zu Rückstau, eingeschränktem Abfluss oder sogar zu Schäden an der Inliner-Technik führen. Im schlimmsten Fall wird der Anschluss gar nicht getroffen und bleibt dauerhaft verschlossen – mit erheblichen Folgen für die betroffene Liegenschaft.

Häufige Probleme bei fehlerhafter Öffnung sind:

  • Zu kleine Fräsöffnung: Der Abfluss ist eingeschränkt, Verstopfungen entstehen häufiger.
  • Versetzte Fräsposition: Der Liner wird an einer Stelle geöffnet, die nicht dem eigentlichen Anschluss entspricht – der Hausanschluss bleibt verschlossen.
  • Ausgefranste Schnittkanten: Gratbildung kann Ablagerungen begünstigen und langfristig die Dichtigkeit beeinträchtigen.
  • Beschädigung des Liners: Ein zu tief oder zu breit gefräster Anschluss schwächt das Material und kann die Schutzfunktion des Inliners mindern.

Um solche Fehler zu vermeiden, sollte nach dem Fräsen eine TV-Inspektion des Kanals durchgeführt werden. So lässt sich prüfen, ob alle Seiteneinläufe korrekt und vollständig geöffnet wurden, bevor der Kanal wieder in Betrieb geht.

Müssen alle Seiteneinläufe vor dem Einbau dokumentiert werden?

Ja, eine vollständige Dokumentation aller Seiteneinläufe vor dem Einbau ist zwingend erforderlich. Nur wenn Lage, Anzahl und Querschnitt aller Anschlüsse bekannt sind, kann der Fräsroboter nach der Aushärtung präzise und effizient arbeiten. Die Dokumentation bildet die Grundlage für eine fehlerfreie Wiederöffnung der Hausanschlüsse.

Die Dokumentation erfolgt in der Regel durch eine TV-Kamerabefahrung vor der Sanierung. Dabei werden alle Seiteneinläufe erfasst, ihre Position im Kanal eingemessen und in einem Sanierungsplan festgehalten. Moderne Inspektionssysteme können die Positionen automatisch protokollieren und direkt für die Steuerung des Fräsroboters aufbereiten.

Besonders bei älteren Kanalnetzen kann die Vordokumentation aufwendig sein, weil Bestandspläne fehlen oder nicht mehr aktuell sind. In solchen Fällen ist die TV-Inspektion der einzige verlässliche Weg, um ein vollständiges Bild der vorhandenen Anschlüsse zu erhalten. Wer diesen Schritt überspringt oder unvollständig durchführt, riskiert, dass Anschlüsse nach der Sanierung dauerhaft verschlossen bleiben.

Können Seiteneinläufe auch mit Kurzlinern saniert werden?

Ja, einzelne Seiteneinläufe können gezielt mit Kurzlinern – sogenannten Partiallinern oder Point-Linern – saniert werden. Diese Methode eignet sich besonders dann, wenn nicht der gesamte Kanal saniert werden muss, sondern nur ein beschädigter Anschlussbereich. Der Kurzliner wird punktuell eingebracht und deckt nur den betroffenen Abschnitt ab, ohne den gesamten Haltungsquerschnitt zu überkleiden.

Beim Einsatz von Kurzlinern im Bereich von Seiteneinläufen gibt es zwei typische Anwendungsszenarien:

  • Sanierung des Anschlussbereichs im Hauptkanal: Ein Kurzliner wird um den Einlauf herum eingebracht, um Risse, Undichtigkeiten oder Versätze im unmittelbaren Anschlussbereich zu schließen.
  • Sanierung des Einlaufs selbst: Speziell geformte Liner können in den Einlauf eingebracht werden, um diesen von innen zu stabilisieren und abzudichten.

Die Inliner-Sanierung mit Kurzlinern ist besonders wirtschaftlich, wenn nur einzelne Schadstellen vorliegen und ein Langstreckenliner unverhältnismäßig wäre. Durch den gezielten Einsatz lassen sich Kosten und Aufwand deutlich reduzieren, ohne auf die Qualität einer grabenlosen Sanierung verzichten zu müssen.

So unterstützt Bodenbender bei der Sanierung von Seiteneinläufen

Wir bei Bodenbender bieten dir durchdachte Systemlösungen, die speziell für den professionellen Umgang mit Seiteneinläufen im Rahmen des Schlauchlinings entwickelt wurden. Ob Langstreckensanierung mit dem Bodenbender Inliner System oder gezielte Punktsanierung mit dem Point-Liner® System – unsere Produkte sind darauf ausgelegt, Seiteneinläufe sicher zu überbrücken und nach der Aushärtung präzise wieder freizufräsen.

Das bieten wir dir konkret:

  • Zertifizierte Systemlösungen für die Langstrecken- und Partialsanierung, inklusive Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Verfahrens
  • Das Point-Liner® System für die gezielte Sanierung einzelner Schadstellen und Anschlussbereiche
  • Den AIRBAGLINER® für die sichere Einbringung und Positionierung des Liners im Kanal
  • Schulungen in der Relining Academy, damit du und dein Team sicher und effizient mit unseren Systemen arbeiten
  • Individuelle Beratung und technischen Support von der Planung bis zur Übergabe

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