Harztränkter Linerschlauch wird neben einem offenen Kanalschacht auf nassem Stadtpflaster abgerollt, technische Unterlagen daneben.

Schlauchlining richtig ausschreiben: Was Auftraggeber beachten sollten

/ Anna Gerlach

Eine Schlauchlining-Ausschreibung richtig aufzusetzen bedeutet, alle technischen Mindestanforderungen, Qualitätsnachweise und Abnahmekriterien klar zu definieren, damit Bieter vergleichbare Angebote einreichen und du als Auftraggeber die Maßnahme rechtssicher abwickeln kannst. Wer diese Grundlage sorgfältig legt, vermeidet spätere Streitigkeiten über Leistungsumfang und Qualität. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um eine professionelle Ausschreibung im Bereich Inliner-Rohrsanierung.

Welche Mindestangaben gehören in eine Schlauchlining-Ausschreibung?

Eine vollständige Schlauchlining-Ausschreibung muss mindestens die Haltungslänge, den Rohrdurchmesser, das Rohrmaterial, den Schadenstyp, die Nennwanddicke des Schlauchliner-Systems sowie die einzuhaltenden Normen enthalten. Ohne diese Angaben können Bieter keine vergleichbaren Angebote erstellen, und du als Auftraggeber verlierst die Kontrolle über die Qualität der Rohrsanierung.

Im Detail solltest du folgende Mindestinformationen in die Ausschreibungsunterlagen aufnehmen:

  • Bestandsdaten der Haltung: Länge, Nennweite, Querschnittsform und Rohrwerkstoff
  • Schadensbild: Ergebnisse der TV-Inspektion gemäß DIN EN 13508-2 als Grundlage für die Bemessung
  • Statische Anforderungen: Nennwanddicke, Steifigkeitsklasse und Bemessungsgrundlage nach DIN EN ISO 11296-4
  • Verfahrensangaben: ob ein Schlauchliner-Verfahren wie Inversion oder Pull-in zulässig ist
  • Aushärteverfahren: UV-Licht, Dampf oder Umgebungstemperatur
  • Nebenanschlüsse: Anzahl und Lage der Stutzen, die nach der Sanierung wieder geöffnet werden müssen
  • Normative Grundlagen: Verweis auf DIN EN ISO 11296-4, ATV-Merkblätter und ggf. Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt)

Fehlen diese Angaben, entstehen Lücken, die Bieter zu ihren Gunsten interpretieren können. Das Ergebnis sind Angebote, die auf dem Papier günstig wirken, in der Ausführung aber nicht das leisten, was du erwartest.

Wie unterscheiden sich Funktions- und Konstruktionsausschreibungen beim Schlauchlining?

Bei einer Funktionsausschreibung legst du das gewünschte Ergebnis fest, zum Beispiel eine dichte, statisch ausreichende Rohrinnenwand, ohne das Produkt oder die Einbaumethode vorzuschreiben. Bei einer Konstruktionsausschreibung gibst du dagegen das genaue Produkt, die Wanddicke und das Aushärteverfahren vor. Beide Ansätze haben beim Schlauchliner-Verfahren ihre Berechtigung, je nach Projektkomplexität und eigenem Fachwissen.

Vorteile der Funktionsausschreibung

Die Funktionsausschreibung gibt Bietern mehr Spielraum, innovative Lösungen einzureichen, und fördert den Wettbewerb. Du profitierst von der Marktexpertise der Unternehmen und erhältst möglicherweise wirtschaftlichere Angebote. Allerdings musst du die Bewertungskriterien für den Leistungsnachweis klar definieren, sonst wird der Angebotsvergleich schwierig.

Vorteile der Konstruktionsausschreibung

Die Konstruktionsausschreibung eignet sich, wenn du genaue Erfahrungen mit einem bestimmten System hast oder wenn besondere örtliche Bedingungen, wie sehr hoher Grundwasserdruck oder chemische Belastung, ein spezifisches Produkt erfordern. Der Nachteil: Du trägst als Auftraggeber mehr Verantwortung für die Richtigkeit der technischen Vorgaben. Wähle diesen Weg nur, wenn du die Inliner-Technik gut kennst oder fachkundige Planerunterstützung hast.

Welche Qualitätsnachweise müssen Bieter beim Schlauchlining vorlegen?

Bieter im Bereich Inliner-Sanierung müssen in der Regel Eignungsnachweise, Produktzulassungen und bauseitige Prüfprotokolle vorlegen. Dazu gehören mindestens eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine europäische technische Bewertung für das Schlauchliner-System, Referenzen vergleichbarer Projekte sowie Nachweise über die Qualifikation des eingesetzten Personals.

Konkret solltest du in der Ausschreibung folgende Qualitätsnachweise fordern:

  • Produktzulassung: DIBt-Zulassung oder gleichwertige Zertifizierung für das verwendete Schlauchliner-System
  • Werkstoffprüfung: Prüfberichte zu Biegezugfestigkeit und Biegemodul gemäß DIN EN ISO 178
  • Einbauprotokoll: Dokumentation der Aushärteparameter (Temperatur, Zeit, Lichtstärke bei UV-Aushärtung)
  • TV-Abschlussdokumentation: Videoinspektion nach dem Einbau gemäß DIN EN 13508-2
  • Dichtheitsprüfung: Nachweis nach DIN EN 1610 oder gleichwertig
  • Referenzliste: mindestens drei vergleichbare Projekte der letzten fünf Jahre mit Ansprechpartnern

Wer auf diese Nachweise verzichtet, riskiert, dass ein Bieter ein nicht zugelassenes oder minderwertiges System einbaut, das weder die statischen noch die hydraulischen Anforderungen erfüllt. Die Kosten für eine Nachsanierung übersteigen die vermeintlichen Einsparungen bei den Inliner-Rohrsanierungskosten um ein Vielfaches.

Wie wird die Abnahme von Schlauchlining-Maßnahmen in der Ausschreibung geregelt?

Die Abnahme einer Rohrsanierung mit Inliner-Technik wird in der Ausschreibung durch konkrete Abnahmekriterien, Prüfmethoden und Fristen geregelt. Üblich sind eine optische Abnahme per TV-Kamera, eine Dichtheitsprüfung sowie die Übergabe aller Einbau- und Prüfprotokolle als Voraussetzung für die Schlussrechnung.

Folgende Punkte solltest du im Abnahmekapitel deiner Ausschreibung festlegen:

  1. Teilabnahmen während der Ausführung: Kontrolle der Einbauparameter direkt nach dem Aushärten, bevor die Haltung wieder in Betrieb geht
  2. TV-Inspektion als Pflichtleistung: Videobegehung des fertigen Schlauchliner-Systems mit Dokumentation nach DIN EN 13508-2
  3. Dichtheitsprüfung: Art, Prüfdruck und Protokollformat verbindlich vorschreiben
  4. Wanddickenmessung: stichprobenartige Überprüfung der tatsächlichen Nennwanddicke
  5. Übergabedokumentation: vollständiges Bestandswerk mit allen Prüfprotokollen, Einbauberichten und Produktnachweisen
  6. Gewährleistungsregelung: klare Formulierung der Gewährleistungsfrist und der Pflichten des Auftragnehmers bei Mängeln

Eine klar geregelte Abnahme schützt dich vor Mängeln, die erst nach der Zahlung sichtbar werden. Definiere bereits in der Ausschreibung, welche Mängel zur Verweigerung der Abnahme führen und welche Fristen für die Nachbesserung gelten.

Welche Fehler machen Auftraggeber häufig bei Schlauchlining-Ausschreibungen?

Die häufigsten Fehler bei Schlauchlining-Ausschreibungen sind fehlende statische Bemessung, unklare Normverweise, das Fehlen von Qualifikationsnachweisen und zu vage formulierte Abnahmekriterien. Diese Lücken führen dazu, dass der günstigste Bieter nicht zwingend die beste Leistung erbringt und Streitigkeiten bei der Abnahme vorprogrammiert sind.

Im Einzelnen begegnen Planern und Auftraggebern folgende typische Schwachstellen:

  • Fehlende TV-Inspektion als Grundlage: Ohne aktuelle Bestandsaufnahme lässt sich die Wanddicke des Schlauchliner-Systems nicht korrekt bemessen.
  • Kein Verweis auf gültige Normen: Allgemeine Formulierungen wie „nach anerkannten Regeln der Technik“ reichen nicht aus, wenn du konkrete Qualitätsanforderungen durchsetzen willst.
  • Preis als einziges Wertungskriterium: Wer nur den günstigsten Anbieter wählt, ohne Qualitätskriterien zu gewichten, riskiert minderwertige Materialien oder unzureichende Wanddicken bei der Inliner-Sanierung.
  • Fehlende Angaben zu Nebenanschlüssen: Werden Stutzen nicht vollständig erfasst, entstehen Nachtragskosten, die die ursprünglichen Inliner-Rohrsanierungskosten deutlich übersteigen können.
  • Keine Regelung zur Gewährleistung: Ohne klare Gewährleistungsfristen und Haftungsregelungen ist die Durchsetzung von Mängelansprüchen schwierig.
  • Unvollständige Abnahmekriterien: Wenn nicht festgelegt ist, welche Prüfungen vor der Abnahme durchgeführt werden müssen, kann der Auftragnehmer die Leistung als erbracht erklären, ohne alle Qualitätsziele erreicht zu haben.

Viele dieser Fehler entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Schlauchliner-Verfahren. Eine frühzeitige Einbindung von Fachplanern oder erfahrenen Systemanbietern hilft, die Ausschreibung von Anfang an wasserdicht zu formulieren.

Wie wir bei Bodenbender Auftraggeber unterstützen

Wir bei Bodenbender wissen, dass eine sorgfältig formulierte Ausschreibung die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierungsmaßnahme ist. Deshalb unterstützen wir Auftraggeber, Planer und ausführende Unternehmen mit unserem gebündelten Systemwissen, das wir seit mehr als 50 Jahren in der grabenlosen Kanalinstandhaltung aufgebaut haben.

Konkret bieten wir dir folgende Unterstützung:

  • Technische Beratung zur Produktauswahl: Ob AIRBAGLINER®, Point-Liner® System oder Bodenbender Inliner System, wir helfen dir, das richtige Verfahren für dein Projekt zu wählen.
  • Systemdokumentation für Ausschreibungen: Wir stellen dir alle notwendigen Zulassungen, Prüfberichte und technischen Datenblätter zur Verfügung, die du für eine normkonforme Ausschreibung benötigst.
  • Schulungen in der Relining Academy: Über unsere Partnerleistungen schulen wir Anwender im sicheren Umgang mit unseren Systemlösungen, damit Einbau und Abnahme reibungslos laufen.
  • Begleitung von der Planung bis zur Abnahme: Wir stehen dir als Partner zur Seite, nicht nur bei der Produktlieferung, sondern auch bei technischen Fragen während der Ausführung.

Du willst deine nächste Schlauchlining-Ausschreibung auf einem soliden Fundament aufbauen? Nimm Kontakt mit uns auf und lass uns gemeinsam die beste Lösung für dein Projekt entwickeln.

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