Flexibler Rohrliner wird in korrodiertes Abwasserrohr eingeführt, rostfarbene Wandungen mit Lochfraß, Nahaufnahme.

Kann ein Inliner bei Korrosion im Abwasserrohr eingesetzt werden?

/ Anna Gerlach

Ja, ein Inliner kann bei Korrosion im Abwasserrohr eingesetzt werden, vorausgesetzt, die Rohrstruktur ist noch ausreichend stabil, um als Träger für den neuen Liner zu dienen. Die Inliner-Sanierung ist eine bewährte, grabenlose Methode, die korrodierte Rohre von innen heraus dauerhaft abdichtet und stabilisiert. In diesem Artikel erfährst du, welche Korrosionsarten auftreten, wie die Sanierung funktioniert und ab wann ein Rohraustausch unumgänglich wird.

Welche Arten von Korrosion kommen in Abwasserrohren vor?

In Abwasserrohren treten hauptsächlich zwei Korrosionsformen auf: die chemische Korrosion durch aggressive Medien im Abwasser und die biogene Schwefelsäurekorrosion, die durch Bakterienprozesse entsteht. Beide Formen können das Rohrmaterial von innen angreifen und langfristig zu Substanzverlust, Rissen und Undichtigkeiten führen.

Die biogene Schwefelsäurekorrosion ist besonders gefürchtet, weil sie im laufenden Betrieb kaum sichtbar ist. Sulfatreduzierende Bakterien erzeugen Schwefelwasserstoff, der an der Rohrwandung zu Schwefelsäure umgewandelt wird. Diese greift vor allem Betonrohre und Steinzeugrohre massiv an. Kunststoffrohre sind gegenüber dieser Form deutlich widerstandsfähiger.

Die chemische Korrosion entsteht durch den direkten Kontakt mit sauren oder laugenartigen Abwässern, Lösungsmitteln oder industriellen Reinigungsmitteln. Metallrohre aus Gusseisen oder Stahl sind hier besonders anfällig, da sie unter Einwirkung von Feuchtigkeit und aggressiven Stoffen rosten und porös werden.

Zusätzlich spielt die mechanische Abrasion eine Rolle: Feststoffpartikel im Abwasser schleifen die Rohrinnenwand kontinuierlich ab und verstärken bestehende Korrosionsschäden. Das Zusammenspiel dieser Faktoren macht eine frühzeitige Inspektion und Sanierung besonders wichtig.

Wie funktioniert ein Inliner als Schutz gegen Korrosion?

Ein Inliner wird als neues Rohr-im-Rohr-System in das beschädigte Altrohr eingebracht und bildet dort eine geschlossene, korrosionsbeständige Innenschicht. Das Material des Liners, in der Regel ein mit Kunstharz getränkter Gewebeschlauch, härtet vor Ort aus und verbindet sich fest mit der Rohrwandung. Das Ergebnis ist ein stabiles, hydraulisch glattes Innenrohr ohne Nähte oder Verbindungsstellen.

Bei der Inliner-Technik unterscheidet man grundsätzlich zwischen der Langstreckensanierung und der partiellen Sanierung. Bei der Langstreckensanierung wird ein durchgehender Schlauch über die gesamte Haltungslänge eingezogen. Bei der partiellen Sanierung, etwa mit einem Point-Liner® System, wird gezielt nur der schadhafte Bereich abgedichtet, das ist besonders wirtschaftlich, wenn Korrosion nur lokal aufgetreten ist.

Der ausgehärtete Liner ist chemisch resistent gegenüber den meisten im Abwasser vorkommenden Stoffen. Er schützt das Altrohr dauerhaft vor weiterer Korrosion, weil er den direkten Kontakt zwischen dem Abwasser und dem Rohrmaterial vollständig unterbindet.

Ab welchem Korrosionsgrad ist ein Inliner noch einsetzbar?

Ein Inliner ist grundsätzlich einsetzbar, solange das Altrohr noch eine ausreichende Restwandstärke besitzt, um dem Liner als Träger zu dienen. Als Faustregel gilt: Wenn mehr als 50 Prozent der Wandstärke durch Korrosion abgetragen wurden oder das Rohr strukturell instabil ist, muss eine Einzelfallprüfung durch einen Fachmann erfolgen.

Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Restwandstärke: Ist die verbleibende Wandstärke zu gering, kann der Liner den Erddruck nicht sicher aufnehmen.
  • Art der Verformung: Ovale Verformungen bis zu einem gewissen Grad sind sanierbar, starke Einbrüche oder Einstürze hingegen nicht.
  • Lage der Schäden: Lokale Korrosionsschäden lassen sich mit partiellen Linern wirtschaftlich beheben; flächige Schäden erfordern eine Vollsanierung.
  • Rohrmaterial: Betonrohre mit biogener Korrosion können intern stark zerstört sein, obwohl die Außenstruktur noch intakt wirkt.

Eine TV-Inspektion mit anschließender Zustandsklassifizierung nach ISYBAU oder DIN EN 13508 ist die Grundlage jeder Sanierungsentscheidung. Erst auf dieser Basis lässt sich zuverlässig beurteilen, ob eine Rohrsanierung mit Inliner möglich ist oder ein Austausch notwendig wird.

Welche Vorteile hat der Inliner gegenüber dem Rohraustausch bei Korrosion?

Der größte Vorteil der Inliner-Rohrsanierung gegenüber dem Rohraustausch ist die grabenlose Bauweise: Es müssen keine Straßen, Gehwege oder Flächen aufgegraben werden. Das spart nicht nur erhebliche Kosten für Tiefbau und Wiederherstellung, sondern reduziert auch die Beeinträchtigungen für Anwohner, Verkehr und umliegende Infrastruktur deutlich.

Weitere konkrete Vorteile im Überblick:

  • Geringere Gesamtkosten: Die Rohrsanierung mit Inliner ist in den meisten Fällen deutlich günstiger als ein offener Rohraustausch, weil Tiefbaukosten entfallen.
  • Kürzere Bauzeit: Eine Inliner-Sanierung ist oft innerhalb weniger Stunden oder Tage abgeschlossen, ein Rohraustausch kann Wochen dauern.
  • Kein Betriebsausfall: Das Rohrsystem kann in der Regel schnell wieder in Betrieb genommen werden.
  • Erhalt der Umgebung: Bäume, Leitungen und Beläge bleiben unberührt.
  • Hydraulische Verbesserung: Die glatte Innenoberfläche des Liners reduziert Ablagerungen und verbessert den Durchfluss.

Wenn du mehr über die verfügbaren Leistungen und Sanierungslösungen erfahren möchtest, lohnt sich ein direkter Blick auf die Möglichkeiten, die grabenlose Technologien heute bieten.

Wie wird ein Abwasserrohr vor der Inliner-Sanierung vorbereitet?

Vor der Einbringung eines Inliners muss das Abwasserrohr gründlich gereinigt und inspiziert werden. Korrosionsrückstände, Ablagerungen, Wurzeleinwüchse und lose Rohrteile werden durch Hochdruckspülung und mechanische Reinigung entfernt. Anschließend erfolgt eine TV-Kamerabefahrung, um den genauen Zustand des Rohres zu dokumentieren.

Die Vorbereitung umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Hochdruckreinigung: Entfernung von Ablagerungen, Inkrustierungen und Korrosionsrückständen von der Rohrinnenwand.
  2. TV-Inspektion: Kamerabefahrung zur genauen Schadensdokumentation und Zustandsklassifizierung.
  3. Fräsarbeiten (falls notwendig): Beseitigung von Hindernissen wie Wurzeln, einragenden Muffen oder Betonnasen.
  4. Trocknung: Je nach Linersystem muss die Rohrinnenwand ausreichend trocken sein, damit das Harz optimal aushärten kann.
  5. Einmessen und Zuschnitt: Der Linerschlauch wird auf die genaue Länge und den Durchmesser des zu sanierenden Rohrabschnitts vorbereitet.

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend für die Qualität und Langlebigkeit der Sanierung. Wird dieser Schritt vernachlässigt, kann der Liner nicht optimal an die Rohrwand anbinden, was die Haltbarkeit beeinträchtigt.

Wie lange hält ein Inliner in einem korrosionsgefährdeten Rohr?

Ein fachgerecht eingebrachter Inliner erreicht in korrosionsgefährdeten Rohren eine Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr. Voraussetzung ist eine korrekte Vorbehandlung des Rohres, die Verwendung zertifizierter Materialien und eine fachgerechte Ausführung nach anerkannten technischen Regeln.

Die Langlebigkeit des Liners hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Materialqualität: Hochwertige, zertifizierte Harzsysteme und Trägermaterialien sind die Basis für eine lange Nutzungsdauer.
  • Einbauqualität: Lufteinschlüsse, unvollständige Aushärtung oder mangelhafte Anbindung an Anschlüsse verkürzen die Lebensdauer erheblich.
  • Betriebsbedingungen: Extrem aggressive Abwässer oder ungewöhnlich hohe Temperaturen können die Standzeit reduzieren.
  • Regelmäßige Wartung: Auch sanierte Rohre sollten in regelmäßigen Abständen inspiziert werden, um Folgeschäden frühzeitig zu erkennen.

Zertifizierte Systeme, die nach DIN EN ISO 11296 oder vergleichbaren Normen geprüft wurden, bieten die beste Gewähr für die angegebenen Standzeiten. Bei korrekter Ausführung ist die Inliner-Sanierung damit eine langfristige und wirtschaftliche Alternative zum Rohraustausch.

So unterstützt Bodenbender bei der Inliner-Sanierung korrodierter Rohre

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren in der grabenlosen Kanal- und Rohrsanierung tätig und bieten dir als Sanierungsunternehmen oder Auftraggeber zertifizierte Systemlösungen, die speziell für den Einsatz in korrosionsgeschädigten Rohren entwickelt wurden. Unser Produktportfolio deckt alle relevanten Sanierungsszenarien ab:

  • AIRBAGLINER® für die Langstreckensanierung ganzer Haltungen
  • Point-Liner® System für die partielle Sanierung einzelner Schadstellen
  • Bodenbender PointHat System für die zuverlässige Einlaufsanierung
  • Individuelle Beratung zur Systemauswahl je nach Korrosionsgrad und Rohrzustand
  • Schulungen in unserer Relining Academy für den sicheren Umgang mit unseren Systemen
  • Technischer Support und Begleitung von der Planung bis zur Abnahme

Egal, ob du einen einzelnen Schadensbereich partiell sanieren oder eine gesamte Haltung langfristig schützen möchtest, wir helfen dir, die richtige Lösung zu finden. Nimm jetzt Kontakt auf und lass dich unverbindlich beraten.

Ähnliche Artikel

Nach oben scrollen