Zylindrischer Gummi-Packer in einem unterirdischen Betonrohr, aufgeblasene Dichtringe pressen Reparaturharz in den Liner-Patch.

Was ist ein Packer bei der Rohrsanierung und wie funktioniert er?

/ Anna Gerlach

Ein Packer bei der Rohrsanierung ist ein aufblasbares Werkzeug, das einen mit Kunstharz getränkten Liner gezielt an einer Schadstelle im Rohr positioniert und unter Druck aushärten lässt. Das Ergebnis ist ein stabiler, nahtloser Reparaturabschnitt, der das beschädigte Rohrstück von innen heraus erneuert, ohne dass du die Erde aufgraben musst. In diesem Artikel erfährst du, wie das Verfahren genau funktioniert, welche Varianten es gibt und wann es die richtige Wahl ist.

Wie funktioniert ein Packer bei der Rohrsanierung?

Ein Packer funktioniert, indem er einen mit Epoxidharz oder einem anderen Reaktionsharz getränkten Gewebeliner an die gewünschte Position im Rohr schiebt, ihn dort mit Druckluft aufbläst und so fest gegen die Rohrwand presst, bis das Harz ausgehärtet ist. Nach dem Aushärten bleibt ein formstabiler Inliner zurück, der den Schaden dauerhaft verschließt.

Der genaue Ablauf lässt sich in wenige Schritte zusammenfassen:

  1. Kamerainspektion: Zunächst wird das Rohr mit einer TV-Kamera untersucht, um Lage und Ausmaß des Schadens genau zu dokumentieren.
  2. Reinigung: Die betroffene Rohrleitung wird gereinigt, damit der Liner später optimal haftet.
  3. Vorbereitung des Liners: Ein Gewebeschlauch wird mit dem passenden Harz getränkt und auf den Packer aufgezogen.
  4. Einfahren und Positionieren: Der Packer wird mit einem Kameraschlitten oder einer Einführhilfe millimetergenau zur Schadstelle gefahren.
  5. Aufblasen und Aushärten: Druckluft bläst den Packer auf, presst den Liner an die Rohrwand und hält ihn dort, bis das Harz ausgehärtet ist.
  6. Qualitätskontrolle: Eine abschließende Kamerabefahrung bestätigt das Ergebnis.

Das gesamte Verfahren dauert je nach Schadensumfang und Rohrdurchmesser oft nur wenige Stunden. Der Packer selbst wird nach dem Aushärten wieder deflationiert und aus dem Rohr gezogen, während der neue Liner dauerhaft im Rohr verbleibt.

Welche Arten von Packern gibt es in der Kanalsanierung?

In der Kanalsanierung unterscheidet man grundsätzlich zwischen Einzelpackern für punktuelle Reparaturen, Doppelpackern für definierte Abschnitte und Spezialpackern für Abzweige oder Einläufe. Die Wahl hängt von der Art des Schadens, dem Rohrdurchmesser und der Position im System ab.

Einzel- und Doppelpacker

Der Einzelpacker ist die einfachste Variante. Er trägt den Liner an genau einem Punkt auf und eignet sich für kleine, klar lokalisierbare Schäden wie Risse oder undichte Muffen. Der Doppelpacker hingegen besteht aus zwei aufblasbaren Elementen, die einen definierten Abschnitt einschließen. Dadurch lassen sich auch etwas längere Schadstellen gezielt behandeln, ohne den gesamten Leitungsabschnitt zu sanieren.

Spezialformen für Abzweige und Einläufe

Für Hausanschlüsse oder Seitenzuläufe gibt es sogenannte Hutprofil-Packer oder Stutzenpacker. Sie sanieren nicht nur die Hauptleitung, sondern auch den Übergang zum Abzweig, was besonders bei undichten Einlaufbereichen wichtig ist. Darüber hinaus existieren Packer für den Einsatz in unterschiedlichen Rohrdurchmessern, von kleinen Hausleitungen bis hin zu großen Abwasserkanälen.

Wann wird ein Packer statt einer Langstreckensanierung eingesetzt?

Ein Packer wird eingesetzt, wenn der Schaden räumlich begrenzt ist, also ein einzelner Riss, eine undichte Muffe oder ein lokaler Einbruch vorliegt. Eine Langstreckensanierung lohnt sich erst, wenn ein Rohr auf einer größeren Strecke mehrere Schäden aufweist oder strukturell so stark geschwächt ist, dass eine punktuelle Reparatur wirtschaftlich keinen Sinn ergibt.

Typische Situationen, in denen der Packer die bessere Wahl ist:

  • Einzelne undichte Rohrmuffen in einem ansonsten intakten Kanal
  • Kleine Risse oder Scherbenbildung an einer isolierten Stelle
  • Sanierung nach einem TV-Befund mit nur einem oder zwei Schadpunkten
  • Reparatur nach einer vorherigen Sanierungsmaßnahme, bei der eine Einzelstelle nachgebessert werden muss
  • Zeitkritische Notfallreparaturen, bei denen schnelles Handeln gefragt ist

Wenn du dir unsicher bist, ob ein Packer oder eine Langstreckensanierung die richtige Lösung ist, liefert eine gründliche Kamerainspektion die entscheidende Grundlage. Die Entscheidung sollte immer auf Basis eines dokumentierten Schadensbildes getroffen werden.

Welche Materialien und Harze werden beim Packer-Verfahren verwendet?

Beim Packer-Verfahren kommen in der Regel Gewebeliner aus Glasfaser, Polyester oder Filz zum Einsatz, die mit Epoxidharz, Polyesterharz oder UV-härtenden Harzsystemen getränkt werden. Die Materialwahl richtet sich nach dem Rohrmaterial, dem Durchmesser, der Belastung und den chemischen Anforderungen des Abwassers.

Epoxidharz ist das am häufigsten verwendete System. Es haftet gut auf vielen Untergründen, ist chemisch beständig und entwickelt nach dem Aushärten eine hohe Druckfestigkeit. Polyesterharz ist kostengünstiger, aber weniger flexibel und weniger beständig gegenüber aggressiven Medien. UV-härtende Harze ermöglichen eine sehr schnelle und kontrollierte Aushärtung durch UV-Licht, was besonders bei zeitkritischen Einsätzen von Vorteil ist.

Der Liner selbst muss so beschaffen sein, dass er sich beim Aufblasen gleichmäßig an die Rohrinnenwand anschmiegt und keine Falten oder Hohlräume entstehen. Qualitativ hochwertige Liner sind zertifiziert und entsprechen den geltenden Normen für die Rohrsanierung, etwa der DIN EN ISO 11296.

Was sind die Vorteile des grabenlosen Packer-Verfahrens gegenüber offener Bauweise?

Das grabenlose Packer-Verfahren ist in den meisten Fällen schneller, kostengünstiger und weniger belastend als die offene Bauweise, weil keine Aufgrabung notwendig ist. Straßen, Gehwege, Gärten und Gebäudestrukturen bleiben unberührt, und der laufende Betrieb wird kaum unterbrochen.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Kein Aufgraben: Oberflächen bleiben intakt, keine Wiederherstellungskosten für Asphalt oder Pflaster
  • Geringere Gesamtkosten: Der Entfall von Erdarbeiten, Entsorgung und Wiederherstellung senkt das Budget deutlich
  • Schnelle Ausführung: Viele Reparaturen lassen sich innerhalb eines Tages abschließen
  • Minimale Verkehrs- und Betriebsbeeinträchtigung: Besonders in dicht besiedelten Gebieten oder unter Straßen ein entscheidender Vorteil
  • Umweltschonend: Weniger Lärm, weniger Staub, kein Eingriff in das Erdreich
  • Erhalt der Rohrstatik: Das umliegende Erdreich bleibt ungestört, was die Stabilität des gesamten Leitungssystems schützt

Gerade in urbanen Bereichen, wo Versorgungsleitungen, Keller oder Fundamente in unmittelbarer Nähe liegen, ist das grabenlose Verfahren oft die einzig praktikable Option. Mehr zu den verschiedenen grabenlosen Sanierungslösungen findest du auf unserer Website.

Wie lange hält eine mit dem Packer-Verfahren sanierte Rohrleitung?

Eine mit dem Packer-Verfahren fachgerecht sanierte Rohrleitung hält in der Regel mehrere Jahrzehnte. Branchenübliche Erfahrungswerte und Herstellergarantien gehen häufig von einer Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr aus, sofern die Sanierung normgerecht ausgeführt und das richtige Harzsystem verwendet wurde.

Die tatsächliche Lebensdauer hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Qualität des verwendeten Liners und Harzsystems
  • Sorgfalt bei der Oberflächenvorbereitung und Positionierung
  • Belastung durch Abwassermengen, Temperaturen und chemische Einflüsse
  • Zustand des umgebenden Rohrmaterials
  • Regelmäßige Inspektion und Wartung nach der Sanierung

Ein wichtiger Punkt: Der Liner ersetzt nicht das gesamte Rohr, sondern schafft eine neue, glatte Innenfläche im Bereich des Schadens. Wenn das umliegende Rohr weiter altert oder weitere Schäden entstehen, können ergänzende Maßnahmen notwendig werden. Deshalb ist eine regelmäßige TV-Inspektion nach der Sanierung empfehlenswert.

Wie Bodenbender dich bei der Rohrsanierung mit dem Packer-Verfahren unterstützt

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren in der grabenlosen Rohr- und Kanalsanierung tätig und verstehen, dass jede Schadstelle ihre eigenen Anforderungen mitbringt. Als Systemanbieter und Hersteller bieten wir dir alles aus einer Hand, was du für eine professionelle Packer-Sanierung benötigst:

  • Zertifizierte Systemlösungen: Unsere Produkte wie der PL®-PointLiner sind speziell für die partielle Sanierung entwickelt und entsprechen höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards.
  • Passende Harzsysteme und Liner: Wir liefern aufeinander abgestimmte Materialien, die für unterschiedliche Rohrdurchmesser und Schadenssituationen geeignet sind.
  • Schulung und Wissensvermittlung: Über unsere Relining Academy schulen wir dich und dein Team im sicheren und korrekten Umgang mit unseren Systemlösungen.
  • Individuelle Beratung: Unser erfahrenes Team hilft dir, das richtige Verfahren und die passenden Produkte für dein Projekt auszuwählen.
  • Fahrzeugausbau: Wir bauen Sanierungsfahrzeuge aus, auf oder um, damit du optimal für den Einsatz gerüstet bist.

Ob du zum ersten Mal mit dem Packer-Verfahren arbeitest oder dein bestehendes System optimieren möchtest, wir begleiten dich vom ersten Gespräch bis zur fertigen Lösung. Schau dir unser Produkt- und Techniksortiment an oder nimm direkt Kontakt mit uns auf, damit wir gemeinsam die beste Lösung für dein Projekt finden.

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