Querschnitt eines stark korrodierten Untergrundrohr mit rostorangen und chemisch-grünen Ablagerungen an der Innenwand und trübem Wasser am Boden.

Wie wirkt sich aggressive Abwässer auf Rohrleitungen aus?

/ Anna Gerlach

Aggressive Abwässer greifen Rohrleitungen durch chemische und biologische Prozesse an, die das Rohrmaterial von innen zersetzen. Besonders gefährlich sind säurebildende Verbindungen, die im Kanalsystem entstehen und Beton sowie bestimmte Kunststoffe dauerhaft schädigen. In diesem Artikel erfährst du, welche Stoffe verantwortlich sind, wie Schäden entstehen und wie du betroffene Rohre sanieren kannst.

Welche Inhaltsstoffe in Abwässern greifen Rohrleitungen an?

Rohrleitungen werden vor allem durch Säuren, Laugen, Fette, lösliche Sulfate und organische Verbindungen angegriffen. Diese Stoffe gelangen über Haushaltsabwässer, industrielle Einleitungen und natürliche Zersetzungsprozesse in das Kanalsystem und setzen dort chemische Reaktionen in Gang, die das Rohrmaterial schrittweise schwächen.

Im Alltag entstehen aggressive Abwässer aus ganz unterschiedlichen Quellen. Haushaltsreiniger mit hohem pH-Wert, Fette aus der Küche und organische Rückstände aus Lebensmitteln bilden im Kanal ein Milieu, das Mikroorganismen ideale Lebensbedingungen bietet. Diese Mikroorganismen produzieren ihrerseits Stoffwechselprodukte, die das Rohrmaterial weiter angreifen.

Noch aggressiver sind Einleitungen aus Industrie und Gewerbe. Säuren aus der Metallindustrie, lösliche Sulfate aus Gipsprodukten oder Reinigungschemikalien aus dem Lebensmittelbereich können die Abwasserinfrastruktur erheblich belasten. Besonders problematisch ist die Kombination verschiedener Stoffe, da chemische Wechselwirkungen die Korrosionswirkung deutlich verstärken können.

Wie entsteht Schwefelwasserstoff im Kanalsystem?

Schwefelwasserstoff (H₂S) entsteht im Kanalsystem, wenn sulfatreduzierende Bakterien unter Sauerstoffmangel organische Substanzen abbauen. Das dabei freigesetzte Gas steigt an die Rohrwandung, wird dort zu Schwefelsäure oxidiert und greift das Rohrmaterial direkt an. Dieser Prozess ist eine der häufigsten Ursachen für Betonkorrosion in Abwasserleitungen.

Die Bedingungen für die Entstehung von Schwefelwasserstoff sind in vielen Kanalsystemen begünstigt: geringe Fließgeschwindigkeiten, lange Verweilzeiten des Abwassers, hohe Temperaturen und ein hoher Anteil schwefelhaltiger Verbindungen. Druckleitungen und wenig belüftete Kanalabschnitte sind besonders anfällig, weil dort der Sauerstoffgehalt schnell auf null sinkt.

Sobald H₂S in die Gasphase übergeht und auf feuchte Betonoberflächen trifft, setzen Schwefelbakterien das Gas zu Schwefelsäure um. Diese Säure reagiert mit dem Calciumhydroxid im Beton und bildet Gips, der das Gefüge aufweicht und zerstört. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als biogene Schwefelsäurekorrosion, und er kann innerhalb weniger Jahre zu erheblichen Rohrschäden an Abwasserleitungen führen.

Welche Rohrwerkstoffe sind besonders anfällig für Korrosion?

Beton und Stahlbeton gelten als besonders anfällig für biogene Schwefelsäurekorrosion, weil ihr alkalischer Grundcharakter mit Schwefelsäure reagiert. Auch ungeschützte Gusseisenrohre und bestimmte Zementmörtelauskleidungen sind gefährdet. Moderne Kunststoffrohre aus PVC oder PE sind chemisch deutlich widerstandsfähiger, aber nicht universell beständig gegen alle aggressiven Abwässer.

Beton und Stahlbeton

Betonrohre dominieren ältere Kanalsysteme und sind durch ihre Zusammensetzung besonders anfällig für Säureangriffe. Schwefelsäure löst den Zementstein auf, die Rohrwand verliert ihre Festigkeit und kann im fortgeschrittenen Stadium vollständig durchkorrodieren. In stark belasteten Systemen kann die Wandstärke eines Betonrohres innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren erheblich reduziert werden.

Metallische Werkstoffe

Gusseisen und Stahl reagieren vor allem auf saure Abwässer und auf Abwässer mit hohem Chloridgehalt. Ohne Schutzauskleidung bildet sich Rost, der das Rohr von innen aufweicht. Besonders kritisch ist der Angriff an Verbindungsstellen und Muffen, wo das Metall häufig weniger gut geschützt ist.

Woran erkennt man Schäden durch aggressive Abwässer?

Schäden durch aggressive Abwässer erkennst du an typischen Zeichen wie einer rauen, porösen oder abgeplatzten Rohrinnenwandung, sichtbaren Ablagerungen oder Ausblühungen sowie an Rissen und Hohlräumen im Rohrmaterial. Eine Kamerainspektion zeigt diese Schäden zuverlässig und ist der erste Schritt bei der Schadensdiagnose.

Im Außenbereich können sich Schäden durch Absenkungen im Straßenbelag, feuchte Stellen im Erdreich oder Geruchsbelästigungen bemerkbar machen. Diese Symptome deuten darauf hin, dass Abwasser bereits aus der Leitung austritt und das umliegende Erdreich belastet. An diesem Punkt ist der Handlungsbedarf dringend.

Im Inneren des Rohres sind folgende Merkmale typisch für Schäden durch aggressive Abwässer:

  • Aufgeraute oder löchrige Rohrwandung durch Materialabtrag
  • Weißliche Ausblühungen oder Gipsablagerungen bei Betonkorrosion
  • Risse, Scherbenbildung oder Ablösungen von Rohrfragmenten
  • Rostfahnen oder Verfärbungen bei metallischen Rohren
  • Verformungen oder Einbrüche bei stark geschwächten Wandstärken

Eine regelmäßige Kanalinspektion ist der sicherste Weg, um Rohrschäden an Abwasserleitungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie zu Folgeschäden an der Umgebung führen.

Wie lassen sich durch Abwässer geschädigte Rohre sanieren?

Durch aggressive Abwässer geschädigte Rohre lassen sich mit grabenlosen Sanierungsverfahren wie dem Inliner-Verfahren, der Kurzliner-Sanierung oder der Schachtsanierung reparieren, ohne dass aufwendige Erdarbeiten notwendig sind. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Art des Schadens, der Rohrgröße und dem Ausmaß der Beschädigung ab.

Grabenlose Verfahren haben sich in der Praxis bewährt, weil sie Kosten und Beeinträchtigungen für Anwohner und Verkehr deutlich reduzieren. Dabei wird ein neues Innenrohr oder eine Auskleidung in das bestehende Rohr eingebracht, die die ursprüngliche Rohrfunktion wiederherstellt und gleichzeitig gegen künftige Korrosion schützt.

Die gängigsten Methoden im Überblick:

  • Schlauchlining (Inliner-Verfahren): Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird in das beschädigte Rohr eingebracht und ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein neues, glattes Innenrohr mit hoher chemischer Beständigkeit.
  • Kurzliner oder Partialiner: Für lokale Schäden eignet sich die partielle Sanierung einzelner Schadstellen, ohne die gesamte Leitung sanieren zu müssen.
  • Schachtsanierung: Schächte, die durch biogene Korrosion angegriffen wurden, lassen sich mit speziellen Beschichtungssystemen oder Inlinern dauerhaft schützen.
  • Einlaufsanierung: Hausanschlussbereiche und Einlaufzonen sind häufig besonders stark belastet und können gezielt mit Kurzlinern oder Formteilen saniert werden.

Nach der Sanierung ist es sinnvoll, die Ursachen für die Korrosion zu analysieren und, wenn möglich, zu reduzieren, zum Beispiel durch verbesserte Belüftung des Kanals oder die Kontrolle industrieller Einleitungen.

So unterstützt dich Bodenbender bei der Rohrsanierung

Wenn aggressive Abwässer deinen Rohrleitungen zugesetzt haben, bieten wir dir als Systemanbieter mit jahrzehntelanger Erfahrung die passenden Lösungen für eine dauerhafte und grabenlose Sanierung. Unsere zertifizierten Systemlösungen decken alle relevanten Sanierungsbereiche ab und sind speziell auf die Anforderungen der Abwasserinfrastruktur ausgelegt:

  • PL®-Inliner und PL®-PointLiner für Langstrecken- und Partialsanierungen
  • Airbagliner® für die effiziente Sanierung von Abzweigen und Einläufen
  • Individuelle Schachtsanierungslösungen für korrodierte Schachtbauwerke
  • Schulungen über unsere Relining Academy für den sicheren Einsatz aller Systemlösungen
  • Beratung und Begleitung von der Planung bis zur fertigen Sanierung

Ob du ein einzelnes Schadensbild beheben oder ein ganzes Kanalnetz systematisch sanieren möchtest, wir stehen dir als Partner zur Seite. Nimm Kontakt mit uns auf und lass dich von unserem Team beraten, welches Verfahren für deinen Anwendungsfall am besten geeignet ist.

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