Techniker führt Inspektionskamera mit LED-Ring in dunkle Kanalrohr-Öffnung aus verwittertem Beton ein.

Wie wird die Qualität einer Rohrsanierung geprüft?

/ Anna Gerlach

Die Qualität einer Rohrsanierung wird durch eine Kombination aus visueller Inspektion per Rohrkamera, Dichtheitsprüfung und Kontrolle anhand anerkannter Normen geprüft. Diese Prüfverfahren stellen sicher, dass der sanierte Inliner oder die reparierte Stelle dauerhaft dicht, stabil und funktionsfähig ist. Im Folgenden erfährst du, welche Methoden eingesetzt werden, was dabei genau kontrolliert wird und wann eine Wiederholungsprüfung sinnvoll oder vorgeschrieben ist.

Welche Prüfverfahren werden nach einer Rohrsanierung eingesetzt?

Nach einer Rohrsanierung kommen in der Regel zwei zentrale Prüfverfahren zum Einsatz: die Kamerabefahrung zur visuellen Zustandskontrolle und die Dichtheitsprüfung zur Überprüfung der Wasserdichtigkeit. Beide Verfahren ergänzen sich und liefern zusammen ein vollständiges Bild über die Qualität der durchgeführten Sanierungsmaßnahme.

Welches Verfahren konkret angewendet wird, hängt von der Art der Sanierung ab. Bei einer partiellen Rohrsanierung genügt oft eine gezielte Punktprüfung, während bei einer Langstreckensanierung mit einem Inliner eine vollständige Streckenprüfung erforderlich ist. Zu den gängigen Prüfverfahren zählen:

  • Kamerabefahrung (CCTV-Inspektion): Visuelle Kontrolle des Rohrzustands nach der Sanierung
  • Dichtheitsprüfung mit Wasser oder Luft: Nachweis der Wasserdichtigkeit des sanierten Abschnitts
  • Sichtprüfung an Schächten und Einläufen: Kontrolle von Anschlussstellen und Übergängen
  • Dokumentation und Protokollierung: Erstellung eines Prüfberichts als Nachweis gegenüber Auftraggebern oder Behörden

Gerade bei Abwasserleitungen ist die lückenlose Dokumentation besonders wichtig, da Kommunen und Netzbetreiber den Nachweis einer erfolgreichen Sanierung gesetzlich fordern können.

Was wird bei der Kamerabefahrung nach der Sanierung genau geprüft?

Bei der Kamerabefahrung nach einer Rohrsanierung wird geprüft, ob der Inliner oder die reparierte Stelle korrekt eingebaut ist, keine Falten oder Hohlräume aufweist und alle Anschlüsse sauber geöffnet wurden. Die Rohrkamera fährt den sanierten Abschnitt vollständig ab und liefert ein Videobild, das ausgewertet und dokumentiert wird.

Konkret kontrolliert der Kameraoperateur folgende Punkte:

  • Lagegenauigkeit des Liners: Liegt der Inliner gleichmäßig an der Rohrwand an, ohne Verschiebungen oder Lufteinschlüsse?
  • Oberfläche des ausgehärteten Materials: Gibt es Risse, Falten oder Ablösungen, die auf Verarbeitungsfehler hinweisen?
  • Zustand der Anschlüsse: Wurden alle Hausanschlüsse und Einläufe nach der Sanierung wieder vollständig geöffnet?
  • Übergänge zu nicht sanierten Bereichen: Sind die Übergangsbereiche dicht und ohne Stufen oder Versätze?
  • Restquerschnitt: Ist der Rohrquerschnitt nach der Sanierung ausreichend groß für den vorgesehenen Durchfluss?

Die Kamerabefahrung ist in der Praxis das wichtigste Werkzeug zur Qualitätssicherung nach einer grabenlosen Rohrsanierung. Sie deckt Fehler auf, die von außen nicht sichtbar wären, und bildet die Grundlage für die Abnahme durch den Auftraggeber.

Wie läuft eine Dichtheitsprüfung bei sanierten Rohren ab?

Die Dichtheitsprüfung bei sanierten Rohren erfolgt entweder als Wasserdruckprüfung oder als Luftdruckprüfung. Dabei wird der sanierte Abschnitt abgesperrt, mit einem definierten Druck beaufschlagt und über einen festgelegten Zeitraum beobachtet. Bleibt der Druck stabil, gilt der Abschnitt als dicht.

Wasserdruckprüfung

Bei der Wasserdruckprüfung wird der abgesperrte Rohrabschnitt mit Wasser gefüllt und auf einen bestimmten Prüfdruck gebracht. Anschließend wird gemessen, wie viel Wasser nachgefüllt werden muss, um den Druck zu halten. Ein zu hoher Wasserverlust zeigt an, dass der Liner oder ein Anschluss undicht ist. Dieses Verfahren ist besonders bei größeren Nennweiten und langen Sanierungsstrecken verbreitet.

Luftdruckprüfung

Die Luftdruckprüfung funktioniert nach demselben Prinzip, verwendet aber Luft statt Wasser. Sie ist schneller durchführbar und eignet sich gut für kürzere Abschnitte und partielle Reparaturen. Beide Verfahren sind normgerecht und liefern vergleichbar zuverlässige Ergebnisse, wenn sie korrekt durchgeführt werden.

Wichtig ist, dass die Prüfung erst nach vollständiger Aushärtung des Liners durchgeführt wird. Wird zu früh geprüft, kann das Material noch nicht seine endgültige Festigkeit erreicht haben, was zu verfälschten Ergebnissen führt.

Welche Normen und Richtlinien gelten für die Qualitätsprüfung?

Für die Qualitätsprüfung nach einer Rohrsanierung gelten in Deutschland vor allem die DIN EN 13508-2 für die Zustandserfassung von Entwässerungssystemen sowie die DIN EN 805 und DIN 1986-30 für Dichtheitsprüfungen. Ergänzend sind die Merkblätter der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) maßgeblich, insbesondere das DWA-M 143 für die Sanierung von Abwasserleitungen.

Diese Normen legen fest:

  • Welche Prüfmethoden zulässig sind
  • Welche Prüfdrücke und Prüfzeiten einzuhalten sind
  • Wie Prüfergebnisse zu dokumentieren und zu bewerten sind
  • Welche Grenzwerte für Druckverluste oder Wasserverluste gelten

Für Auftragnehmer und ausführende Betriebe ist die Einhaltung dieser Normen nicht nur eine Qualitätsfrage, sondern oft auch eine vertragliche und haftungsrechtliche Anforderung. Kommunen schreiben in Ausschreibungen regelmäßig vor, nach welchen Normen die Prüfung zu erfolgen hat und welche Nachweise zu erbringen sind.

Wann muss die Qualität einer Rohrsanierung erneut geprüft werden?

Die Qualität einer Rohrsanierung muss erneut geprüft werden, wenn ein bestimmter Prüfzyklus abgelaufen ist, neue Schäden oder Auffälligkeiten auftreten oder gesetzliche Vorschriften eine Wiederholungsprüfung verlangen. In Deutschland schreibt die DIN 1986-30 für private Grundstücksentwässerungsanlagen je nach Baujahr und Lage der Leitungen Prüfintervalle von in der Regel 15 bis 30 Jahren vor.

Darüber hinaus sind Wiederholungsprüfungen in folgenden Situationen sinnvoll oder vorgeschrieben:

  • Nach Baumaßnahmen in der Nähe: Erschütterungen durch Bauarbeiten können auch sanierte Rohre beschädigen.
  • Bei wiederkehrenden Verstopfungen: Häufige Verstopfungen im Rohr können auf Schäden am Liner oder an Anschlüssen hinweisen.
  • Nach starken Witterungsereignissen: Starkregen oder Frost können die Belastung auf Rohrleitungen erhöhen und bestehende Schwachstellen sichtbar machen.
  • Bei Eigentumsübertragungen: Beim Kauf oder Verkauf eines Grundstücks wird häufig eine aktuelle Dichtheitsprüfung verlangt.

Wer regelmäßige Inspektionen durchführt, erkennt Rohrschäden frühzeitig und kann mit einer gezielten Reparatur reagieren, bevor ein Rohrbruch oder eine größere Undichtigkeit entsteht. Das spart langfristig Kosten und schützt das Grundstück vor Schäden durch austretendes Abwasser.

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