Gebrochenes Untergrundrohr mit lokalisiertem Harzliner-Patch, sichtbar durch offene Grabungsöffnung, Nahaufnahme der Schadensreparatur.

Wann reicht eine partielle Rohrsanierung aus?

/ Anna Gerlach

Eine partielle Rohrsanierung reicht aus, wenn der Schaden auf einen klar abgegrenzten Bereich begrenzt ist und das restliche Rohr in einem technisch einwandfreien Zustand ist. Statt die gesamte Leitung zu erneuern, wird nur die schadhafte Stelle gezielt repariert. Das spart Zeit, Kosten und vermeidet unnötige Eingriffe in die Bausubstanz. In diesem Artikel beantwortest du alle wichtigen Fragen rund um die partielle Sanierung.

Welche Schadenstypen eignen sich für eine partielle Sanierung?

Für eine partielle Rohrsanierung eignen sich vor allem lokale, räumlich begrenzte Schäden wie Risse, Scherbenbildung, Inkrustierungen, Rohrbrüche an einzelnen Stellen oder undichte Verbindungen. Entscheidend ist, dass der Schaden klar lokalisierbar ist und die umgebenden Rohrabschnitte noch ausreichend stabil sind.

Typische Schadensbilder, bei denen eine punktuelle Reparatur sinnvoll ist:

  • Querrisse und Längsrisse in einzelnen Rohrabschnitten
  • Undichte Muffen oder Verbindungsstellen zwischen Rohrsegmenten
  • Einragende Stutzenanschlüsse, die den Abfluss behindern
  • Lokale Rohrbrüche durch Setzungen oder Wurzeleinwuchs
  • Korrosionsschäden an begrenzten Bereichen einer Abwasserleitung

Flächig verteilte Schäden, starke Verformungen oder ein insgesamt schlechter Rohrzustand sprechen hingegen eher für eine Langstreckensanierung. Die Grenze ist fließend und hängt immer von der Gesamtbewertung der Leitung ab.

Was sind die Grenzen der partiellen Rohrsanierung?

Die partielle Rohrsanierung stößt an ihre Grenzen, wenn Schäden über mehrere Meter verteilt sind, das Rohr strukturell geschwächt ist oder der Untergrund so instabil ist, dass punktuelle Reparaturen keine dauerhafte Lösung bieten. In solchen Fällen ist eine vollständige Sanierung oder ein Rohraustausch wirtschaftlich sinnvoller.

Weitere Ausschlusskriterien für eine partielle Sanierung:

  • Mehr als 30 bis 40 Prozent der Rohrlänge weisen Schäden auf
  • Das Rohr ist so stark verformt, dass ein Inliner nicht eingebracht werden kann
  • Starke Querschnittsverengungen durch Ablagerungen, die sich nicht reinigen lassen
  • Schadstellen liegen in unmittelbarer Nähe zueinander und überlappen funktional
  • Das Rohrmaterial ist für eine Harzverbindung nicht geeignet

Es lohnt sich, vor jeder Entscheidung eine professionelle Kamerabefahrung durchzuführen. Nur so lässt sich zuverlässig beurteilen, ob eine punktuelle Reparatur ausreicht oder ob größere Maßnahmen notwendig sind.

Wie wird der Zustand eines Rohres vor der Sanierung bewertet?

Vor einer partiellen Rohrsanierung wird der Rohrzustand in der Regel durch eine Rohrkamerainspektion bewertet. Eine Kamera fährt durch die Leitung und dokumentiert Schäden, ihre genaue Position und ihren Schweregrad. Diese Inspektion ist die Grundlage für jede Sanierungsentscheidung.

Der Ablauf einer Zustandsbewertung folgt dabei einem klaren Schema:

  1. Rohrreinigung: Vor der Inspektion wird die Leitung mit Hochdruckreinigung von Ablagerungen und Verstopfungen befreit.
  2. Kamerabefahrung: Eine Inspektionskamera fährt die Leitung ab und liefert ein lückenloses Bild des Innenzustands.
  3. Schadensklassifizierung: Schäden werden nach anerkannten Normen wie DIN EN 13508 bewertet und in Schadensklassen eingeteilt.
  4. Sanierungsempfehlung: Auf Basis der Klassifizierung wird entschieden, ob eine partielle Sanierung, eine Langstreckensanierung oder ein Austausch notwendig ist.

Moderne Inspektionssysteme können Schäden millimetergenau verorten, was bei der Planung einer punktuellen Reparatur entscheidend ist. Ohne diese Grundlage wäre eine gezielte Rohrsanierung nicht möglich.

Wie läuft eine partielle Rohrsanierung in der Praxis ab?

Bei einer partiellen Rohrsanierung wird ein kurzer, mit Kunstharz getränkter Inliner, auch Pointliner oder Kurzliner genannt, gezielt an der Schadstelle positioniert und dort ausgehärtet. Das Verfahren ist vollständig grabenlos und dauert in der Regel nur wenige Stunden.

Der typische Ablauf in der Praxis:

  1. Reinigung der Leitung: Zunächst wird der betroffene Rohrabschnitt mit Hochdruckreinigung gesäubert.
  2. Kamerainspektion zur Lagebestimmung: Die genaue Position der Schadstelle wird mit einer Rohrkamera dokumentiert.
  3. Einbringen des Liners: Ein mit Harz getränkter Kurzliner wird über einen Packer an die Schadstelle geführt.
  4. Aushärtung: Der Liner wird aufgeblasen und durch UV-Licht, Heißwasser oder Dampf ausgehärtet, sodass er eine stabile Innenschale bildet.
  5. Abschlusskontrolle: Nach der Aushärtung kontrolliert eine Kamera das Ergebnis und dokumentiert die fertige Sanierung.

Das Verfahren eignet sich für Rohrdurchmesser von DN 100 bis zu großen Nennweiten und funktioniert sowohl in Abwasserleitungen als auch in Hausanschlussleitungen. Da kein Aufgraben erforderlich ist, bleibt die Oberfläche vollständig erhalten.

Wann ist die partielle Sanierung kostengünstiger als der Rohraustausch?

Die partielle Rohrsanierung ist kostengünstiger als ein Rohraustausch, wenn der Schaden auf einen kurzen Abschnitt begrenzt ist und die Leitung ansonsten in gutem Zustand ist. Da kein Aufgraben notwendig ist, entfallen Erdarbeiten, Wiederherstellungskosten und lange Sperrzeiten.

Konkrete Faktoren, die die Kostenrechnung beeinflussen:

  • Lage des Rohres: Liegt die Leitung unter einer Straße, einem Gebäude oder einer Terrasse, sind die Aufgrabungskosten erheblich. Hier amortisiert sich die grabenlose Sanierung schnell.
  • Länge des Schadens: Ein Kurzliner für einen Schaden von 0,5 bis 1,5 Metern ist deutlich günstiger als der Austausch eines ganzen Rohrstrangs.
  • Betriebsunterbrechung: Beim Rohraustausch ist die Leitung oft tagelang außer Betrieb. Eine partielle Sanierung ist in der Regel innerhalb weniger Stunden abgeschlossen.
  • Nachfolgekosten: Straßensperrungen, Entsorgung von Aushub und Wiederherstellung von Oberflächen entfallen bei der grabenlosen Methode vollständig.

Als grobe Orientierung gilt: Sobald Aufgrabungskosten den eigentlichen Materialwert übersteigen, lohnt sich die partielle Sanierung fast immer. Genaue Kosten pro Meter hängen von Rohrdurchmesser, Tiefe, Zugänglichkeit und Schadensumfang ab.

Welche Normen und Zulassungen gelten für partielle Rohrsanierungen?

Partielle Rohrsanierungen müssen in Deutschland den Anforderungen der DIN EN ISO 11296 (für Kunststoffrohrsysteme zur Rohrsanierung) sowie der DIN EN 13566 entsprechen. Für die Zustandserfassung gilt die DIN EN 13508. Produkte und Verfahren benötigen in der Regel eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine europäische technische Bewertung.

Wichtige Normen und Regelwerke im Überblick:

  • DIN EN ISO 11296: Regelt Anforderungen an Systeme zur Renovierung von drucklos betriebenen Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden
  • DIN EN 13566: Spezifiziert Anforderungen an Kurzliner und partielle Sanierungssysteme
  • DIN EN 13508: Beschreibt die Zustandserfassung und Klassifizierung von Entwässerungssystemen
  • ATV-DVWK-Merkblätter: Ergänzende technische Regelwerke für die Sanierungsplanung in Deutschland
  • Zulassungen und Prüfzeugnisse: Produkte wie Liner und Harzsysteme müssen durch anerkannte Prüfinstitute zertifiziert sein

Für kommunale Auftraggeber und Netzbetreiber ist die Einhaltung dieser Normen nicht optional, sondern Voraussetzung für die Abnahme einer Sanierungsmaßnahme. Achte bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistern immer auf aktuelle Zulassungen und Prüfnachweise.

So unterstützt Bodenbender dich bei der partiellen Rohrsanierung

Wir bei Bodenbender sind seit mehr als 50 Jahren in der Kanalinstandhaltung tätig und haben uns als Systemanbieter für grabenlose Sanierungslösungen etabliert. Für die partielle Rohrsanierung bieten wir dir ein vollständiges System aus zertifizierten Produkten, technischem Know-how und praxisnaher Schulung.

Was wir dir konkret bieten:

  • Zertifizierte Kurzliner-Systeme: Unser PL®-PointLiner ist speziell für die partielle Sanierung entwickelt und entspricht den geltenden Normen und Zulassungsanforderungen
  • Komplette Systemlösungen: Von der Reinigung über die Inspektion bis zur Aushärtung liefern wir aufeinander abgestimmte Produkte und Leistungen
  • Schulung und Akademie: In unserer Relining Academy schulen wir dich und dein Team im sicheren Umgang mit allen Sanierungssystemen
  • Individuelle Sanierungsfahrzeuge: Wir bauen Fahrzeuge aus, um oder auf, die exakt auf deine Anforderungen in der partiellen Sanierung zugeschnitten sind
  • Persönliche Beratung: Unser Team begleitet dich von der ersten Frage bis zur abgeschlossenen Sanierung

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