Schadensbilder

Nach DIN EN 13508-2 werden die auftretenden Schadensbilder vereinheitlicht und durch ein Kodier-System beschrieben. Nachfolgend sollen die wichtigsten Schadensbilder gezeigt und die entsprechenden Ursachen und Randbedingungen kurz charakterisiert werden.

Versatz

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersu­chung und Beurteilung von Entwässerungssyste­men außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersys­tem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. 118.

Quelle: Klaus Peter Bölke, Kanalinspektion – Zu­stände erkennen und dokumentieren, 4. Auflage, Springer-Vieweg, Berlin 2013, S. 153.

Ein Versatz an Anschlussmuffen entsteht durch Bewegungen im Erdreich oder durch unsachgemäßen Anschluss. Der Versatz ist einer der am häufigsten auftretenden Schadensbilder und verantwortlich für Verstopfungen im Kanal sowie für Undichtigkeiten.

Ursachen von Versätzen im Kanal können dabei sein:

  • schlechte Bettungsvorbereitung,
  • mangelhafte Rohrverlegung,
  • schlechte oder falsche Verdichtung,
  • unsachgemäße Entfernung des Grabenverbaus,
  • Bodenbewegungen,
  • zu großer Lasteintrag ins Erdreich über dem Abwasserkanal,
  • Hohlraumbildung um den Kanal herum.

 

Dieses Schadensbild kann sehr gut mit dem Point-Liner® System repariert werden, da Struktur und Statik des Rohres noch voll gegeben sind.

Rissbildung – längs und radial als Streckenschaden

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersuchung und Beurteilung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. 106 – 108.

Quelle: Klaus Peter Bölke, Kanalinspektion – Zustände erkennen und dokumentieren, 4. Auflage, Springer-Vieweg, Berlin 2013, S. 150.

Durch Risse wird die Statik eines Rohres stark beeinträchtigt. Dadurch, dass die Struktur aber noch gegeben ist, kann auch dieses Schadensbild gut mit den Verfahren der geschlossenen Bauweise saniert werden. Dabei sind:

  • Material
  • Alter
  • Größe und Wirkungsart der Belastung

ausschlaggebend für die Art und Weise, wie sich das Schadensbild darstellt. Dieses kann sich dabei als Strecken- oder als punktueller Schaden darstellen.

Rissbildung als Punktschaden

Quelle: Klaus Peter Bölke, Kanalinspektion – Zustände erkennen und dokumentieren, 4. Auflage, Springer-Vieweg, Berlin 2013, S. 154.

Neben dem klassischen punktuellen Schadensbild Riss verursachen punktuelle statische und dynamische Überlasten das nachfolgende Schadensbild der Scherbenbildung. Dabei tritt die Scherbenbildung als Sekundärschaden von punktuellen Rissen auf und führt bei Nicht-Behandlung letztendlich zum Rohrbruch. Auch hier ist eine geschlossene Sanierung folglich möglich.

Scherbenbildung

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersu­chung und Beurteilung von Entwässerungssyste­men außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersys­tem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. Quelle: Klaus Peter Bölke, Kanalinspektion – Zu­stände erkennen und dokumentieren, 4. Auflage, Springer-Vieweg, Berlin 2013

Wurzeleinwuchs

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersuchung und Beurteilung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. 121.

Der Wurzeleinwuchs ist ein spezieller Fall, weil er immer durch eine Undichtigkeit hervorgerufen wird. Wurzeleinwuchs ist also immer ein sekundäres Schadensbild, weil ihm zwangsläufig eine Undichtigkeit des Rohres vorhergegangen sein muss. Somit kann in Fällen, bei denen auch optisch eine Undichtigkeit erkennbar ist, auf eine weiterführende Dichtheitsprüfung des Kanals verzichtet werden. Dasselbe gilt auch bei den beiden folgenden Schadensbildern Rohrbruch und Einsturz.

Bei der Sanierung eines Wurzeleinwuchses muss die Wurzel im Vorfeld mittels Frästechnik entfernt werden. Bei Sanierung ist zu beachten, dass die Wurzel auch nach der Sanierung weiterwächst und die reparierte bzw. renovierte Stelle angreifen kann. Grundsätzlich ist jedoch auch dies ein Fall für den Einsatz des Point-Liner® Verfahrens.

Rohrbruch

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersuchung und Beurteilung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. 110.

Beim Rohrbruch fehlen einzelne Teile des beschädigten Rohres. Diese können in der Sole liegen bleiben und Verstopfungen hervorrufen. Außerdem wird das anliegende Erdreich durch das mit Fäkalien belastete Abwasser verschmutzt. Falls nicht zu große Teile des Kanals eingebrochen sind und dieser somit noch repariert werden kann, ist dieses Schadensbild dringend zu sanieren, da der Kanal hier kurz vor dem Einsturz steht. Die hydraulische Leistung und der korrekte Ablauf des Abwassers sind hier schon kaum mehr gegeben, sodass eine Reparatur auch aus ökologischen Gründen angezeigt bzw. rechtlich verpflichtend ist. Das Point-Liner® System kann jedoch selbst bei diesem gravierenden Schaden eingesetzt werden.

Einsturz

Quelle: Deutsches Institut für Normung, Untersuchung und Beurteilung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion, ICS 93.030, DIN EN 13508-2:2011-08, Berlin 2011, S. 111.

Der Einsturz kennzeichnet den technischen Totalschaden. Die Wiederherstellung durch stützende Materialien ist hier nicht mehr möglich. Es muss erneuert werden.

Exfiltration/ Infiltration

Diese Schadensbilder tragen alle zu den übergeordneten Problemen der Exfiltration und Infiltration bei:

Exfiltration: Versickerung aus einem Entwässerungssystem in den Untergrund.

[DIN EN 1085:2007-05, Begriff 2230]

Die Exfiltration ist die Kontamination des Grundwassers aufgrund des undichten Kanals.

Infiltration: Ungewollter Volumenstrom im Entwässerungssystem durch Eintritt von Grundwasser und/oder Fremdwasser in ein Entwässerungssystem.

[DIN EN 1085:2007-05, Begriff 2220, modifiziert]

Durch Infiltration füllen sich Abwasserrohre mit Grundwasser und überlasten somit das Kanalnetz und angeschlossene Kläranlagen durch höhere hydraulische Belastung und Verdünnung der Schmutzkonzentration.

Beispiel für eine Infiltration:

Quelle:http://www.ese.freiburg.de/pb/site/freiburg_ese/get/params_E-1768557768/621306/infiltration.jpg

Anhand der vorstehenden Informationen wird deutlich, dass alle Schadensbilder außer dem Einsturz mithilfe des Point-Liner® Systems instandgehalten bzw. -gesetzt werden können. Da der Einsturz eines Rohres immer ein Schaden infolge eines vorhergehenden Schadens ist, können Betreiber, die ordnungsgemäß über den Zustand ihres Kanalnetzes informiert sind, einer Havarie des Kanalrohres frühzeitig vorbeugen. Zudem können durch die Dokumentation der Schadensbilder und die im Zuge der Analyse getroffene Einteilung in Zustandsklassen Prioritäten für die Sanierung des Abwassersystems festgelegt werden, um somit unnötig hohen Kosten für Instandhaltung oder gar unvorhergesehenen Zahlungen wegen Ausfalls vorzubeugen


Last updated byJonas Bodenbeneder