Tag des Toilettenpapiers – Kanalsanierungs Blog

by | Aug 26, 2020 | Blog

Blau oder gelb, mit Blümchen, Bärchen oder im Winter auch mal mit Elchen? Kamille- oder Apfelstrudelduft? 2-, 3- oder sogar 5-lagig? Mittlerweile ist nahezu alles möglich, aber die Meisten mögen es dann doch am liebsten strahlend weiß, weich und geruchsneutral: Das Toilettenpapier.

…und somit willkommen zu unserem neuen Blogbeitrag. Diese Woche wollen wir uns zum Tag des Toilettenpapiers mit den Bestandteilen und Ursprüngen dieses kostbaren Alltagshelfers beschäftigen und auf die Eigenschaften in der Kanalisation eingehen.

Was mittlerweile ein echtes High-Tech Produkt ist (saugfähig, reißfest und komfortabel), hat eine lange Historie: Schon seit je her spielt Körperhygiene eine Rolle im Leben der Menschen und bevor es erste Hilfsmittel, wie Lumpen und Schwämme gab, wurde ganz klassisch die Hand genommen – auch als Toilettenpapier-Ersatz. Hier wurde stets die „böse“ linke Hand verwendet; aus diesem Grund begrüßt man sich übrigens bis heute noch mit der rechten Hand!

Im 14. Jahrhundert wurde schließlich in China die erste Variante unserer heutigen Toilettenpapiers hergestellt (damals noch lose Einzelblätter in Schachteln) und im Jahr 1857 kam es nach diversen Weiterentwicklungen zur ersten „industriellen“ Produktion in der British Perforated Paper Company: von nun an gab es das Papier perforiert zum Abreißen auf Rollen. In Deutschland gab es die erste Fabrik zur Produktion von Toilettenpapier im Jahr 1928, gegründet durch Hans Klenk.

Heutzutage verbraucht jeder Deutsche im Jahr etwa 1,5 Kilometer (!) Toilettenpapier – Tendenz steigend. Hierbei kommen nicht nur die zu Beginn genannten Variationen zum Einsatz, sondern auch feuchtes Toilettenpapier und (leider sehr selten) auch Recycling-Papier. Alle Varianten werden einfach im WC heruntergespült und über die Hausanschlüsse schließlich ins Abwassersystem der Städte und Gemeinden geleitet. Somit sind sie unumgänglich ein großer Teil des Wasserwiederaufbereitungs-Kreislaufes.

Schauen wir uns also mal an, was wir da so tagtäglich hinab in die Kanalisation spülen: Normales Toilettenpapier besteht aus mehreren dünnen Papierbahnen, welche aus einer Art Faserbrei gewonnen werden, dem nach und nach die Flüssigkeit durch Quetschen und Erhitzen entzogen wird. Die Fasern, die hierbei Stabilität bieten, sind verschiedene Zellstoffe, die oftmals aus dem Holz von Nadelbäumen gewonnen werden. Für Komfort sorgen eher weiche Fasern aus Eukalyptus. Bis es dazu kommt, wird jedoch zunächst die Zellulose aus dem Holz gelöst und schließlich für den strahlend weißen Look gebleicht. Um es zusammenzufassen: Wir betreiben hohen (Energie-) Aufwand, um dann alles wieder den Abfluss hinunter zu spülen.

©Michael Koch (für Geolino)

Besser sieht es da bei Recycling-Hygienetüchern aus. Diese werden primär aus Altpapier gewonnen und unter deutlich weniger Aufwand zu Toilettenpapier verarbeitet. Aus ökologischen Gründen sollten wir alle also öfter diese Variante kaufen.

Lassen wir den Umweltaspekt mal kurz außen vor: Egal ob Recycling-Papier oder normales, beide wurden so konzipiert, dass sie sich auf ihrem Weg durch die Kanalisation schnellstmöglich zersetzen und somit die Umwelt und die Kläranlagen wenig beanspruchen. Gleiches gilt für die Rohre – je weniger Rückstände es gibt, desto sauberer und „fließender“ bleiben die Rohre.

Etwas anders sieht das bei feuchten Tüchern aus – das Thema ist für viele Kanalreiniger und -sanierer ein rotes Tuch. Von den Herstellern wird zwar immer bescheinigt, dass man sie nach der Benutzung im WC entsorgen kann, in der Realität sieht das aber leider oft anders aus und die Tücher kommen unaufgelöst in den Kläranlagen an oder verstopfen vorher schon die Kanäle. Hier kommt natürlich häufig noch hinzu, dass die Kanäle meist schon vorbelastet sind. Wir haben ja bereits in unseren vorherigen Beiträgen darüber berichtet, dass nur ein Bruchteil der Kanäle saniert ist. Somit sorgen Wurzeln, Risse oder was sonst so im Kanal zu finden ist (ihr würdet Euch wundern!) dafür, dass sich das Papier verfängt – und dann eben auch nicht bzw. schwer auflöst.

Muss dann das Rohr professionell gereinigt und saniert werden, entstehen Kosten, die auch im öffentlichen Raum wieder auf die Verbraucher umgelegt werden (Abwassergebühren, etc.).

Also… wenn Ihr Euch mit feuchtem Papier wohler fühlt, dann schmeißt es in den Müll – und ansonsten, egal ob Toilettenpapier-Knüller oder Falter, nutzt im Sinne der Umwelt vermehrt Recycling-Papier 😊

©Michael Koch (für Geolino)

Wir hoffen dieses etwas andere Thema war auch spannend für Euch. Bis zum nächsten Mal.
Eure Anna

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