Aufgraben oder Sanieren – Kanalsanierungs Blog

by | Aug 5, 2020 | Blog

In unserem wöchentlichen Marketing-Meeting wurde mir gesagt, dass es ja schön und gut sei, wenn ich immer über Schadensbilder oder Sanierungsverfahren schreibe, es aber für die Meisten da draußen viel interessanter wäre, nicht das Fachspezifische zu lesen, sondern auch mal etwas, womit auch der „normale“ Bürger etwas anfangen kann! Aaaaaalssssoooo…

Ich habe bereits eine Reihe verfasst zum Thema „Warum wir Sanieren?“. Diese wird auch bald erscheinen. Dort werde ich darauf eingehen, welche Auswirkung das Kanalnetz auf Ökologie und Ökonomie hat. In diesem Beitrag wird aber etwas viel Grundsätzlicheres beschrieben, nämlich:

– Aufgraben vs. Sanieren –

Um das noch einmal deutlich zu sagen: Unsere Kunden können Rohre wieder ganz machen, ohne den Boden oder die Wand aufzureißen!

Das hat natürlich sehr viele offensichtliche Vorteile, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist. Es macht kaum Dreck, ist günstiger und hält fast ein ganzes Leben lang! Warum also überhaupt noch Aufgraben? Das ist die Frage! Na, weil die wenigsten Menschen überhaupt wissen, dass man Rohre auf diese Art und Weise reparieren und renovieren kann! Wir haben uns mal hingesetzt und anhand der vorliegenden Zahlen überlegt, wie viele Menschen in Deutschland wissen, dass man einen Kanal oder ein Rohr auf diese Art und Weise instand halten kann. Dabei sind wir auf 12% gekommen… Das ist quasi jeder Achte! Natürlich ohne Gewähr. Unser Job besteht neben der Entwicklung guter Produkte auch darin, die Menschen darüber zu informieren. Aber auch hier muss natürlich erwähnt sein, dass es für diese Systeme auch Grenzen gibt, wie zum Beispiel die Folgenden:

  • Der Innenradius des Rohres muss vergrößert werden, da mehr Menschen angeschlossen sind und die hydraulische Leitfähigkeit erhöht werden muss.
  • Das Rohr ist auf einer Strecke komplett zusammengebrochen.
  • Es hat so viele Bögen und Dimensionswechsel, dass es mit den aktuellen Systemen nicht saniert werden kann.

Aber der Großteil kann gemacht werden. Auch Rohre innerhalb von Gebäuden sind ein Thema, zum Beispiel in mehrstöckigen Mietshäusern oder Bürogebäuden, in denen nicht einfach das Fallrohr aus der Wand gerissen werden kann oder ein innenliegendes Regenrohr. Das gibt es ganz oft!

Es ist doch eigentlich interessant, dass sich jeder bei einem Hauskauf das Dach anschaut, aber nie den Kanal! Ich würde drauf bestehen… J Warum gibt es keinen „Ausweis für die Funktionstüchtigkeit eines Kanals“? So ähnlich wie einen Energieausweis! Aus ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten macht das auf jeden Fall Sinn!

Aber wie ist das eigentlich rechtlich geregelt?

Es gibt ein bundesweites Wasserhaushaltsgesetz (WHG), in dem diese Sachen geregelt sind. Die Auslegung ist aber wieder Ländersache und jedes Land kontrolliert oder bestimmt unterschiedlich. Grundsätzlich heißt es aber: „Abwasseranlagen müssen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet, betrieben und unterhalten werden“ (§60 WHG) und jeder, der „eine Abwasseranlage betreibt, ist verpflichtet, ihren Zustand, ihre Funktionsfähigkeit, ihre Unterhaltung und ihren Betrieb sowie Art und Menge des Abwassers und der Abwasserinhaltsstoffe selbst zu überwachen“ (§61 WHG).

Wer Betreiber der Abwasseranlage ist wird von Bundesland zu Bundesland wieder unterschiedlich gesehen. Wer aber eine private Liegenschaft hat fällt auf jeden Fall in diese gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das große Stichwort für den privaten Betreiber ist die Dichtheitsprüfung. In manchen Bundesländern (z.B. Bayern) ist der Kanalbesitzer verpflichtet, seinen Kanal auf Dichtheit zu prüfen. Er ist von der Kommune oder dem Abwasserverband informiert worden und hat eine bestimmt Frist einzuhalten. Wird der Kanal als schadhaft geprüft, hat der Betreiber wieder etwas Zeit, um ihn mit geeigneten Systemen zu sanieren. Hier ändern sich aber ständig die Regelungen und dementsprechend werde ich auch keine Übersicht verlinken. Ich gehe aber davon aus, dass es früher oder später ein bundespolitisches Thema werden wird.

Woher weiß ich, wann der Kanal kaputt ist?

Das lässt sich so pauschal und ohne Kamerabefahrung nicht sagen, aber es gibt einige Hinweise, die dafürsprechen könnten:

  • Wenn ich häufiger eine Verstopfung habe und der Rohrreinger kommen muss, kann ich davon ausgehen, dass der Unrat irgendwo hängen bleibt, weil der Kanal nicht mehr in Ordnung ist. Wie beim Menschen auch…. 😀
  • Wenn ich einen Baum im Vorgarten habe, der seit Jahren wunderbar wächst und gedeiht, kann ich davon ausgehen, dass sich seine Wurzeln in den Kanal gearbeitet haben.

Man kann definitiv sagen, dass 20% – 30% aller Kanalmeter kurz- bis mittelfristig zu sanieren sind. Dazu gehören auch die privat verlegten Kanalmeter. Eine weitere Studie besagt, dass jeder deutsche Bürger an durchschnittlich 7 Meter Abwasserkanal angeschlossen ist. Damit ist es wahrscheinlich, dass jemand, der einen Kanal betreibt, auch einen Schaden hat, es sei denn, der Kanal ist neu.

Wie oben schon erwähnt, ist die Kanalsanierung wesentlich günstiger als die Erneuerung. Als Richtwert kann man wohl sagen, sie kostet ein Drittel der Erneuerung. Eine Studie des DWA von 2015 besagt, dass eine Erneuerung pro Laufmeter Kanal 1.584€ kostet, eine Renovierung hingegen nur 411€ pro Laufmeter. Hier werden aber alle Rohre berücksichtigt, auch die in öffentlicher Hand, deren Unterhalt vom Steuerzahler finanziert wird.
https://de.dwa.de/files/_media/content/03_THEMEN/Entw%C3%A4sserungssysteme/Kanalumfrage/Zustand%20der%20Kanalisation%202015.pdf

Qualitativ stehen die Sanierungssysteme einer Erneuerung in Nichts nach. Natürlich ist neu auch immer schön, aber das PL®-Inliner System zur Renovierung von Rohren ist beispielsweise vom Deutschen Institut für Bautechnik für 50 Jahre zugelassen. Und so lange hält das auch wirklich!

Solltet Ihr also irgendwann einmal in die Situation kommen, dass Euer Hausanschluss gemacht werden muss denkt immer daran, dass es eine günstigere Alternative zum Aufgraben gibt!

Falls Ihr weitere Fragen zum Thema „Kanalsanierung“ habt, könnt Ihr sie natürlich immer gerne stellen.

Bis zum naschten Mal,
Euer Jonas

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